Union-Berlin-Blog: Es geht endlich wieder los!
Berlin - TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, betrieben von drei echten Berliner Fußballfans, die Union-Fans mit Herz und Seele sind.
Die Autoren:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der 70er Jahre eingefleischter Unioner. Beruflich ist er Betriebswirt und seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Verheiratet und Vater eines erwachsenen Kindes, lebt er heute in Grünheide und ist Initiator dieses Blogs.
Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit mehr als 40 Jahren Union-Anhänger. Er arbeitet freiberuflich für Bühne, Funk und Fernsehen und schreibt auch dort über Union.
Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesliga-Profi (unter anderem bei Hansa Rostock und Cottbus), ehemaliger Manager bei Union und mit 21 Länderspielen für DDR-Junioren ein Eigengewächs des Vereins. Beecke ist Vater von zwei Kindern und unterstützt unseren Blog als Berater.
Icke: Der 1. FC Union startet in die neue Saison – der erste Gegner heißt Eintracht Frankfurt. Ein anspruchsvoller Kontrahent. Kurz vor dem Anpfiff gibt es zudem noch Unruhe im Kader. Das Spiel findet am Samstag um 15:30 Uhr statt. Das Transferfenster ist jedoch noch bis zum 1. September 2026 um 20 Uhr geöffnet.
Da sich in den vergangenen Wochen bei Spielerbewegungen kaum etwas tat, steigt die Unruhe. Felix Uduokhai wurde für die Abwehr verpflichtet, vermutlich eine Vorbereitung auf den baldigen Abgang von Querfeld, dessen Vertrag nur noch ein Jahr läuft. Ein weiterer ablösefreier Abgang in der Verteidigung im nächsten Sommer wäre schlecht für uns.
Außerdem gilt es, den plötzlichen Abgang von Ansah zu kompensieren, der uns immerhin sofort 17-18 Millionen Euro einbringt. Insgesamt wird von Bonuszahlungen und einem Gesamtvolumen von bis zu 24 Millionen gesprochen. Die Engländer sind wirklich verrückt – uns soll das recht sein! Hull City wird sein neuer Verein sein. Im Gespräch sind weiterhin die Ex-Werderaner Ducksch, Ibrahimovic (Leihe von Bayern), Harres (Kiel), Renato Sanches (Ex-Bayern) sowie Mahmic. Glücklicherweise hat sich das Gerücht um Pieringer erledigt, der uns nicht wirklich verstärkt hätte. Es wäre klug, unsere Offensive doppelt zu verstärken – eine Leihe von Ibrahimovic und eine feste Verpflichtung von Ducksch oder Sanches wäre eine gute Lösung.
Auch die Frankfurter haben noch einmal aufgerüstet und Keeper Atubolu aus Freiburg verpflichtet. Es ist gut möglich, dass er gegen uns im Tor steht. Unser Neuzugang Uduokhai wird wohl zunächst auf der Bank sitzen, es sei denn Querfeld verlässt uns noch vor Saisonbeginn, dann könnte er geschont werden. Das würde uns in der Abwehr in Bedrängnis bringen, da Nsoki verletzt ist, Friedrich angeschlagen sein soll und Ogbemudia offenbar erneut verliehen wird. Dann stünde mit van den Bosch nur noch ein Innenverteidiger zur Verfügung. Uduokhai könnte daher schnell zum Einsatz kommen oder Khedira würde zurückgezogen, der ebenfalls Innenverteidiger spielen kann. Ein Innenverteidiger-Duo Khedira/van den Bosch klingt gar nicht schlecht. Durch den Zugang von Aebischer könnten wir Khedira im defensiven Mittelfeld gut ersetzen – im Verbund mit Kemlein.
