WM-Talent spielt nur für seine kleine Schwester: „Seit deinem Tod fühle ich mich leer“
Leipzig/USA – Yan Diomande (19) von RB Leipzig ist der Shootingstar der vergangenen Bundesliga-Saison. Am Samstag trifft der junge Ivorer mit seiner Nationalmannschaft der Elfenbeinküste auf das deutsche Team. Schon immer war die Weltmeisterschaft ein großer Traum für ihn – ein Traum, den er nun auch seiner verstorbenen Schwester widmet.
Roxane hieß das Mädchen, das im Alter von nur 15 Jahren verstarb. Dies erzählt der Stürmer in einem persönlichen Brief, den er auf der US-Plattform The Players' Tribune veröffentlichte. Der Brief beginnt mit den Worten: „Liebe Roxane ...“
Die Umstände ihres Todes sind tragisch. Vor etwa anderthalb Jahren unterschrieb Diomande seinen ersten Profivertrag bei CD Leganés, einem damals noch in der spanischen ersten Liga spielenden Klub, der inzwischen jedoch wieder in der zweiten Liga aktiv ist.
Er erinnert sich zurück: „Damals hatte ich noch Gefühle. Heute spüre ich nichts mehr. Es ist, als wäre ich kein Mensch mehr. Seit du nicht mehr da bist, fühle ich mich leer.“ Diese bewegenden Worte berühren zutiefst.
Sein Debüt feierte der damals 18-Jährige im März 2025 gegen Real Madrid. Nur wenige Wochen später erhielt er einen Anruf, der sein Leben auf den Kopf stellte.
Wer genau die schlimme Nachricht überbrachte, erwähnt Diomande nicht. Er berichtet lediglich, dass ein Familienmitglied ohne große Emotion sagte: „Deine Schwester ist nicht mehr da. Sie ist gestorben. Jemand hat ihr auf einer Party etwas ins Getränk gemischt, sie ist nie wieder aufgewacht.“
Für Diomande brach damit eine Welt zusammen. Bis heute hat er keine Antworten darauf, wie und warum es geschehen konnte. Stattdessen quälen ihn Schuldgefühle, ob er Roxane hätte beschützen können.
Dennoch hält er auch an den Erinnerungen fest: An die Zeit, als sie als Kinder mit 25 Personen in einem Haus in seiner Heimatstadt Abidjan lebten, und wie er sich nachts heimlich zum Fußballschauen hinausschlich. Wie er sogar seine ersten Fußballschuhe mit ins Bett nahm.
Er denkt auch daran zurück, wie er im Alter von neun Jahren seine Familie verließ, um an einer Fußballakademie an der Grenze zu Ghana ausgebildet zu werden.
Gemeinsam träumten sie davon, dass er eines Tages ein Star wird und viel Geld verdient, ohne Sorgen. Doch für ihn steht heute schon fest: Geld macht nicht glücklich. „Ich sehe, was es mit Menschen anstellt, sogar innerhalb der Familie“, sagt der erst 19-Jährige nachdenklich.
Roxane habe immer an ihn geglaubt, trotz aller Rückschläge. Der Verlust schmerze noch immer. „Alles, was ich tun kann, ist, diesen Schmerz zu nutzen, noch härter zu arbeiten und alles zu erreichen, was wir uns erträumt haben“, schreibt Diomande an seine kleine Schwester.
Durch den Fußball möchte er dafür sorgen, dass ihr Andenken weiterlebt und jeder ihren Namen kennt. „Alles, was ich auf dem Platz mache, ist für dich.“
Die WM sieht er als Bühne, um zu zeigen, was Roxane in ihm gesehen hat. „Ich werde beweisen, dass du Recht hattest – oder ich werde dabei alles geben.“ Wenn er ein Tor erzielt, soll jeder ihren Namen hören.
Im Auftaktspiel der Elfenbeinküste gegen Ecuador (1:0) gelang ihm zwar kein Treffer, doch Diomande wurde zum „Man of the Match“ gekürt. Die nächste Gelegenheit bietet sich ihm am Samstag im Duell gegen Deutschland.