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Union-Berlin-Blog: Die Startelf für die kommende Saison

Berlin – Eisern: TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, verfasst von drei eingefleischten Fußballfans aus Berlin.

Das Team hinter dem Blog:

Jürgen Heinemann, bekannt als Icke, ist seit Mitte der 1970er Jahre Union-Fan. Beruflich ist er Betriebswirt und seit über drei Jahrzehnten im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Kindes. Heute lebt er in Grünheide und schreibt hier als Initiator des Blogs.

Tobias Saalfeld alias Unionfux ist seit mehr als 40 Jahren Anhänger von Union und arbeitet freiberuflich für Bühne, Radio und TV, wo er ebenfalls für TAG24 schreibt.

Christian Beeck, genannt Beecke, ehemaliger Bundesliga-Profi (Hansa Rostock, Energie Cottbus), früherer Manager bei Union und mit 21 Länderspielen für die DDR-Junioren, entstammt dem eigenen Union-Nachwuchs. Beecke ist Vater von zwei Kindern und berät uns in diesem Blog.

Icke berichtet: In den bisherigen Testspielen setzte der 1. FC Union insgesamt 22 Spieler im Alter zwischen 16 und 23 Jahren ein. Früher hätte man das als „Jugend forscht“ bezeichnet. Der neue Trainer Mauro Lustrinelli möchte natürlich alle Akteure kennenlernen, inklusive der A-Jugendlichen. Mittlerweile befinden wir uns in der Mitte der Vorbereitungsspiele. Betrachtet man die gesamte Vorbereitung, sind wir schon in der zweiten Phase angekommen. In etwa vier Wochen startet die neue Bundesliga-Saison. Daher wird es langsam Zeit, eine Stammelf mit 15 bis 16 Spielern zu definieren. Wer genau hingeschaut hat, konnte erkennen, welche Spieler sich abheben und zu einem erweiterten Stamm zählen werden.

Im Tor gestaltet sich die Lage einfach und zugleich kompliziert. Klaus, einst unser dritter Torwart, steht aktuell im Kasten und macht seine Sache äußerst gut. Raab, der bisherige „Nummer zwei“, kämpft mit einer Verletzung und wird immer wieder mit verschiedenen Vereinen in Verbindung gebracht. Hannover 96, die ihn haben wollten, holten inzwischen den Schweizer Nationalkeeper Leretz. Unser eigentlicher Stammkeeper Rönnow verpasste aufgrund von Verletzungen einen Großteil der Vorbereitung. Ob er die verbleibende Zeit noch aufholen kann, ist fraglich. Aktuell ist Klaus unser Torhüter – und das stellt keine Schwächung dar!

In der Viererkette, unserem neuen Defensivsystem, wurde viel getestet. Zurzeit scheint die Formation mit Juranovic – Marvin Friedrich – van den Bosch – Köhn vorne zu liegen. Doch das kann sich noch ändern. Die momentan wahrscheinlich zweite Besetzung mit Trimmel – Querfeld – Nsoki – Rothe liegt dicht dahinter. Auch Ogbemudia kommt regelmäßig zum Einsatz und zeigt ordentliche Leistungen. Mit neun Spielern für vier Positionen verfügen wir über ausreichend Personal. Ob daraus allerdings eine stabile Abwehr entsteht, wird sich zeigen, wenn wir gegen stärkere Gegner antreten.

Unser Mittelfeld besteht aus zwei defensiven, zentralen Spielern sowie zwei offensiven Flügelspielern, die bei Bedarf nach innen ziehen und das Spiel lenken sollen. Khedira, der bei der WM für Tunesien spielte, verpasste ebenfalls einen Großteil der Vorbereitung. Sollte er wieder fit werden, dürfte sein Stammplatz sicher sein – allerdings ist das noch ungewiss, da Borussia Mönchengladbach Interesse zeigte, die jedoch Unions Ablöseforderungen nicht erfüllen wollten. Die Tendenz ist, dass Khedira bleibt. Meist bildeten Schäfer und Kemlein das defensive Mittelfeldduo, während Haberer dort zwar testweise eingesetzt wurde, aber als zu leicht angesehen wird. Die drei Kandidaten kämpfen um die zwei Plätze, da Khedira noch Trainingsrückstand hat, starten voraussichtlich Schäfer und Kemlein am ersten Spieltag.

