Union Berlin Blog: Freundschaft! Niederlage, Unentschieden und ein neuer Leihstürmer bei Union
Berlin – Bei TAG24 gibt es den Union Berlin Blog, verfasst von drei echten Fußballfans aus der Hauptstadt.
Das sind die Autoren:
„Icke“ (Jürgen Heinemann) ist seit den 1970er-Jahren eingefleischter Union-Fan. Beruflich ist er Betriebswirt und seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet, Vater eines erwachsenen Sohnes und lebt heute in Grünheide. Als Gründer dieses Blogs schreibt er hier regelmäßig.
„Unionfux“ (Tobias Saalfeld) ist seit mehr als vier Jahrzehnten Unioner und arbeitet freiberuflich für Bühne, Radio und Fernsehen, wo er ebenfalls schreibt.
„Beecke“ (Christian Beeck), ehemaliger Bundesliga-Profi bei Hansa Rostock und Energie Cottbus, war Manager bei Union und bestritt 21 Länderspiele für DDR-Junioren. Er stammt aus Unions Nachwuchs und ist Vater von zwei Kindern. Im Blog steht er als Berater zur Verfügung.
Unionfux: Die Freundschafts- und Testspiele dieses Sommers verliefen für uns durchwachsen. Nach Auftaktsiegen gegen den Oberligisten Rathenow und den Landesklassen-Vertreter Grün-Weiß Lübben reichte es gegen stärkere Gegner wie Chemnitz, Jena und die Schweizer Zweitligisten Winterthur und Aarau nicht zu Siegen. Die Vielzahl an Testspielen wirkt etwas fragwürdig – welchen Sinn verfolgt man damit? Lustrinelli ist jedenfalls nicht begeistert, gibt sich aber Mühe.
Letzten Samstag waren wir in Dresden zu Gast (angeblich Teil der Ablösesumme für Bogdanov). Wir gingen zwar kurz in Führung, kassierten aber prompt den Ausgleich. Die erste Halbzeit war recht ordentlich, doch in Durchgang zwei fingen wir uns schnell ein weiteres Gegentor. Das Spiel wurde zunehmend zerfahrener und endete mit einer knappen Niederlage vor beachtlichen 25.000 Zuschauern. Die Dresdner starten bald wieder in den Ligabetrieb und sind daher konditionell im Vorteil, trotzdem gelingt uns kein deutlicher Klassenunterschied – das hinterlässt gemischte Gefühle.
Am Sonntag empfingen wir den Serie-A-Klub Cagliari Calcio vor etwa 9.000 Zuschauern – deutlich weniger als vor einem Jahr beim Spiel gegen Espanyol Barcelona, das über 18.000 Fans anzog. Möglicherweise liegen die Gründe bei den hohen Eintrittspreisen oder der noch ausbleibenden Euphorie. Mal abwarten, wie viele Zuschauer der Premier-League-Aufsteiger Ipswich Town in zwei Wochen anlockt.
Das Spiel begann etwas ruhiger als am Vortag. Beide Teams hatten Chancen, auf unserer Seite etwa durch Haberer oder einen Freistoß von Burcu, aber nichts hochkarätiges. Ohne Tore ging es in die Pause. Die Gäste gingen schnell in Führung und bauten diese nach etwa einer Stunde aus. Alles deutete auf eine weitere Niederlage hin.
Doch fünf Minuten vor Schluss verlängerte Querfeld einen langen Einwurf von Rothe auf Ansah, der per Kopf traf – der Anschluss war geschafft. Nach exakt 90 Minuten erzielte Ansah erneut per Kopf nach einer Ecke von Jeong den Ausgleich. In der knapp vierminütigen Nachspielzeit boten beide Teams noch Chancen auf den Sieg: Jeong vergab frei, während unser 17-jähriger Torwart Fritz Gagzow mit Weltklasse-Paraden einen Gegentreffer aus elf Metern verhinderte. Am Ende blieb es beim Unentschieden – weder überragend noch enttäuschend. Was das wert ist, wird man erst in einigen Wochen sehen. Die Mannschaft befindet sich im Entwicklungsprozess, der Zeit und neue Spieler benötigt.
Nun steht das Trainingslager in Österreich an. Dabei ist auch Emmanuel Latte Lath, ein ivorischer Stürmer, den wir von Atlanta United mit anschließender Kaufoption ausleihen. Vor etwa anderthalb Jahren zahlten die Amerikaner für ihn mehr als 20 Millionen Euro. Er hat seine Treffsicherheit in der Schweizer Super League bei St. Gallen sowie in der englischen Championship bei Middlesbrough bewiesen. Ausgebildet wurde er bei Atalanta Bergamo – eine durchaus renommierte Adresse.
