Rücktritt, Absetzung oder Wahlkampf: Wie geht es für FIFA-Präsident Gianni Infantino weiter?
Nyon (Schweiz) – Steht der Weltfußball vor einem grundlegenden Umbruch? Mit seinen Plänen, Investoren stärker in die Weltmeisterschaft einzubinden, hat FIFA-Chef Gianni Infantino (56) eine heftige Kontroverse ausgelöst. Zwar hat der Schweizer seine Vorschläge inzwischen zurückgenommen, doch der Druck auf ihn wächst spürbar. Besonders die UEFA soll bereits ernsthaft an seiner Ablösung arbeiten.
Die Wahl des FIFA-Präsidenten ist für den 18. März 2027 in Rabat, Marokko, angesetzt. Nach Medienberichten plant Infantino, sich erneut zur Wiederwahl zu stellen und seine dritte Amtszeit als FIFA-Chef anzutreten.
Der „Telegraph“ berichtet jedoch, dass die UEFA dem umstrittenen Funktionär nun ein Ultimatum gestellt hat: Entweder tritt er freiwillig zurück oder ein Amtsenthebungsverfahren wird noch vor der Wahl eingeleitet.
Dafür müssten 20 Prozent der 211 FIFA-Mitgliedsländer, also 43 Staaten, einen Sonderkongress einberufen und Infantino mit Mehrheit absetzen. Die Einberufung eines solchen Kongresses wäre für die UEFA keine große Hürde, da 55 ihrer Mitglieder angehören.
Diese Länder hatten sich zuletzt zudem einstimmig für einen Boykott ausgesprochen, falls Infantino an seinen Investorenplänen festhält, was auf eine geschlossene Front bei der UEFA schließen lässt.
Alternativ könnte der 56-Jährige bei der anstehenden Wahl auch einfach durch einen anderen Kandidaten ersetzt werden. Innerhalb der FIFA wächst offenbar die Skepsis gegenüber Infantino, insbesondere wegen seiner bei der kürzlich beendeten WM öffentlich demonstrierten Nähe zu US-Präsident Donald Trump (80), die viele Kritiker auf den Plan rief.
Auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Kontinentalverband AFC stellten sich gegen Infantino und seine Finanzpläne. Der FIFA-Präsident soll aktuell in Afrika und Südamerika um Unterstützung werben.
Für einen erfolgreichen Machtwechsel bei der Wahl wird jedoch ein aussichtsreicher Gegenkandidat benötigt. Laut der „Sunday Times“ gelten PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi (52) und AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa (60) als mögliche Anwärter.
Al-Khelaifi hat jedoch bereits eine Kandidatur ausgeschlossen: „Herr Al-Khelaifi hat keinerlei Ambitionen, Absichten oder Interesse an einer Position bei der FIFA oder an dem damit verbundenen Medienrummel“, ließ sein Sprecher verlauten.
Weitere potenzielle Kandidaten sind UEFA-Präsident Aleksandar Čeferin (58), der als Hauptinitiator des Protests gilt, CONCACAF-Chef Victor Montagliani (60) aus Kanada, FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström (45) sowie die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness (45).