Auf den offensiven Halbpositionen ist die Sache relativ klar: Ansah (rechts) und Burcu (links) sind gesetzt. Beide verfügen über Technik und Übersicht und passen daher gut auf ihre Positionen. Was ihnen noch fehlt, ist die Durchschlagskraft in der Bundesliga. Schaffen sie das, wäre Union dort sehr gut aufgestellt. Dahinter wartet der erst 16-jährige Güther, ein großes Talente, der sowohl rechts als auch links spielen kann. Jeong sowie der wieder fitte Skov stehen ebenfalls bereit, konnten den Trainer bisher aber noch nicht voll überzeugen, weshalb sie wenig Einsatzzeiten erhielten. Qualität und Quantität sind vorhanden, wenn auch mit der Hoffnung verbunden, dass sich Güther, Skov und Jeong im Laufe der Saison weiterentwickeln. Besonders bei Güther ist man optimistisch.

Im Sturm, der aus zwei Akteuren besteht, sieht es dagegen dramatisch aus. Bisher überzeugt hier hauptsächlich Ilic, der allerdings wohl auch Wechseloptionen hat. Er ist weiterhin im Verein, kämpft und bereitet vorwiegend Tore vor. Selbst Tore zu schießen ist, wie in der Vorsaison, in der Vorbereitung nicht seine große Stärke. Häufiger spielte Burke neben ihm, dessen Leistungen bisher enttäuschend sind. Bedia wurde verkauft. Skarke und Ljubicic kamen gelegentlich zum Einsatz, konnten aber ebenfalls nicht die nötige Bundesligaqualität zeigen. Hinter der Sturmreihe hat Union noch die Talente Gray, Bogdanovic und aus der A-Jugend Engel. Es ist zu erwarten, dass Lustrinelli zunehmend auf die Talente setzen wird, da sie schon jetzt ähnlich viel Wirkung entfalten wie Burke, Skarke und Ljubicic, aber aufgrund ihres Alters noch Entwicklungspotenzial besitzen.

Hier wird deutlich, wo Union noch Verstärkung braucht – vorne im Angriff. Es müssen torgefährliche Stürmer verpflichtet werden, und zwar mehr als einer. Manager Heldt ist seit Sommer 2024 im Amt. In dieser Zeit wurden bereits Skarke, Burke und Ljubicic verpflichtet. Für diese gibt es aktuell keine Abnehmer, was vermutlich auch die Verpflichtung neuer Stürmer erschwert. Das Experiment mit Prtajin scheiterte, konnte aber inzwischen korrigiert werden. Bedia und Jordan waren noch nicht in Heldts Verantwortungszeit. Wann gelingt es Union endlich wieder, einen treffsicheren Stürmer zu verpflichten? Die letzten Fehlgriffe reichen eigentlich für ein Jahrzehnt. Wir hoffen darauf, dass eines unserer Sturmtalente den Durchbruch schafft. Hinzu kommt ein neuer Mittelstürmer aus der U19: Matjani, der aus der eigenen U17 stammt und albanischer U17-Nationalspieler ist. Er trifft derzeit bei Union in jedem zweiten Spiel, ebenso wie in seiner Nationalmannschaft. Mit einer Körpergröße von 1,89 Meter bringt er auch das passende Format für einen Mittelstürmer mit. Drücken wir die Daumen. Eisern.

Unionfux ergänzt: Als gebürtiger Ostdeutscher hat man den Grundsatz: „Haben ist besser als brauchen“ verinnerlicht. Deshalb wird man – eigentlich Jahr für Jahr – nervös, wenn der Kader nicht bereits zum Trainingsauftakt steht, Spieler, die nicht mehr benötigt werden, gegen möglichst hohe Ablösen abgegeben sind, und gleichzeitig spannende Neuverpflichtungen getätigt wurden – eine ausgewogene Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, idealerweise ablösefrei, und wenn doch Kosten entstanden sind, dann doch spektakulär, sodass man sich fragt: „Woher haben die den eigentlich?“

Spätestens zwei Wochen nach Trainingsbeginn macht sich dann leichte Panik breit: Sind die bei Union eigentlich alle verrückt? Wo sind denn nur die neuen Zauberfüße?