Seine Videos auf YouTube zeigen technisch gutes Niveau, einen starken Antritt und gute Abschlussqualität. Ob er das auch bei uns abrufen kann, bleibt abzuwarten, doch ich halte den sympathischen Ivorer für eine gute Verstärkung. Lustrinelli hat ihm vermutlich ein gutes Zeugnis ausgestellt, da er ihn bereits in der Schweiz beobachten konnte. In der MLS lief es für ihn weniger überzeugend – neun Tore in anderthalb Jahren sind überschaubar – weshalb er wohl auf dem Transfermarkt gelandet ist.
Burnley und Middlesbrough zeigten ebenfalls Interesse, konnten ihn aber aufgrund von Visa-Problemen nicht verpflichten. Das kommt uns zugute. Vertraglich sieht es gut aus: Wenn er einschlägt, wird die Kaufoption gezogen, falls nicht, sind wir im Sommer ohne weitere Verpflichtung von ihm. Eine Leihgebühr fällt wohl nicht an, allerdings müssen wir sein vergleichsweise hohes Gehalt von geschätzten 2,8 Millionen Euro zahlen, so kommunizieren es die Amerikaner zumindest.
Für Atlanta United bedeutet das eine Gehaltseinsparung und vor allem Platz für einen sogenannten Designated Player – man spekuliert auf Romelu Lukaku, was ein echter Coup wäre.
Darüber hinaus sind weitere Transfers geplant, vor allem ein kreativer Mittelfeldspieler, der dringend benötigt wird – auch das haben die letzten Spiele gezeigt. Schließlich muss unser neuer Stürmer auch passend bedient werden. Also: Herzlich willkommen, Emmanuel, und viel Erfolg im Trainingslager!
Icke: Emmanuel Latte Lath, 27 Jahre alt, spielt im Sturm. Für die Elfenbeinküste absolvierte er bereits vier Länderspiele. Er wuchs in Italien bei Atalanta Bergamo auf. Seine Karriere ist geprägt von vielen Leihen. Seine stärkste Saison hatte er 2022/23 bei St. Gallen, wo er 16 Tore und 4 Vorlagen erzielte. Middlesbrough verpflichtete ihn für 7,1 Millionen Euro, wo er in seiner ersten Saison 18 Tore und eine Vorlage beisteuerte. Das machte Atlanta United auf ihn aufmerksam, die 21,25 Millionen Euro zahlten. Allerdings konnte er seine Leistungen nicht ganz wiederholen.
In der ersten MLS-Saison erzielte er 7 Tore und bereitete 3 vor – allerdings in 30 Spielen. In der aktuellen Saison steht er nach 16 Spielen bei drei Toren und einer Vorlage. Das scheint für die MLS zu wenig, weshalb eine Ausleihe mit Kaufoption sinnvoll erscheint.
Latte ist 1,76 Meter groß, nicht unbedingt ein klassischer körperlicher Stürmer. Dennoch ist sein Kopfballspiel stark, vergleichbar mit dem legendären Karl-Heinz Riedle. Er hat eine solide Technik, auch wenn er manchmal etwas unkoordiniert wirkt. Besonders gefährlich ist sein Abschluss aus der Drehung, da die Schüsse für Torhüter schwer zu lesen sind. Mit einer Geschwindigkeit von 33,22 km/h ist er ordentlich schnell, vor allem sein erster Antritt ist explosiv, was ihm viele Zweikämpfe einbringt.
Latte ist kein Vorbereiter wie Ilic, sondern sucht immer die direkte Abschlusschance. Dies könnte ihn gut mit Ilic ergänzen – deren Dynamik und Robustheit zusammen eine gute Kombination darstellen.
Ein Problem bleibt sein hohes Gehalt von rund 3,74 Millionen Dollar, das für uns eine Herausforderung ist. Entweder verzichtet Latte auf einen Teil oder Atlanta trägt die Hälfte. Andere Clubs dürften das Risiko und die Kosten scheuen. Der Wohlfühlfaktor könnte bei uns besser sein als in den USA, was seine Leistung positiv beeinflussen könnte. Die Chancen stehen also gar nicht so schlecht.
Oder es wird doch noch Futkeu aus Frankfurt? Beide Spieler sind teuer. Alternativ gibt es noch Ducksch, der wohl die günstigste Variante wäre. Mit zehn Toren ist er immer noch eine brauchbare Option. Zudem würde Ducksch Trimmel entlasten. Am besten wäre eine Kombination Ducksch plus einer der beiden anderen. So hätten wir für zwei Sturmpositionen drei starke Spieler. Burke, Skarke und Ljubicic werden kaum noch eine Rolle spielen und könnten abgegeben werden. Hinter Ducksch, Ilic und Futkeu/Latte kann man dann häufiger Bogdanovic und Gray (beide 19) einsetzen. Es wird Zeit, dass der 1. FC Union auch auf dem Transfermarkt aktiver wird.
