zurück

Lisa Müller und das Etikett der Spielerfrau: „Man hält mich immer für die Dümmste im Raum“

Von Martin Moravec

Bamberg – Lisa Müller (36) ist Dressurreiterin und Ehefrau von Thomas Müller (36), der 2014 Fußball-Weltmeister wurde. Schnell wird sie dadurch mit dem Klischee der Spielerfrau belegt. Stört sie das?

„Anfangs habe ich lange versucht, mich dagegen zu wehren und zu betonen: Ich bin mehr als das, ich kann reiten“, erzählte die gebürtige Münchnerin bei einer Wahlkampfveranstaltung mit der CSU-Oberbürgermeisterkandidatin Melanie Huml (50) in Bamberg. „Mittlerweile ist es mir egal geworden.“

Lisa Müller findet die Situation teilweise sogar „ziemlich amüsant. Man hält mich immer für die Dümmste im Raum. Aber manchmal ist es auch ganz angenehm, als das ‚Dummerl‘ gesehen zu werden, denn so kann man andere beim Gespräch leichter überraschen.“

Die Reiterin ist seit 2009 mit dem ehemaligen FC-Bayern-Star verheiratet, der seit letztem Sommer bei den Vancouver Whitecaps in der nordamerikanischen Profiliga MLS aktiv ist. Das Paar lebt in einer Fernbeziehung.

„Er als Profi-Sportler weiß, wie sehr ich für meinen Sport brenne. Und ich als Sportlerin verstehe, wie sehr er seinen Sport lebt“, erklärte Lisa Müller, die nicht mit nach Kanada gezogen ist, sondern in Bayern geblieben ist.

Weiterhin kümmert sie sich um das gemeinsame Gestüt Wettlkam. „Es fiel uns nicht leicht, auf zwei Kontinenten beruflich tätig zu sein.“ Für sie stand nie zur Debatte, „das Gestüt für ein Jahr sich selbst zu überlassen.“

Lisa Müller bezeichnet sich selbst als wirtschafts- und politisch interessiert. Im vergangenen Herbst absolvierte sie sogar ein Praktikum zur Orientierung im bayerischen Landtag.

Die im Landkreis Miesbach aufgewachsene Frau berichtete außerdem, dass sie aus ihrem Wahlkreis bereits angefragt wurde, ob sie nicht für ein Mandat kandidieren wolle. „Ich war aber zu ängstlich“, gestand sie. „Ich traute mich nicht, weil ich dachte, ich kenne mich zu wenig aus.“

Mit einem humorvollen Kommentar über die Geschlechterverteilung auf dem Gestüt sorgte Müller bei etwa 150 Gästen in einer Bamberger Bäckerei für Lacher. Huml wollte wissen, ob dort auch viele Jungen seien.

„Bei uns gibt es zwar viele Jungs, aber die interessieren sich nicht so sehr für Frauen“, antwortete Müller. „Einen Ehemann lernt man dort also kaum kennen.“