Ehemaliger Zweitliga-Torhüter berichtet von dramatischer Flucht aus dem Iran: „Wir wussten nicht, wohin wir gehen sollten“
Hamburg/Täbris – Marko Johansson (27), ehemaliger Torwart in der 2. Bundesliga, erlebte den Angriff auf den Iran aus nächster Nähe mit! Der Schwede, der für den Hamburger SV und Eintracht Braunschweig spielte, ist seit September 2025 beim iranischen Meister Traktor FC unter Vertrag. Während er mit seinen Mannschaftskameraden gerade frühstückte, schlug nur wenige Meter entfernt eine Rakete ein.
Eigentlich wollte sich der 27-Jährige gemeinsam mit seinen Kollegen auf das Achtelfinalspiel der asiatischen Champions League gegen Shabab Al-Ahli aus Dubai vorbereiten – doch dann folgte der Schock.
„Am Samstagvormittag traf ich mich mit den anderen ausländischen Spielern zum Frühstück, als plötzlich jemand berichtete, dass Teheran angegriffen wurde“, erzählte Johansson der Bild.
Schnell wurde ihm und den weiteren ausländischen Profis klar, dass sie das Land dringend verlassen müssen. „Ich packte nicht nur eine Tasche für Dubai, sondern gleich zwei“, berichtete er. „Kurz darauf rief uns der Trainer zusammen und versicherte, dass der Klub uns in allem unterstützen würde.“
Für die Ausreise benötigte Johansson jedoch ein spezielles Visum. Bis er dieses in den Händen hielt, befand er sich bereits mitten im Kriegsgebiet. „Wir saßen im Hotel direkt am Trainingsgelände, als plötzlich ein lauter Einschlag erfolgte. Das ganze Gebäude bebte. Wir sprangen erschrocken auf und wussten nicht, wohin wir flüchten sollten“, schilderte der Torhüter die dramatischen Augenblicke.
Etwa sechs Kilometer vom Trainingszentrum entfernt liegt eine iranische Militärbasis, die Ziel eines Angriffs war.
Für die Spieler stand fest: Sie mussten hier weg. „Innerhalb von Minuten stand ein Auto bereit, mit dem wir zur türkischen Grenze gebracht wurden. Die Fahrt dauerte fünf Stunden. Dabei sahen wir, wie die iranischen Streitkräfte Raketen für einen Gegenschlag vorbereiteten“, berichtete Johansson.
Zum Glück verlief die Grenzüberquerung zügig, sodass Johansson und seine Teamkollegen nach Istanbul weiterreisen konnten. Von dort aus flog der 27-Jährige direkt nach Göteborg. „Hier bin ich jetzt bei meiner Frau und unserer zweieinhalbjährigen Tochter. Auch die anderen ausländischen Spieler meines Vereins sind bei ihren Familien untergekommen.“
Wie es für ihn beruflich weitergeht, ist derzeit noch ungewiss. „Momentan trainiere ich alleine, was für mich ungewohnt ist. Gleichzeitig verfolge ich die Nachrichten aus dem Iran sehr genau. Mein Berater kümmert sich um meinen Vertrag“, erklärte der Schwede. „Meine Gedanken sind bei den Menschen im Iran, mit denen ich viele Kontakte pflege. Ich hoffe sehr, dass der Konflikt bald ein Ende findet.“
Johansson kam im Sommer 2021 zum HSV, konnte sich dort jedoch nicht durchsetzen und absolvierte lediglich sieben Spiele. Anschließend wurde er an den VfL Bochum und Hansa Rostock ausgeliehen, kam dort aber nicht zum Einsatz. In der Saison 2024/25 stand er bei Eintracht Braunschweig in elf Spielen der 2. Bundesliga auf dem Platz, ehe er verletzt ausfiel. „Ich mochte die Liga sehr – und die Sprache spreche ich auch“, so Johansson.