Ach ja, Gladbach sucht aktuell einen zentralen Mittelfeldspieler. Kommt da noch einer, dürfte Neuhaus bei ihnen kaum Chancen erhalten. Bei uns hingegen würde er sehr gut passen. Neuhaus hat nur noch ein Jahr Vertrag. Sollte das klappen und dazu noch ein Innenverteidiger wie Kevin Schlotterbeck verpflichtet werden, wäre das eine wertvolle Verstärkung. Einen guten linken Innenverteidiger haben wir nicht. Das wird akut, falls für Querfeld ein Angebot eingeht.
Alternativ wäre „Ossi“ Uduokhai als linker Innenverteidiger auf dem Markt. Ich halte ihn für unterschätzt. Ich habe ihn in der Bundesliga schon sehr starke Leistungen zeigen sehen. Zum Thema Khedira möchte ich mich nicht weiter äußern. Angeblich sind Mainz und Gladbach interessiert, ebenso New York, Trabzonspor und Besiktas. Sollte Khedira tatsächlich wechseln, macht Neuhaus noch mehr Sinn. Dann hätten wir mit Kemlein, Schäfer und Neuhaus drei Mittelfeldspieler für zwei Positionen, die auch fußballerische Qualität besitzen. Haberer sehe ich hier chancenlos. Die Talente Blaszczak (18) und Sliskovic (17) dürften dann näher an den Profikader rücken. Mal sehen, wann bei uns endlich Bewegung reinkommt. Eisern.
Unionfux: Was aktuell in der FIFA passiert, ist entscheidend für die Zukunft des Weltfußballs. Der Präsident Gianni Infantino agiert zunehmend diktatorisch, sein korruptes und hemmungsloses Handeln schadet dem Fußball deutlich, ohne dass jemand ihn stoppt. Sein Plan, die WM und andere Turniere an Investoren zu verkaufen, stößt nun auf erheblichen Widerstand, der immer größer wird.
Weltweit gibt es 211 Fußballverbände, jeder hat eine Stimme – demokratisch eigentlich. Doch Infantino nutzt gerade diese Tatsache aus, indem er vor allem die kleineren Verbände durch Geldzahlungen auf seine Seite zieht, sodass es fast unmöglich ist, eine Mehrheit gegen ihn zu gewinnen. So kann er weitgehend nach Belieben agieren: WM aufblähen, Rote Karten zurücknehmen, Turniere in Wüstenstaaten vergeben oder Halbzeitpausen verlängern. Wer kann ihm da entgegentreten? Man dachte, Sepp Blatter wäre nicht zu toppen.
Kein Wunder, dass Infantino den US-Präsidenten hofiert – zwei von einer Art. Ist es nicht herrlich, wenn man sich nicht an Gesetze halten muss? Über verwandtschaftliche Bande ist Trump sozusagen mit im lukrativen Boot.
Immerhin hat die UEFA genug und bekundet ihren Widerstand, andere Kontinentalverbände ziehen nach. Man droht mit einem Boykott aller FIFA-Turniere. Für eine WM ohne die Europäer wäre es ein herber Schlag. Obwohl ein vollständiger Sturz Infantinos unwahrscheinlich ist, ist das ein erstes deutliches Signal. Die UEFA unter Präsident Ceferin reagierte sofort und klar, obwohl sie selbst nicht frei von Kritik ist, etwa wegen der Kommerzialisierung der europäischen Klubwettbewerbe. Sport steht da kaum noch im Mittelpunkt.
Profifußball bewegt sich bereits oft am Rande des Erträglichen. Investoren sind nicht mehr wegzudenken, und die Identität von Vereinen wie PSG, City oder RB Leipzig ist fragwürdig. Infantino treibt diese Entwicklung konsequent voran. Es wäre wichtig, dem wenigstens die bösen Fortsetzungen zu verwehren, wenn man nicht die Anfänge verhindern kann.
Es bleibt spannend, wie sich der Widerstand entwickelt. Infantino wird sich sicher nicht kampflos ergeben. Doch eines ist klar: Es geht um mehr als die WM. Wenn dieser Stein fällt, könnten Superliga-Ideen wieder aktiviert und durchgewunken werden – das wäre der kleinere Teil des Problems. Also: Gegensteuern bitte – auch gegen die schlimmen Folgen!
Unionfux: Alle sechs Monate veröffentlicht der Kicker seine Spieler-Ranglisten. In der aktuellen Sommerliste fehlen drei Vereine komplett: St. Pauli und Wolfsburg (beide abgestiegen) sowie Union. Im Winter waren noch Doekhi (Innenverteidigung), Khedira (defensives Mittelfeld) und Ansah (offensiv außen) vertreten. Die einzigen erwähnten Union-Spieler sind Ex-Profis wie Ryerson (BVB) und Leweling (Stuttgart), den wir verliehen und günstig verkauft haben, da wir ihn nicht mehr brauchten.