Dabei sollte man nicht zu viel Wunder erwarten. Wenn man sieht, dass für Spieler um die 20 nach einer starken Saison gerne mal 50 oder 60 Millionen gefordert und gezahlt werden, dann ist es klar, dass Union in diesem verrückten Markt mit vergleichsweise geringen finanziellen Möglichkeiten kaum Chancen hat. Wir sind froh, überhaupt Ablösesummen für abwanderungswillige Spieler zu erzielen: Zum Beispiel brachte Benes, der drei Millionen kostete, gerade mal eine Million Ablöse. Die Ablösefreiheit von Doekhi und Leite spricht Bände. Fällt uns noch jemand ein, der eine hohe Summe generieren könnte? Aktuell eher nicht. Bereits Ablöseforderungen im Bereich von fünf Millionen sind für uns schwer realisierbar, ganz zu schweigen von den 70 Millionen, die Freiburg kürzlich für Manzambi von Aston Villa erhalten hat.

Darüber hinaus kommt der Transfermarkt nur langsam in Bewegung. In der 1. und 2. Bundesliga sind kaum nennenswerte Neuverpflichtungen zu vermelden. Bei Hertha Berlin wurden etliche Leistungsträger abgegeben, darunter die große Identifikationsfigur Reese, ohne dass bisher auch nur eine einzige neue Unterschrift vorliegt. Auch die WM verzögert bekanntermaßen in diesem Jahr vieles – selbst der Bundesliga-Start ist erst Ende August, wenige Tage vor Transferschluss.

Wir haben also noch über sechs Wochen Zeit, und es wird sich auf jeden Fall noch einiges bewegen, auch bei Union. Zudem wirkt der Markt wie ein Dominoeffekt, der Dynamik erzeugt – von der wir mit unseren begrenzten finanziellen Mitteln abhängig sind.

Es ist klar, dass am Ende viele Fans enttäuscht sein werden – wie so oft – aber das gehört zur Natur des Geschäfts. Man sollte nicht vergessen, dass die meisten großen Namen der letzten Jahre bei uns eher wenig Glück gebracht haben.

Die Kunst ist es daher, zunächst das Beste aus dem vorhandenen Kader herauszuholen und parallel Spieler zu entwickeln, die für größere Clubs interessant werden. Ich glaube, Mauro Lustrinelli beherrscht diese Aufgabe, auch wenn sie herausfordernd ist. Wer Meister mit einem Aufsteiger werden kann – und das ist nicht alltäglich – der kann das auch. Nichtsdestotrotz wird er sicherlich bereits eine Liste mit Zu- und Abgängen erstellt haben, und es ist schwer vorstellbar, dass ihm bei seiner Verpflichtung nichts versprochen wurde.

Natürlich ist es ärgerlich, dass wir gerade Stanley Nsoki fest verpflichtet haben und er – wie schon bei seiner Leihe vor einem Jahr – zunächst verletzt ausfällt, und das womöglich für mehrere Wochen. Solche Verletzungen können immer passieren, aber die Liste unserer Langzeitverletzten wird langsam etwas lang, und Zweifel, ob ein solcher Spieler uns auf Dauer entscheidend weiterhelfen kann, wachsen nicht unbedingt.

Insgesamt ist viel Geduld gefragt, verbunden mit einem vorsichtigen, wenn auch gefühlt unbegründeten Optimismus – daran ist der Unioner ja gewöhnt. Wir hoffen, dass Horst Heldt beim Transfergeschick diesmal ein glücklicheres Händchen beweist und vor allem endlich den dringend benötigten spielstarken Mittelfeldspieler verpflichtet. Der ruhigere Kaderplaner hat jedenfalls noch genug Luft nach oben.

Man sollte auch bedenken: Wenn der eine oder andere bereits vorhandene Spieler endlich konstant seine Form findet (und da fallen uns einige Namen ein), wäre das für Union wie ein Neuzugang, oder?

Fest stehen die ersten vier Spieltage: Zunächst spielen wir zweimal samstags um 15:30 Uhr (gegen Frankfurt und in Leverkusen), danach zweimal freitags um 20:30 Uhr (gegen Schalke und bei Bayern). Ein ziemlich anspruchsvoller Start, aber die Liga ist ohnehin immer schwierig, das haben wir in den letzten sieben Jahren gelernt. Zudem bleibt die fast schon traditionelle Eröffnung zuhause und das letzte Spiel ebenfalls – also alles in allem eine gute Ausgangssituation.

Unionfux ergänzt: Zwischen Union und Carl Zeiss Jena gibt es viele Verbindungen – sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell: Zum Beispiel schlugen wir 1968 überraschend den frischgebackenen Meister Jena im FDGB-Pokalfinale – bis heute unser einziger bedeutender Titel. Der neue Jena-Trainer Marco Grote war früher U19-Coach bei Union und erinnerungswürdig als Interimstrainer mit dem Last-Minute-Erfolg vor zwei Jahren – nur zwei Anknüpfungspunkte.