Man sieht: Die lange Dauer des Transferfensters bringt Unruhe in alle Teams. Wenn dann auch noch Frankfurt, mit mehr als doppelt so hohem Marktwert (323 Millionen vs. knapp 127 Millionen), der Gegner ist, ist eine starke Leistung gefragt. Nationalspieler wie Burkhardt und Co. werden uns gleich zum Auftakt alles abverlangen. Aber Angst zu haben hilft nicht. Das letzte Bundesligaspiel gegen die Eintracht endete 1:1. Nun ist auch unser neuer Trainer Lustrinelli gefordert, das Team optimal einzustellen. Ein Sieg ist möglich, denn vor Saisonstart ist nie genau vorhersehbar, wo die Mannschaft leistungsmäßig steht. Eisern!
Icke: Oberflächlich betrachtet kann man es so sehen: Union gewinnt in der ersten Runde des DFB-Pokals 2026/27 auswärts in Braunschweig bei der Eintracht mit 4:2. Vier Tore klingen gut, das letzte gelang jedoch nur, weil Braunschweig zum Schluss alles nach vorne warf. Insgesamt geht der Sieg in Ordnung, da wir mehr individuelle Qualität und eine bessere Physis zeigten.
Im Tor stand Raab, die Viererkette bildeten Juranovic, Querfeld, van den Bosch und Rothe. Khedira und Kemlein spielten im defensiven Mittelfeld, Jeong und Burcu auf den offensiven Halbpositionen. Vorn spielten Latte und Ansah. Später kamen Schäfer für Jeong, Ljubicic für Latte und Aebischer für Burcu, Trimmel ersetzte Juranovic.
Ljubicic zeigte wohl seine beste Leistung für uns: Er kam in der 62. Minute und erzielte zwei Tore, per Kopf und einem schnellen Rechtsschuss. Latte gab sein Debüt und zeigte Ansätze, vor allem in schnellen Antritten in freie Räume. Van den Bosch überzeugte offensiv, auch mit dem 1:0 per Kopfball, defensiv zeigte er aber Schwächen, wie alle anderen. Überraschend war die Nominierung von Querfeld, der jedoch sauberes Passspiel und gute Klärungen zeigte, aber nicht alle Räume schließen konnte.
Juranovic zeigte ordentlichen Spielaufbau und führte zu hervorragenden Standards, aus denen das erste Tor resultierte. Allerdings wurde er von Braunschweiger Zweitliga-Kickern mehrmals überlaufen. Rothe auf links zeigte gute Akzente, erzielte den 2:2-Ausgleich, sein defensives Stellungsspiel ist jedoch verbesserungswürdig. Khedira und Kemlein fielen kaum auf, konnten aber auch nicht alle Lücken schließen. Jeong wirkte weitgehend abwesend, Burcu versuchte es auf links im Dribbling, scheiterte aber oft.
Im Sturm sollten Ansah und Latte für Betrieb sorgen. Ansah bemühte sich, scheiterte jedoch zu oft. Bis auf seine Vorlage zum 3:2 gelang ihm wenig. Insgesamt zeigte die Mannschaft weiterhin Schnelligkeitsdefizite, vor allem defensiv ist sie nicht sattelfest. Auch das resolute Zupacken fehlt, sodass Braunschweig zu zwei Toren kam. Die Räume waren teilweise enorm, wenn man bedenkt, dass wir Bundesligist sind.
Positiv hervorzuheben ist Raab im Tor, der sein erstes Pflichtspiel seit seinem starken Auftritt im März 2026 in Freiburg absolvierte und eine sensationelle Rettung zeigte. Aebischer ließ sich kaum bewerten, spielte wenige Pässe an. Trimmel brachte mehr defensive Stabilität. Schäfer zeigte wie immer vollen Einsatz.
Der Spieler des Tages war Marin Ljubicic, der zweimal blitzschnell reagierte und instinktiv wusste, wo der Ball im Strafraum landet. Mit etwas Glück hätte er auch drei Tore erzielen können.
Nächste Woche empfängt Union die Eintracht Frankfurt. Offensiv mache ich mir wenig Sorgen, defensiv jedoch schon. Die Abstimmung läuft noch nicht rund, die Mannschaft ist insgesamt zu langsam. Am schlimmsten ist, dass wir 20 Meter vor dem Tor nicht mit voller Entschlossenheit und Körpereinsatz zupacken, oft zögern wir. Warum eigentlich? Das ließe sich beheben. Eisern!