Zwar sind das nur Rankings eines Fachmagazins und nicht übermäßig aussagekräftig, doch es spiegelt unsere durchwachsene Rückrunde wider. Auch die letzten beiden guten Spiele konnten das nicht entscheidend ändern. Kein Wunder, dass viele Bundesligisten für ihre Spieler horrende Ablösesummen erhalten, während bei uns das Interesse eher gering ist.
In der vergangenen Saison gab es kaum herausragende Leistungen, in der zweiten Hälfte noch weniger. Einzig Danilho Doekhi fand bei einem großen Klub wie Lazio Rom eine neue Heimat – allerdings ablösefrei. Es gelingt kaum, gute Spieler günstig zu verpflichten, weil die Kandidaten entweder zu blass oder zu verletzungsanfällig sind und nicht bereit sind, finanziell zurückzustecken. Leise Gerüchte gibt es um Aljoscha Kemlein, für den AS Rom wohl 15 Millionen bieten will, was aber zweifelhaft ist.
Langfristig ist es problematisch, kaum Einnahmen aus Spielerverkäufen zu erzielen und zugleich mit einem durchschnittlichen Kader den Klassenerhalt anzugehen. Aktuell setzt man darauf, dass einige Spieler ihr Potenzial künftig besser ausschöpfen, etwa Burke, Ilic, Schäfer, Querfeld und Ansah. Eine qualitative Verstärkung ist bisher nicht in Sicht. Das wäre jedoch dringend nötig, um Trainer Lustrinelli mehr Optionen zu geben. Alles neu mit fast dem gleichen Kader – wie soll das funktionieren?
Optimal wäre, wenn ein oder zwei Verstärkungen noch vor dem Trainingslager in Österreich kommen. Dabei sollte es sich nicht um bloße Kadererweiterungen handeln, denn an durchschnittlicher Qualität mangelt es nicht. Die Herausforderung ist, talentierte und bezahlbare Spieler zu gewinnen und nicht an andere Vereine zu verlieren – gerade auf einem stark umkämpften Markt. Leihen könnten eine Möglichkeit sein, sind aber oft erst kurzfristig realisierbar.
Gelingt die Aufwertung nicht oder nur unzureichend, droht nicht nur das erneute Fehlen in der Kicker-Liste, sondern auch eine weitere schwierige Saison. Es wäre fahrlässig, keine Lehren aus den vergangenen Jahren zu ziehen und die Erstliga-Zugehörigkeit zu riskieren, auch wenn die Herausforderungen groß sind. Noch ist genug Zeit, und unsere Verantwortlichen sind sich der Situation bewusst – aber die Anspannung wächst täglich.
Ein Quasi-Neuzugang ist wohl doch zu vermelden: Der ehemalige Stammtorwart des 1. FC Saarbrücken, Phillip Menzel, wird uns als Gastspieler helfen, da Rönnow und Raab noch ausfallen. Langfristig wird er allerdings wohl nicht bleiben.
Icke: Die Profis von Union gönnen sich eine kurze Pause. Auf der Transferszene tut sich wenig. Spieler mit geringen Einsatzchancen sind kaum begehrt. Die Testergebnisse der Vorbereitung wecken wenig Begeisterung. Was bleibt einem Union-Fan aktuell zum Freuen?
Es ist schwer. Während Zweitligist Wolfsburg gerade Damar vor der Nase weggeschnappt hat, schauen wir in die Röhre. Vorrangig sind wir auf der Suche nach Stürmern. Da sieht es besonders dünn aus. Die begehrtesten und bezahlbaren Stürmer haben meist schon einen neuen Verein gefunden. Ablösefreie Stürmer sind rar.
Der Spanier Aranda (24) ist wohl der einzige ablösefreie Stürmer, der uns sofort helfen könnte – europaweit gesehen. Ü30-Spieler einmal ausgenommen. Wir werden wahrscheinlich nicht umhin kommen, eine Ablöse für einen Stürmer zu zahlen. Dinkci ist weiter im Gespräch, aber auch für ihn wird eine Ablöse fällig sein. Außerdem ist seine Trefferquote mit 14 Toren in 103 Bundesligaspielen mäßig. Für eine Ablöse von mindestens vier Millionen gibt es berechtigte Zweifel.
Wahrscheinlich müssen wir uns auf ein Kaliber wie Futkeu (Frankfurt) einstellen. Er wird von vier Bundesligisten umworben und ist vermutlich teurer als Dinkci. Ohne finanzielles Risiko wird es diesen Sommer nicht gehen. Alternative bleibt, mit den vorhandenen Stürmern zu starten und auf ein Wunder zu hoffen. Die altbewährte Regel, dass es am Ende noch Schnäppchen gibt, scheint außer Kraft gesetzt – der Markt ist verrückt. Je länger wir warten, desto kleiner werden die Chancen. Eisern.
