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Vom Aushängeschild zur Schwachstelle: Steht Union Berlin vor einer Krise?

Berlin – Die Dreierkette galt lange Zeit als unverrückbares Grundprinzip bei Union Berlin. Doch der neue Trainer Mauro Lustrinelli (50) verfolgt eine andere Strategie. Der Schweizer hat sich zum Ziel gesetzt, das Spiel der Eisernen weiterzuentwickeln – weg vom oft robusten Stil, hin zu einem offensiveren und ansprechenderen Spielkonzept.

Hierfür setzt Lustrinelli auf eine Viererkette. Allerdings gestaltet sich die Umstellung bislang schwierig: In den ersten drei Partien kassierten die Köpenicker bereits zehn Gegentore.

Das ist deutlich zu viel, denn die Defensivarbeit war bisher stets eine der größten Stärken des Teams. Das einst so stabile Abwehrbollwerk wirkt mittlerweile anfällig und löchrig.

Hinzu kommt, dass die Abgänge von Danilho Doekhi (28) und Diogo Leite (27) schwer ins Gewicht fallen. Über Jahre hinweg sorgte dieses eingespielte Innenverteidiger-Duo für Stabilität, doch bislang konnte Lustrinelli noch keine gleichwertigen Ersatzspieler finden.

In den drei Spielen stellte Union bereits drei verschiedene Innenverteidiger-Kombinationen auf. Zunächst vertraute man auf das Duo Zeno Van Den Bosch (23) und Leopold Querfeld (22). Später wurde Querfeld durch den kurz vor Saisonbeginn verpflichteten Felix Uduokhai (29) ersetzt. Auch wenn Uduokhai einen schwierigen Auftakt hatte, stand er gegen Schalke erneut in der Startelf – gemeinsam mit Querfeld.

„Wir arbeiten intensiv an diesem Thema. Wir bekommen aktuell zu viele Gegentore nach Flanken herein. Das ist ein klarer Schwachpunkt“, stellte Lustrinelli klar und appellierte an seine Spieler: „Das betrifft uns alle: Mehr Disziplin im eigenen Strafraum und beim Anlaufen ist nötig. Das ist ein Prozess, an dem wir fast täglich arbeiten.“

Die ungewöhnlichen Defensivprobleme bei Union sollten jedoch schnell behoben werden. Am Freitag steht das Auswärtsspiel beim FC Bayern München (20.30 Uhr/Sky) an. Sollten die Eisernen dort unter die Räder geraten und auch im Anschluss gegen Aufsteiger Elversberg keinen Punkt holen, droht der Klub bereits früh in der Saison in eine Krise zu geraten.

Auch Steffen Baumgart (54) hatte bereits mit der Viererkette experimentiert, diese aber bald wieder verworfen. Meistertrainer Lustrinelli dürfte jedoch weiterhin an seinem bevorzugten System festhalten. Dass Union auch mit einer Viererkette erfolgreich sein kann, beweist der Blick auf die jüngsten Spiele unter Vorgängerin Marie-Louise Eta (35), die mit dieser Formation zwei Siege – inklusive eines historischen Dreiers – einfahren konnte.

Allerdings ist es keine neue Entwicklung, dass die Defensive bröckelt: In der vergangenen Saison mussten die Eisernen 58 Gegentore hinnehmen – genauso viele wie in der fast misslungenen Saison 2023/24.

Ermutigend ist jedoch, dass Union auch zu Beginn der letzten Spielzeit mit Verteidigungsproblemen zu kämpfen hatte. Nach vier Partien standen bereits elf Gegentore zu Buche, doch das Team stabilisierte sich im Verlauf. Zudem könnte Marvin Friedrich (30), der nach seiner Rückkehr zu Union derzeit noch wegen Oberschenkelproblemen im Aufbau ist, für die nötige Sicherheit sorgen – was dann die nächste Innenverteidiger-Kombination bedeuten würde.