Der letzte Pflichtspiel-Kontakt war 2018 in der ersten Runde des DFB-Pokals, das letzte Ligaspiel aber schon 2009. Seitdem liegen mehrere Ligen zwischen uns.

In der neuen Saison wollen die Thüringer erneut den Aufstieg aus der Regionalliga schaffen – allerdings streben das auch fünf bis sechs andere Teams an, sodass es eine äußerst schwere Aufgabe wird. Jena startet in zwei Wochen in der Regionalliga Nordost gegen den FSV Zwickau.

Zum Saisonauftakt sind wir bei ihnen zu Gast – vor immerhin 7.000 Zuschauern, davon rund 1.000 Unioner – und verlieren verdient mit 0:2 gegen den Viertligisten.

In der ersten Halbzeit zeigte sich eine schwache Leistung von uns, wir lagen schon früh durch ein ungeschicktes Passspiel im eigenen Strafraum zurück, das Jenas Löder ausnutzte. Unsere Mannschaft fand keine passende Antwort. In der Halbzeit wurde komplett durchgewechselt, sodass auch einige Nachwuchsspieler zum Einsatz kamen. Unser Spiel war nun engagierter, doch Chancen zum Ausgleich blieben ungenutzt. Kurz vor Schluss kassierten wir das zweite Tor, als Lankford aus 15 Metern ins kurze Eck traf. Nach dem 1:1 gegen Chemnitz am Donnerstag, bei dem wir uns wenig Ruhm erwarben, stellt sich die Frage: Was ist davon zu halten?

Wir sind gerade erst in die Vorbereitung gestartet; Freundschaftsspiele haben sportlich gesehen ohnehin eine geringe Bedeutung, aber sie liefern wertvolle Erkenntnisse, die dem Laien oft verborgen bleiben. Zum Glück spielen wir nicht in der Regionalliga.

Dennoch wirkt dieses Ergebnis für einen Bundesligisten schon etwas peinlich und schwer schönzureden, auch wenn es nicht nur Augenwischerei ist. Immerhin kann Jena einen vielversprechenden Saisonstart verbuchen – immerhin etwas.

Ob sich die fußballerischen Probleme der letzten Jahre noch weiter fortsetzen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Am Pokalspiel in Braunschweig in knapp sechs Wochen haben wir noch genügend Zeit, aber sie wird knapper als angenommen.

Der aktuelle Kader ist nicht besser als zu Zeiten von Steffen Baumgart bei seinem Vorgänger Urs Fischer, sodass Lustrinelli in nur zwölf Tagen nicht jedem Spieler besseren Fußball beibringen kann oder eine funktionierende Taktik installieren wird. Andererseits wird er mit Sicherheit jetzt schon registrieren, was er von einzelnen Spielern erwarten kann – und einige werden nicht gerade Pluspunkte gesammelt haben.

An diesem Wochenende stehen zwei Spiele in der Schweiz gegen Winterthur und Aarau an, beides Zweitligisten, bei denen sich erste Wiedergutmachung zeigen sollte.

Ich weiß, es ist noch viel zu früh, um in Panik zu geraten, aber es wäre höchst wünschenswert, dass Horst Heldt im Hintergrund an Spielern arbeitet, die uns wirklich verstärken können – und dabei gelungen ist, im überflüssigen Teil des Kaders Platz zu schaffen. Zudem sollte Lustrinelli möglichst schnell eine Veränderung der Komfortzone bei Union bewirken und natürlich die Spieler finden und verpflichten, die er für seinen Fußball benötigt. All das ist notwendig, um eine entspanntere Saison als die vergangenen drei zu erleben und endlich mal wieder Fortschritte zu machen statt nur Seitwärtsschritte.

Andrik Markgraf, der erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag verlängert hat, zog sich beim Spiel gegen Chemnitz leider einen Kreuzbandriss zu. Obwohl diese Verletzung heute nicht mehr ganz so bedrohlich ist, ist der Zeitpunkt für den jungen Linksverteidiger sehr ungünstig. Es erscheint unwahrscheinlich, dass er schon zur Winterpause fit genug für eine eventuelle Leihe ist oder im nächsten Frühjahr nennenswerte Spielpraxis bei uns erhalten wird. Das ist äußerst bitter und wir wünschen ihm eine schnelle Genesung!