Unionfux: Normalerweise wird die Kapitänswahl im Fußball nicht überbewertet. Der Kapitän hat zwar einige Aufgaben, gilt aber vor allem als Sprachrohr und Vorbild – ein „primus inter pares“, der Erste unter Gleichen.
Wer Kapitän wird, hängt oft von der Erfahrung, der Spielintelligenz und den Führungsqualitäten ab. Meistens sind es erfahrene Feldspieler, denn Torhüter haben oft zu viel Laufaufwand, wenn sie zum Schiedsrichter gehen wollen. Manchmal wird der Kapitän von der Mannschaft gewählt, manchmal vom Trainer bestimmt – beides hat Vor- und Nachteile.
Trainer Mauro Lustrinelli bestätigte, dass Christopher Trimmel, der langjährige und ewige Kapitän, auch in der nächsten Saison Kapitän bleibt, mit Rani Khedira als dessen Vertreter. Auch wenn Trimmel aufgrund seines Alters wohl weniger Spielzeit haben wird, ist das eine sehr gute Entscheidung. Trimmel kennt den Verein in- und auswendig, lebt seine Werte seit 13 Jahren bei uns und ist exzellent im Umgang mit der Öffentlichkeit. Er sagt keine leeren Floskeln, sondern liefert klare, verständliche und wertschätzende Statements – eine Ausnahme im Bundesliga-Standard.
Trimmel bringt immer noch Leistung, egal ob von Beginn an oder als Einwechselspieler. Seine Standards, Flanken und sein Einsatz sind unverzichtbar. Geradezu legendär sind seine Rettungsgrätschen, und seine Vorstöße auf der rechten Seite geben oft den nötigen Schwung. Er ist der älteste Feldspieler der Bundesliga und ein Vorbild für jüngere Spieler – sie sollten sich an ihm orientieren.
Einige hätten gern Aljoscha Kemlein als Kapitän gesehen, was sicher keine schlechte Idee wäre. Doch als knapp 22-Jähriger hat Kemlein noch viel Zeit und trägt die Verantwortung besser später. Außerdem ist er ein Eigengewächs – was bei uns leider selten ist. Der letzte Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, der sich durchsetzte, war Steven Skrzybski vor acht Jahren, bevor er uns verließ. Die Zeit von Aljoscha kommt also noch, Christophers Zeit ist noch nicht vorbei. Wir wünschen unserem alt-neuen Kapitän eine erfolgreiche Saison!
Diese Woche sind die Spieler noch im Urlaub, bevor die nächsten zwei Freundschaftsspiele anstehen: Samstag in Dresden, Sonntag in der Alten Försterei gegen Cagliari Calcio, den Vorjahres-14. der Serie A. In Dresden erwartet man eher eine zweite Garnitur, gegen die Italiener könnte unser vorläufig bestes Team auflaufen.
Danach folgt eine gute Woche Trainingslager in Österreich. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den nächsten zwei Wochen einige Transfers über die Bühne gehen, damit sich im Trainingslager langsam die Stammelf formiert. Bis zum 1. September wird es sicher noch Bewegung geben. Also: viel Erholung für die Mannschaft und spannende Tage für uns alle!
Icke: Bislang kamen in der Vorbereitung 22 Spieler zwischen 16 und 23 Jahren zum Einsatz – „Jugend forscht“ in Reinkultur. Trainer Lustrinelli möchte alle kennenlernen, auch die jungen Talente. Doch wir befinden uns bereits in der zweiten Hälfte der Vorbereitung. In etwa vier Wochen startet die Bundesliga-Saison – höchste Zeit, eine Stammelf aus 15 bis 16 Spielern zu finden. Beim genauen Hinsehen wird deutlich, wer sich dafür anbietet und in den erweiterten Kader gehört.
Im Tor ist die Situation klar und doch kompliziert: Klaus, unser früherer dritter Keeper, steht im Tor und macht seine Sache sehr gut. Raab, die alte Nummer zwei, ist verletzt und wird mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Hannover 96 hat mittlerweile den Schweizer Nationaltorwart Leretz verpflichtet. Unser eigentlicher Stammkeeper Rönnow hat verletzungsbedingt die Hälfte der Vorbereitung verpasst. Ob er das in den verbleibenden Wochen noch aufholen kann, ist fraglich. Momentan ist Klaus die Nummer eins – und das ist keine Schwächung!
