Ralf Schumacher blickt pessimistisch in die Zukunft: „In naher Zukunft werden wir keine Formel-1-Fahrer mehr haben“
Von Martin Moravec
München – Ralf Schumacher (50) äußerte sich äußerst kritisch zum Status des Motorsports in Deutschland.
„Der deutsche Motorsport hat sich im Grunde selbst ins Aus manövriert. Das begann bereits mit dem Naturschutz, der dazu führte, dass keine neuen Kartbahnen genehmigt werden oder bestehende nicht weiter betrieben werden dürfen“, erklärte der ehemalige Formel-1-Fahrer während einer Presseveranstaltung des Fernsehsenders Sky.
Er verglich die Situation mit dem hypothetischen Wegfall aller Fußballplätze in Deutschland, während gleichzeitig erwartet wird, dass Vereine wie der FC Bayern München weiterhin bestehen.
„In absehbarer Zeit werden wir keine deutschen Formel-1-Piloten mehr haben – es sei denn, sie verfügen über ausreichend finanzielle Mittel und können, wie es viele der finanziell gut ausgestatteten Fahrer tun, in Italien Kart fahren“, erläuterte der Bruder des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher (57) weiter.
Dort müsse das Talent allerdings direkt gegen die beste Konkurrenz antreten. „Das ist nur im italienischen Kart-Sport möglich.“
Ralf Schumacher selbst war von 1997 bis 2007 in der Formel 1 aktiv und feierte sechs Grand-Prix-Siege. Sein Bruder Michael krönte seine Karriere sogar mit sieben WM-Titeln.
Der letzte Grand Prix in Deutschland fand 2020 auf dem Nürburgring statt, allerdings nur als Ersatz für ausgefallene Rennen wegen der Corona-Pandemie. Mit Nico Hülkenberg (38, Audi) verbleibt derzeit nur noch ein deutscher Stammfahrer in der Königsklasse.
„Man muss heute Rennen gewinnen – nur dabei zu sein reicht nicht mehr, denn die Formel 1 ist ausschließlich für die besten Fahrer der Welt“, betonte Sky-Experte Schumacher vor dem Hintergrund des Rückzugs von Tim Tramnitz (21). Der junge Deutsche galt als großes Talent, zieht sich nun aber aus dem Formelsport zurück und wechselt zu BMW in die GT-Serie.
Der 21-Jährige hatte zuletzt gesagt, dass der Aufstieg von der Formel 3 in die Formel 1 angesichts der enormen finanziellen Anforderungen „nur schwer zu stemmen“ sei.
„Im Optimalfall gewinnt man die Formel 3 und anschließend schnell auch die Formel 2, um überhaupt die Aufmerksamkeit der Teams zu erlangen“, beschrieb Schumacher den Karrierepfad eines Nachwuchsfahrers in Richtung Formel 1. Er schätzte die Gesamtkosten für diesen Aufstieg auf etwa 15 Millionen Euro.