Unberechenbare 2. Liga: Wie realistisch ist Herthas Ziel für die Saison?
Berlin – Hertha BSC hat sich lange Zeit gelassen, doch am Wochenende wurde die Marschrichtung klar definiert. Im Interview mit dem RBB erklärte Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich (59): „Unser Ziel ist eindeutig: ein Platz unter den besten zehn, mit dem festen Willen, sich weiter nach vorne zu entwickeln. Dafür werden wir hart arbeiten – und das tun wir bereits –, womit wir uns sehr wohlfühlen.“
Während die Berliner in der vergangenen Saison noch klar auf den Aufstieg gesetzt hatten, wird nun ein bescheideneres Ziel verfolgt.
Das heißt konkret: Von Rang eins bis neun wäre man in Berlin zufrieden, wobei das Team eher im unteren Mittelfeld verortet wird.
Insgesamt haben bereits 13 Spieler den Verein verlassen. Die teuren Leistungsträger sind nicht mehr dabei. Besonders schwer wiegen der Verlust von Tjark Ernst (23), einem der besten Torhüter der 2. Liga, sowie von Unterschiedsspieler Fabian Reese (28), die nur schwer zu ersetzen sind.
Allerdings gehört zur Realität auch, dass Hertha in den drei Jahren seit dem Abstieg mit Reese & Co. nie über Platz fünf hinausgekommen ist. Der angestrebte Aufstieg wurde deutlich verfehlt. Nach den Rängen neun und elf in den Vorjahren landete das Team schließlich nur auf Platz sieben.
Nun sollen andere Spieler die Verantwortung übernehmen. „Finanziell haben wir an der einen oder anderen Stelle über unsere Verhältnisse gelebt. Das mussten wir erst einmal korrigieren. Es wurde ganz offen kommuniziert, dass wir die Kaderkosten reduzieren und dabei auch Qualität verlieren werden“, erklärte Görlich.
Hertha präsentiert sich heute anders als noch vor drei Monaten: Ein Kader voller junger Talente und eine neue Spielphilosophie prägen das Team. Die „Alte Dame“ möchte künftig höher stehen und aggressiver pressen. Dass dieser offensive Stil auch mehr Gegentore mit sich bringen könnte, ist eingeplant – gerade für die vielen Nachwuchsspieler ist dieser Ansatz durchaus passend.
Nun liegt es an den jungen Spielern wie Soufian Gouram (20), Mayson Grothe (17) und ihren Mitspielern, zu beweisen, dass sie in der 2. Liga mithalten können.
Görlich betont: „Wir haben eine klare Strategie vorgegeben, den sogenannten Berliner Weg nicht nur zu propagieren, sondern tatsächlich zu leben. Wir sind überzeugt, dass der beste Transfer ein interner ist. Wir haben viele spannende Talente hochgezogen, darunter einige, die noch nie im Herrenbereich gespielt haben.“
Während die Alte Dame vor einem Jahr von nahezu allen Experten als Top-Aufstiegsfavorit gehandelt wurde, rechnen manche inzwischen mit einer schwierigen Spielzeit für die Berliner. In der unvorhersehbaren 2. Liga ist Hertha derzeit wohl die größte Unbekannte.
Fest steht jedoch: Die Mannschaft wird sich noch verändern. Das Transferfenster bleibt noch etwa vier Wochen geöffnet. Gelingt es Hertha, an den richtigen Stellschrauben zu drehen, kann aus dieser Übergangssaison durchaus ein Erfolg werden – auch mit einem neunten Tabellenplatz.