In der Viererkette wurde viel experimentiert. Derzeit führt wohl die Formation Juranovic – Friedrich – Van den Bosch – Köhn, aber das kann sich noch ändern. Die zweite Reihe mit Trimmel – Querfeld – Nsoki – Rothe ist nahe dran. Ogbemudia wird regelmäßig eingesetzt und macht seine Sache ordentlich. Mit neun Spielern für vier Positionen ist das quantitativ ausreichend. Ob wir eine sichere Abwehr bilden können, zeigt sich erst in Spielen gegen echte Gegner.
Das Mittelfeld besteht aus zwei defensiv orientierten zentralen Spielern und zwei offensiven Außen. Bei Bedarf sollen diese über die Flügel oder ins Zentrum ziehen und das Spiel lenken. Khedira hat die halbe Vorbereitung wegen WM-Einsätzen verpasst. Wenn er zurückkehrt, ist sein Stammplatz sicher. Sein Verbleib war unsicher, da Borussia Mönchengladbach an ihm interessiert war, aber offenbar wurde unsere Ablöseforderung abgelehnt. Oft spielten Schäfer und Kemlein das defensive Mittelfeld. Haberer wurde auch eingesetzt, aber als zu leicht empfunden. Vermutlich werden Khedira, Schäfer und Kemlein die zwei Plätze unter sich ausmachen. Aufgrund Khediras Trainingsrückstand könnten Schäfer und Kemlein zum Saisonstart auflaufen.
Offensiv sind Ansah (rechts) und Burcu (links) gesetzt. Beide besitzen Technik und Übersicht, sind für diese Positionen geeignet, müssen aber noch lernen, sich in der Bundesliga durchzusetzen. Dahinter lauert unser 16-jähriges Mega-Talent Güther, der sowohl rechts als auch links spielen kann. Jeong und der wieder fitte Skov sind ebenfalls Optionen, konnten aber den Trainer bisher nicht überzeugen. Qualität und Quantität stimmen prinzipiell, allerdings nur, wenn Güther, Skov und Jeong sich im Laufe der Saison steigern. Besonders bei Güther bin ich optimistisch.
Im Sturm sieht es dramatisch aus. Bisher überzeugt nur Ilic, der aber Wechselangebote hat. Er kämpft und bereitet Tore vor, trifft selbst aber kaum. Häufig spielte Burke neben ihm – ohne Erfolg. Bedia wurde inzwischen verkauft. Skarke und Ljubicic kamen gelegentlich zum Einsatz, konnten aber nicht Bundesliga-taugliche Leistungen zeigen. Dahinter stehen die Talente Gray, Bogdanovic und aus der A-Jugend Engel. Ich denke, Lustrinelli wird bald nur noch auf die Talente setzen, die schon jetzt genauso wirksam sind wie Burke, Skarke und Ljubicic, aber aufgrund ihres Alters noch deutliches Steigerungspotenzial haben.
Hier wird klar, wo Union sich verstärken muss: Ganz vorne! Treffsichere Stürmer sind dringend nötig – und zwar in Mehrzahl. Manager Heldt ist seit Sommer 2024 bei uns. In dieser Zeit kamen die Verpflichtungen von Skarke, Burke und Ljubicic zustande, doch für sie findet sich kaum ein Abnehmer. Das erschwert weitere Stürmer-Verpflichtungen. Auch das Experiment mit Prtajin scheiterte. Bedia und Jordan fallen nicht in Heldts Zeitraum. Wann gelingt es dem 1. FC Union endlich, einen guten und torgefährlichen Stürmer zu verpflichten? Die letzten Flops reichen eigentlich für zehn Jahre. Hoffen wir darauf – oder darauf, dass eines der drei Sturm-Talente endlich den Durchbruch schafft.
Übrigens gibt es einen neuen Mittelstürmer in unserer U19: Matjani, aus der eigenen U17, albanischer U17-Nationalspieler, der bislang bei Union fast in jedem zweiten Spiel trifft. Mit 1,89 Meter bringt er auch die passende Statur für einen Mittelstürmer mit. Drücken wir die Daumen! Eisern.
Unionfux: Als alter Ostler kennt man den Grundsatz: „Haben ist besser als brauchen“. Deshalb macht man sich Jahr für Jahr zum Trainingsauftakt nervös, ob der Kader komplett ist und alle unerwünschten Spieler abgegeben wurden, während attraktive Neuverpflichtungen mit einer guten Mischung aus Jung und Erfahrung, ablösefrei oder spektakulär präsentiert werden.
Spätestens zwei Wochen nach Trainingsbeginn wächst die Panik: „Sind die bei Union verrückt? Wo bleiben die Neuzugänge?“
Aber man sollte keine Wunder erwarten. Wenn man sieht, dass für 20-jährige Spieler nach guten Saisons 50 bis 60 Millionen Ablöse gezahlt werden, weiß man, dass Union mit seinen begrenzten Mitteln kaum Chancen auf dem verrückt laufenden Markt hat. Wir sind froh, wenn wir überhaupt noch Ablösen für abwanderungswillige Spieler erzielen, wie eine Million für Benes (der drei kostete) oder null für Doekhi und Leite. Gibt es überhaupt Spieler, die noch größere Ablösen erzielen könnten? Zurzeit eher nicht.