Unionfux: Die rätselhafte und hartnäckige Lebensmittelvergiftung, die zur vorzeitigen Abreise aus dem Trainingslager in Österreich führte, sorgte schnell für Spekulationen: Stecken etwa die Badelatschen von Andrej Ilic dahinter? Wird uns der Serbe, der oft etwas melancholisch wirkt, womöglich kurzfristig Richtung England verlassen? Sicherlich würde uns ein solcher Transfer zwischen 15 und 20 Millionen Euro einbringen, aber es wäre ein erheblicher Verlust.
Zwar könnte Ilic mehr Tore erzielen – in der letzten Saison hat er trotz einiger unglücklicher Szenen (verschossener Elfmeter gegen den HSV, einige verpasste Chancen gegen Mainz und Stuttgart) elf Vorlagen geliefert, was für seine Spielintelligenz und Kampfkraft spricht. Er hat die meisten Kopfballduelle in der Liga gewonnen, kombiniert mit einer starken Körperlichkeit und guter Technik. Sein Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft, und seine Bedeutung für unser Spiel ist unbestritten. Umso erfreulicher ist seine Vertragsverlängerung – wo sollen wir sonst einen solchen Spieler herbekommen? Sein Marktwert hat sich laut Transfermarkt (auch wenn das keine absolute Wahrheit ist) verdreifacht. Er ist ein klarer Unterschiedsspieler mit steigender Tendenz.
Wann genau der Vertrag unterschrieben wurde, bleibt geheim – warum auch immer? Man weiß, dass sich Vertragslaufzeiten aus verschiedenen Gründen ändern können. Wahrscheinlich war sein alter Vertrag bis mindestens 2027 gültig, der neue mindestens bis 2028, vermutlich sogar länger. Eine Ausstiegsklausel dürfte bei etwa 10 Millionen Euro oder mehr liegen. Vieles ist Spekulation, aber was bleibt einem übrig?
Das trübt die Freude nicht: Andrej Ilic wird uns vorerst erhalten bleiben, ist ein wichtiger Faktor für die kommenden Aufgaben und will sich als Unioner sehen, anstatt uns nur als Zwischenstation zu betrachten – auch wenn das Geschäft schnelllebig ist. Auf viele Tore, sei es vorbereitet oder selbst erzielt, und zahlreiche gewonnene Kopfballduelle. Es ist wichtig, zumindest eine weitere Saison einen Spieler in unseren Reihen zu haben, wie ihn es in den vergangenen fünf Jahrzehnten nur selten bei Union gab. Vielleicht reicht er schon fürs Pokalspiel, aber definitiv brauchen wir ihn gegen Frankfurt – die liegen ihm bekanntlich. Ich freue mich darauf!
Unionfux: Keine große Überraschung, aber doch große Freude: Michel Aebischer, 29 Jahre alt, Nationalspieler der Schweiz (44 Einsätze, 2 Tore) mit über 250 Spielen in der Super League und der Serie A (vierfacher Meister mit den Young Boys Bern), wird uns voraussichtlich für die nächsten drei Jahre verstärken.
Er ist variabel im Mittelfeld einsetzbar, bei uns wohl hauptsächlich als Achter, gelegentlich auch als Sechser, auf der Zehn dagegen eher weniger. Unter dem Trainer beim FC Bologna trägt er den Spitznamen „L’Equilibratore“ – der Ausgleicher –, weil er durch seine hohe Passgenauigkeit und Spielintelligenz Stabilität ins Spiel bringt.
Wie sehr er unser Offensivspiel verbessern wird, bleibt abzuwarten. Einen Spieler wie ihn können wir aber definitiv gebrauchen. Er gilt als Wunschspieler von Trainer Mauro Lustrinelli, der sicherlich den entscheidenden Impuls zur Verpflichtung gegeben hat. Aebischer soll diverse Angebote aus Italien und Deutschland abgelehnt haben zugunsten unseres Vereins.
