Kommentar zu Union Berlin: Ist das Vorhaben mit der Viererkette zum Scheitern verurteilt?
Berlin – Union Berlin versucht derzeit vergeblich, ein neues Spielsystem zu etablieren. Doch ist dieses Vorhaben angesichts des vorhandenen Spielermaterials überhaupt realistisch? Ein Kommentar dazu.
Nach drei Partien steht für die Eisernen lediglich ein Punkt auf dem Konto – eine ernüchternde Bilanz zum Saisonstart. Besonders alarmierend ist die Anzahl der kassierten Gegentore.
Bereits zehn Tore hat das Team hinnehmen müssen – nur Borussia Mönchengladbach weist mit zwölf Gegentreffern eine noch schlechtere Abwehrbilanz auf. Die einst feste „Berliner Mauer“, das Aushängeschild der Köpenicker, zeigt deutliche Risse.
Im Sommer wurde mit Mauro Lustrinelli (50) ein neuer Trainer verpflichtet, der das Ziel verfolgt, den teilweise ruppigen Fußball abzulösen und stattdessen eine ansprechendere Spielweise zu etablieren.
Der Schweizer ist ein entschiedener Befürworter der Viererkette. Doch verfügt er überhaupt über die passenden Spieler für dieses System? Besonders auf den Außenbahnen wirken die Berliner bei schnellen Angriffen des Gegners immer wieder anfällig. Das Doppeln der Flügelstürmer stellte bei einer Dreier- oder Fünferkette weniger eine Herausforderung dar, da ein Innenverteidiger flexibel mit nach außen rücken konnte.
Ohne die nötige Unterstützung aus dem Mittelfeld sind Josip Juranovic (31), Tom Rothe (21) und ihre Kollegen auf den Außen oft auf sich allein gestellt, sodass Flanken und scharfe Hereingaben am laufenden Band in den Strafraum der Eisernen segeln.
Auch das Zentrum der Abwehr zeigt sich immer wieder instabil. Der gleichzeitige Abgang der defensiven Schlüsselspieler Danilho Doekhi (28) und Diogo Leite (27), die mittlerweile bei Lazio Rom gemeinsam spielen, fällt anscheinend schwerer ins Gewicht als zunächst angenommen.
Leopold Querfeld (22), der als neuer Abwehrchef vorgesehen ist, konnte sich bislang nicht als Führungspersönlichkeit etablieren und musste beim 0:4 gegen Bayer Leverkusen die komplette Spielzeit auf der Bank verbringen.
Auch die Neuzugänge Zeno Van Den Bosch (23) und Felix Uduokhai (29) hinterließen bislang keinen bleibenden Eindruck.
Die schwachen Leistungen ziehen sich jedoch durch das gesamte Team. Beim 1:3-Heimniederlage gegen Aufsteiger Schalke 04 zeigte sich Union über weite Strecken mutlos, obwohl sonst gerade das aggressive Auftreten ein typisches Merkmal der Rot-Weißen ist.
Wenn die Mannschaft von Lustrinelli am Freitag (18.30 Uhr/Sky) beim Gastspiel in der Allianz Arena erneut so harmlos auftritt, droht gegen den FC Bayern ein bitteres Erwachen. Ist das Experiment mit der Viererkette somit vielleicht schon gescheitert, bevor es richtig begonnen hat?
1. Bundesliga Tabelle
Die Bedeutung der Bundesliga-Tabelle ist wie folgt: Wer am Saisonende auf Platz 1 steht, wird Deutscher Meister. Die Mannschaften auf den Plätzen 17 und 18 steigen direkt in die 2. Bundesliga ab. Das Team auf dem drittletzten Rang (Position 16) muss in der sogenannten Relegation um den Verbleib in der Liga kämpfen. Der Gegner ist der Drittplatzierte der 2. Bundesliga.