Der Transfermarkt kommt nur langsam in Schwung, auch bei anderen Bundesligisten ist wenig Bewegung. Die WM hat vieles verzögert. Der Saisonstart ist erst Ende August, wenige Tage vor Transferschluss am 1. September.
In den nächsten Wochen wird es noch einiges an Bewegung geben – auch bei uns. Zudem kommt der Dominoeffekt auf dem Markt, von dem wir abhängig sind. Auch wenn viele Fans am Ende enttäuscht sein werden – das liegt in der Natur der Sache. Die meisten großen Namen haben uns in den letzten Jahren kaum Glück gebracht.
Die Kunst liegt darin, aus dem vorhandenen Kader das Maximum herauszuholen, und gleichzeitig Spieler interessant für größere Vereine zu machen. Ich glaube, Mauro Lustrinelli kann das, auch wenn es eine schwierige Aufgabe ist. Wer Meister mit einem Aufsteiger werden kann, der kann das schaffen. Ich vermute, er hat eine Liste möglicher Zu- und Abgänge. Ich glaube nicht, dass ihm bei seiner Verpflichtung gar nichts versprochen wurde.
Es ist ärgerlich, dass wir Spieler wie Stanley Nsoki verpflichtet haben, der (wie bei seiner Leihe vor einem Jahr) verletzt ist und mehrere Wochen fehlen wird. Das ist nicht ideal. Unsere Liste der Verletzten wird lang. Zweifel, ob er uns wirklich weiterhilft, sind angebracht.
Unterm Strich ist also viel Geduld gefragt und vorsichtiger, wenn auch gefühlt unbegründeter Optimismus – darin sind Unioner geübt. Hoffen wir, dass Manager Horst Heldt eine bessere Hand hat als in der Vergangenheit und vor allem dringend einen spielstarken Mittelfeldmann findet und verpflichtet. Luft nach oben hat er jedenfalls genug.
Und wenn einzelne Spieler bei uns endlich mal nachhaltig ihre Form finden, wäre das wie neue Zugänge. Das darf man nicht unterschätzen.
Die ersten vier Spieltage stehen fest: zweimal Samstag 15:30 Uhr, daheim gegen Frankfurt und in Leverkusen, dann zweimal Freitagabend um 20:30 Uhr, gegen Schalke und bei den Bayern. Ein harter Auftakt, aber die Liga ist immer schwer – das haben wir in den letzten sieben Jahren gelernt. Die fast-Tradition bleibt: Auftakt und letztes Spiel zu Hause – insofern alles gut.
Unionfux: Mit dem FC Carl Zeiss Jena verbindet uns viel Geschichte. 1968 besiegten wir den frischgebackenen Meister Jena im FDGB-Pokalfinale – unser bisher einziger großer Titel. Der neue Trainer der Jenaer ist Marco Grote, ehemaliger U19-Trainer bei Union und kurzzeitiger Interimstrainer mit Last-Minute-Erfolg vor zwei Jahren. Die letzten Pflichtspiele gegeneinander gab es 2018 im DFB-Pokal, das letzte Ligaspiel 2009. Nun liegen mehrere Ligen zwischen uns.
Jena will in der neuen Saison den Aufstieg aus der Regionalliga schaffen – allerdings konkurrieren noch fünf oder sechs andere Teams, sodass es schwer wird. In zwei Wochen startet Jena in der Regionalliga Nordost mit einem Heimspiel gegen den FSV Zwickau.
Zum Saisonstart vor rund 7.000 Zuschauern, darunter etwa 1.000 Union-Fans, verloren wir gegen den Viertligisten Jena mit 0:2.
Wir zeigten eine schwache erste Halbzeit, gerieten durch einen frühen Gegentreffer in Rückstand, verursacht durch ungeschicktes Passspiel vor dem Tor. In der Pause wurde komplett durchgewechselt und einige Nachwuchsspieler kamen zum Einsatz. Die zweite Hälfte war engagierter, dennoch hatten wir mehrere Chancen zum Ausgleich, die ungenutzt blieben. Kurz vor Schluss fiel das zweite Gegentor durch Lankford.
Nach dem 1:1 gegen Chemnitz am Donnerstag war das kein Ruhmesblatt. Freundschaftsspiele haben sportlich ohnehin geringe Bedeutung und dienen Trainerinfos, die für Außenstehende schwer zu bewerten sind.