Die Ablösesumme soll zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro an Pisa SC betragen, die selbst wegen einer Kaufpflicht etwas an den FC Bologna überwiesen haben – angesichts der aktuellen Marktpreise ein überschaubarer Deal, auch wenn es der teuerste Neuzugang in diesem Sommer bei Union ist.
Die Verpflichtung hat zwar keine Jubelstürme ausgelöst, sie war lange angekündigt und ist nicht spektakulär. Zudem haben wir mit Spielern aus der Super League und der Serie A zuletzt nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Dennoch denke ich, dass „L’Equilibratore“ wichtig für uns wird und ein Glücksgriff sein könnte.
Weitere Zugänge sind kaum zu erwarten, da es auf der Abgangsseite wenig Bewegung gibt, vor allem keine Einnahmen durch nennenswerte Verkäufe. Bei einigen Spielern wären wir froh, sie einfach von der Gehaltsliste zu bekommen. Noch sind knapp zwei Wochen Zeit, doch große Hoffnungen sollte man sich nicht machen.
Positiv ist, dass Dmytro Bogdanov für ein Jahr an Energie Cottbus ausgeliehen wird – eine Win-Win-Situation, wenn er dort ausreichend Spielzeit bekommt und sein Talent zeigen kann, auch wenn die 2. Bundesliga eine Herausforderung ist. In einem Jahr sieht man weiter.
Rani Khedira bleibt bei uns, obwohl Interesse aus Köln und Gladbach – wie ernst es war, wissen wir nicht. Gerade angesichts der defensiven Schwächen ist das gut. Andererseits ist die Hoffnung auf eine Ablöse von mindestens zwei Millionen Euro dahin, sein Vertrag läuft im nächsten Jahr aus, dann ist er schon 33. Ob er verlängert? Wäre nicht überraschend.
Um die aktuell eher nüchterne Stimmung aufzuhellen, hilft nur ein souveräner Pokalauftritt am Sonntag in Braunschweig. Auch wenn das viele nicht erwarten, und wir uns in Pokalspielen gegen kleinere Teams schwer tun, sehe ich Lustrinellis Pflichtspielstart unter einem guten Stern. Ob Aebischer schon zum Einsatz kommt und auf welcher Position, bleibt spannend. Lange Eingewöhnungsphasen haben bei uns Tradition, aber diesmal bin ich optimistisch. Die Vorfreude auf Sonntag ist noch leise – aber sie ist da.
Icke: Seit Sommer ist Lustrinelli neuer Trainer beim 1. FC Union. Drei Gründe sprechen für ihn: Er ist Verfechter der Viererkette und Union möchte ein neues Spielsystem, das moderner und attraktiver sein soll. Zudem wurde er sensationell mit dem FC Thun Schweizer Meister. Und der dritte Trumpf: Er arbeitete bereits mit Urs Fischer zusammen. Das war Union eine Ablöse von rund einer Million Euro wert.
Lustrinelli konnte die gesamte Vorbereitung mitgestalten, bekam aber kaum die von ihm gewünschten Verstärkungen. Im Gegenteil, durch die Abgänge von Doekhi und Leite wurde die Abwehr sogar schwächer. Van den Bosch, M. Friedrich und Nsoki sollen diese Verluste kompensieren. Die Vorbereitungstests zeigten allerdings, dass die Abwehr teilweise bedrohlich wackelt.
Wir kassieren zu leicht Gegentore. Nsoki ist erneut verletzt, M. Friedrich ist noch nicht der Abwehrchef, den er sich wünscht. Van den Bosch zeigt ebenfalls noch keine Stabilität in der Defensive. Querfeld und Ogbemudia sind offenbar bei Lustrinelli nicht erste Wahl. Positiv ist, dass Juranovic rechts eine gute Frühform zeigt und Trimmel aktuell den Rang abgelaufen hat. Auf der linken Seite probiert der Trainer wieder Rothe, der defensiv Schwächen zeigt. Köhn wirkt stabiler.