Da es derzeit keine belastbaren Gerüchte zu Zu- oder Abgängen gibt, hier noch ein paar Neuigkeiten zu ehemaligen Union-Spielern: Danilho Doekhi soll bald bei Lazio Rom unterschreiben, Michael Gspurning wird unter Oliver Glasner neuer Torwarttrainer bei Nottingham Forest, und Robin Gosens wird beim AC Florenz trotz Vertrag bis 2028 aussortiert. Es kursieren Gerüchte über eine Rückkehr zu Schalke, aber wenn ihm Berlin nicht gefallen hat, wird Gelsenkirchen wohl ein harter Kulturschock für ihn.

Zum Abschluss: Unser drittes Testspiel beim Chemnitzer FC endete 1:1. Die Gegner sind stärker als die bisherigen zwei Testgegner, doch unser neues System von Trainer Lustrinelli bleibt konstant: eine Viererkette hinten, davor zwei defensiv ausgerichtete zentrale Mittelfeldspieler und auf den Außenpositionen offensiv ausgerichtete Spieler. Auch A-Jugendliche wie Vulin und Engel erhalten Spielzeiten. Für den 16-jährigen Güther war das ohnehin klar.

Für die linke Mittelfeldposition bemüht Union den Schweizer Kastriot Imeri, den Lustrinelli aus Thun gut kennt. Imeri schaffte es nicht ins Schweizer WM-Aufgebot, hat jedoch ein Länderspiel auf dem Konto. Der junge Torwart Schenk aus Münster wird ebenfalls gehandelt, obwohl das meiner Ansicht nach wenig Sinn macht, denn mit Rönnow und Klaus haben wir bereits zwei erstklassige Keeper. Im Nachwuchs stehen Welsand und Gagzow als Talente bereit, und Eigengewächs Wisbereit hat noch keinen neuen Verein gefunden. Die Torwart-Politik von Union bleibt schwer nachvollziehbar. Neu im Fokus ist außerdem Matoshi vom FC Thun, der ebenfalls am liebsten auf der linken Mittelfeldposition spielt. Offenbar sieht Lustrinelli dort noch Nachholbedarf. Weitere Gerüchte gibt es nicht, die Politik bei Neuverpflichtungen läuft nach wie vor unter Verschluss.

Parallel verhandelt Union mit Lichtenberg 47, bei denen die Frauenmannschaft während der Stadionbauarbeiten ihre Spiele austrägt. Union prüft noch und zögert. Für den Oberligisten wäre das eine große Chance, da die Modernisierung des Zoschke-Stadions, für die die Finanzierung bereits steht, dadurch deutlich beschleunigt werden könnte. Gute Alternativen hat Union offenbar nicht, alle anderen Optionen wären wohl deutlich weiter entfernt.

Das nächste Testspiel findet am 12. Juli in Jena statt, danach folgen Winterthur (17.) und Aarau (18.), bevor am 1. August das erste Pflichtspiel gegen Dynamo Dresden ansteht. Am 2. August steht dann das Spiel gegen Cagliari Calcio auf dem Programm. Die Zeit, eine Stammelf zu finden, wird langsam knapp. Eisern.

Zum Abschluss noch eine kleine Polemik von Unionfux zur aktuellen Lage im Fußball und im deutschen Team, angesichts der Korruptionsaffären rund um FIFA und DFB, die unter anderem auch Union nicht unberührt lassen. Kritik an politischen und sportlichen Entwicklungen, verbunden mit der Hoffnung auf mehr Authentizität und Fairness im Fußball, aber ebenso mit der Erkenntnis, dass der Kommerz und die politischen Interessen den Sport inzwischen maßgeblich prägen.

Weiterhin äußert sich Icke kritisch zu Personalentscheidungen bei Union, etwa zur geplanten Verpflichtung eines Mitarbeiters mit Stasi-Vergangenheit in der Nachwuchstrainer-Riege, was bei vielen Fans auf Unverständnis stößt. Und er berichtet begeistert über einen 12:2 Sieg in einem Testspiel gegen Optik Rathenow, bei dem der 16-jährige Linus Güther mit zwei Toren und einer Vorlage glänzte, was die Hoffnungen auf das junge Talent weiter steigen lässt.

Unionfux reflektiert abschließend über die Bedeutung von Glauben, Hoffnung und Identifikation im Fußball und dem deutschen Nationalteam, und äußert Zweifel an den Erfolgen und Entscheidungen rund um Nagelsmann, aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Union unter neuem Trainer Mauro Lustrinelli, der mit frischem Wind und neuen Ideen in die Saison startet.