Trotzdem ist es blamabel für einen Bundesligisten, auch wenn der FC Carl Zeiss Jena einen gelungenen Saisonstart erwischt hat – zumindest etwas Positives.
Ob wir die spielerischen Probleme der letzten Jahre weiterhin mit uns herumtragen, wird die kommende Zeit zeigen. In knapp sechs Wochen beginnt der Pokal in Braunschweig – bis dahin bleibt genug Zeit, aber weniger als man denkt.
Lustrinelli hat derzeit keinen besseren Kader als Vorgänger Baumgart, kann nicht in zwölf Tagen besseren Fußball zaubern und muss erst erkennen, was von einzelnen Spielern zu erwarten ist – und da gab es zuletzt wenig Pluspunkte. Am Wochenende stehen zwei Tests in der Schweiz gegen Winterthur und Aarau, beides Zweitligisten, an – dort sollte Wiedergutmachung gelingen.
Ich weiß, es ist zu früh für Panik, aber wir hoffen, dass Manager Heldt im Hintergrund an Spielern arbeitet, die uns wirklich weiterhelfen und gleichzeitig Platz im zu großen Kader schafft. Außerdem muss Lustrinelli die Komfortzone verlassen und Spielern Chancen geben, die für seinen Spielstil passen. All dies ist zwingend nötig, um eine entspanntere Saison als die letzten drei zu erleben und endlich Fortschritte zu machen.
Undrik Markgraf, der kürzlich seinen Vertrag verlängert hat, erlitt im Spiel gegen Chemnitz einen Kreuzbandriss. Auch wenn die Verletzung heute nicht mehr so gefürchtet ist, trifft sie ihn zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ein Einsatz vor der Winterpause ist unwahrscheinlich, ebenso wie nennenswerte Spielpraxis im Frühjahr. Gute Genesung an ihn!
Zu ehemaligen Unionern: Danilho Doekhi steht kurz vor einem Wechsel zu Lazio Rom, Michael Gspurning ist neuer Torwarttrainer bei Nottingham Forest unter Oliver Glasner, und der AC Florenz sortiert Robin Gosens trotz Vertrag bis 2028 aus. Schalke zeigt Interesse, aber nach Berlin gefiel es ihm wohl nicht – Gelsenkirchen wäre wohl ein Kulturschock für ihn.
Icke: Union bestritt das dritte Testspiel gegen Chemnitz mit 1:1. Die Gegner werden stärker verglichen mit den ersten beiden Testspielen. Trainer Lustrinelli hält am System mit Viererkette hinten fest. Zwei defensive Mittelfeldspieler sollen zentral agieren, flankiert von zwei offensiven Außen, die auch ins Zentrum ziehen und das Spiel lenken. Khedira hat halbe Vorbereitung wegen WM verpasst, sein Stammplatz ist aber sicher. Im defensiven Duo standen oft Schäfer und Kemlein. Haberer wurde als zu leicht befunden. Khedira, Schäfer und Kemlein kämpfen um die beiden Plätze. Wegen Khediras Rückstand stehen wohl Schäfer und Kemlein zum Saisonstart.
Auf den offensiven Außen sind Ansah rechts, Burcu links gesetzt, beide technisch stark, aber noch nicht durchsetzungsfähig in der Bundesliga. Dahinter lauert das 16-jährige Talent Güther, der links und rechts spielen kann. Jeong und Skov sind weitere Optionen, konnten den Trainer aber noch nicht überzeugen. Qualität und Quantität scheinen ausreichend, wenn die jungen Spieler sich steigern.
Im Sturm überzeugt bisher nur Ilic, der aber wohl wechselwillig ist. Burke spielte meistens daneben, zeigte jedoch bislang wenig Tauglichkeit für die Bundesliga. Bedia wurde verkauft. Skarke und Ljubicic spielten gelegentlich und zeigten ebenfalls keine Bundesliga-Qualität. Dahinter stehen Talente Gray, Bogdanovic und Engel (A-Jugend). Lustrinelli wird vermutlich bald mehr auf die Talente setzen, die jetzt schon so effektiv sind wie Burke, Skarke und Ljubicic, aber mit mehr Entwicklungspotenzial.
Die Verstärkung muss vor allem in der Offensive erfolgen. Manager Heldt konnte bisher keine Abnehmer für die drei genannten finden und darf deshalb kaum neue Stürmer verpflichten. Abgesehen von Bedia und Jordan. Die Frage ist, wann Union wieder einen treffsicheren Stürmer holt. Die letzten Flops wiegen schwer. Hoffen wir, dass eines der Sturmtalente den Durchbruch schafft. Übrigens gibt es einen neuen Mittelstürmer in der U19, Matjani, albanischer U17-Nationalspieler, trifft in nahezu jedem Spiel und hat mit 1,89 m die passende Größe. Drücken wir die Daumen – eisern.