Krieschow steckt in der Krise: Koch-Club setzt eindrucksvolles Zeichen
Krieschow – Der brandenburgische Pokalsieger ist ausgeschieden! Im Achtelfinale des Pokals unterlag der VfB Krieschow Viktoria Potsdam mit 0:2 und musste somit die Segel streichen. Auch in der Oberliga läuft es derzeit nicht rund. Die Kritik am Trainer nimmt zu, doch der Verein reagiert auf bemerkenswerte Weise.
Bereits in der Nacht nach dem Pokal-Aus veröffentlichte der von Ex-Dynamo-Spieler Robert Koch (40) betreute Club eine klare Stellungnahme:
„Momentan läuft es nicht gut, das verschweigen wir nicht. Spieler, Trainer und Verantwortliche müssen sich selbst reflektieren. Fehler sollten offen angesprochen und Lösungen gefunden werden. Doch vielleicht sollten auch jene, die nach einigen schlechten Monaten plötzlich alles in Frage stellen, was hier über Jahre hinweg gemeinsam aufgebaut wurde, einmal nachdenken“, antwortet der Dorfverein seinen Kritikern.
In den letzten Wochen hatten sich laut Berichten in der kleinen Fangemeinde sowie in persönlichen Nachrichten und sozialen Netzwerken vermehrt negative Stimmen angesammelt.
Dem Pessimismus von Fans und Rivalen stellt sich der Verein, der in einem Dorf mit nur 500 Einwohnern beheimatet ist, energisch entgegen.
Krieschow schaffte 2017 den überraschenden Aufstieg in die semiprofessionelle NOFV-Oberliga Süd – und ist seither nicht mehr abgestiegen. Mehrfach kamen die Lausitzer dem großen Sprung in die Regionalliga sehr nahe.
Mit dem außergewöhnlichen Einzug in den DFB-Pokal wuchsen die Erwartungen weiter. Nach dem Pokalerfolg gab Krieschow als Ziel eine Platzierung zwischen Rang eins und acht aus, was mindestens der Leistung der Vorsaison entspricht.
In der mittlerweile zehnten Oberliga-Saison erlebt der Verein erstmals eine größere Durststrecke und steht mit nur vier Punkten aus sechs Spielen in der Abstiegszone.
Nur in der Saison 2019/20 begann der VfB noch schlechter, doch der Club belegte bislang nie einen schlechteren Tabellenplatz als Rang neun zum Saisonende. Deshalb ruft der Verein seine Anhänger zum Nachdenken auf!
„Was bedeutet Zusammenhalt, wenn er nur besteht, solange Erfolge gefeiert werden? Nach Siegen zu jubeln und beim Pokalerfolg stolz auf den VfB zu sein, ist leicht. Einen Verein jedoch wirklich zu unterstützen, heißt auch, in schwierigen Zeiten zu ihm zu stehen“, so der Appell des Clubs.
Die Ursachen für den holprigen Saisonstart sind vielfältig. Neben den hohen Erwartungen ist der Kader diesmal dünn besetzt. Vor dem Pokalspiel in Potsdam trainierte die erste Mannschaft lediglich mit 13 Spielern.
Im Duell gegen Viktoria standen mit Colin Raak und Valentino Schubert (beide 26) zwei Akteure auf dem Platz, die zuvor aufgrund von Krankheit die Trainingswoche verpasst hatten – am Samstag mussten sie nach knapp einer Stunde ausgewechselt werden.
Außerdem hinterließ der Abgang von Luca Grimm (21, jetzt bei Dynamo Dresden U21) eine große Lücke in der Abwehr, die bis heute nicht geschlossen werden konnte. Selbst Ex-Profi Alexander Bittroff (38, früher Cottbus, Chemnitz, Magdeburg) hinkt seiner früheren Form hinterher.
Deshalb sucht Krieschow schon seit Wochen nach Verstärkung für die Defensive, musste jedoch viele Absagen hinnehmen – sogar von vereinslosen Regionalliga-Spielern, die lieber nicht in die fünfte Liga wechseln wollen. Laut TAG24-Informationen wurde sogar Ex-Zweitliga-Spieler Toni Leistner (38) kontaktiert.
Derzeit deutet alles darauf hin, dass ein ausländischer Spieler verpflichtet werden soll, bei dem noch Fragen zum Aufenthaltsstatus mit der FIFA geklärt werden müssen.
Mehr denn je sind jetzt Besonnenheit, Geduld und Zusammenhalt gefragt: „Wir sind ein Dorfverein und können sehr stolz darauf sein, was unser Dorf erreicht hat. Gemeinsam haben wir großartige Erfolge gefeiert – nun erleben wir eine schwierige Phase, die wir nur zusammen überwinden können“, so das Statement des Vereins.