Da Nsoki der einzige Linksfuß unter den Innenverteidigern ist, könnte das ein Fehler bei der Kaderplanung sein. Auch die Abstimmung der Laufwege im Mittelfeld stimmt defensiv noch nicht, es entstehen Lücken. In dieser Phase, in der unser Defensivverhalten nicht gut ist, wäre es Wahnsinn, Khedira noch abzugeben. Gerüchte über einen Tausch Khedira gegen Aebischer halten sich hartnäckig, eine Verpflichtung von Aebischer neben Khedira wäre wenig sinnvoll. Dann hätten wir zu viele defensiv orientierte zentrale Mittelfeldspieler für nur zwei Positionen.
Der Kader bereitet vielen Unionern Sorgen. Im Angriff gibt es zwar mit Latte einen neuen Stürmer, doch er kann sich mit Ilic nicht eingespielt, da dieser noch immer an den Folgen einer Lebensmittelvergiftung leidet. Auch um ihn gibt es Abgangsgerüchte. Es gelingt nicht, den Kader, der aktuell 31 Spieler umfasst, zu verkleinern. Spieler wie Haberer oder Skarke haben kaum Einsatzchancen – und das ist keine neue Erkenntnis. Das bosnische Talent Mahmic wird als Neuzugang für das offensive Mittelfeld gehandelt, aber er ist bei mehreren Vereinen begehrt, darunter Eintracht Frankfurt. Unsere Chancen scheinen gering.
Das Offensivspiel hat sich nur minimal verbessert. Ein guter offensiver Mittelfeldspieler ist noch dringend nötig. Burcu auf halblinks zeigt aufsteigende Form, Ansah gab auch Lichtblicke. Solange er aber im Sturm als Ersatz aushelfen muss, fehlt er im rechten offensiven Mittelfeld, wo er effektiver ist.
Es läuft beim 1. FC Union noch nicht rund. Die Abwehr wackelt, Keeper Rönnow ist noch nicht voll einsatzfähig, das Defensivverhalten im Mittelfeld ist verbesserungsbedürftig und nach vorne fehlt einfach die Qualität. Hinzu kommen Verletzungen wie bei Ilic. Die Vorbereitung ist eben nur das – man trainiert, übt und versucht neue Laufwege und Abläufe. Wann der Knoten platzt, ist offen, ebenso wie Änderungen im Kader bei Zu- und Abgängen.
Ein bisschen lässt man den neuen Trainer im Stich. Es ist unrealistisch, ein neues System einzuführen, ohne den Kader anzupassen. An einigen Positionen fehlt einfach Geschwindigkeit und Qualität. Hoffen wir auf Besserung! Eisern.
Unionfux: Die Testspiele dieses Sommers waren für uns kein Ruhmesblatt. Nach Siegen gegen Oberligist Rathenow und Landesklassen-Team Grün-Weiß Lübben konnten wir weder gegen Regionalligisten (Chemnitz und Jena) noch gegen Schweizer Zweitligisten (Winterthur und Aarau) gewinnen. Die Vielzahl an Vorbereitungsspielen wirkt fragwürdig – was steckt dahinter? Lustrinelli ist unzufrieden, versucht aber das Beste daraus zu machen.
Letzten Samstag waren wir in Dresden zu Gast (angeblich Teil der Ablöse für Bogdanov). Wir gingen zunächst in Führung, mussten aber schnell den Ausgleich hinnehmen. Die erste Halbzeit war passabel. Die zweite Hälfte begann mit einem Gegentor. Das Spiel wurde zunehmend zerfahren, am Ende stand eine knappe Niederlage vor 25.000 Zuschauern. Dresden startet diese Woche wieder in die Liga und ist fitnessmäßig fitter. Trotzdem konnten wir gegen Dresden keinen Klassenunterschied erzielen, das hinterlässt gemischte Gefühle.
Am Sonntag empfingen wir in der Alten Försterei den Serie-A-Klub Cagliari Calcio vor enttäuschenden knapp 9.000 Fans (im Vergleich zu über 18.000 gegen Espanyol Barcelona vor einem Jahr). Ob das an den hohen Eintrittspreisen oder der fehlenden Euphorie liegt, ist unklar. Mal sehen, wie viele Zuschauer der Premier League-Aufsteiger Ipswich Town in zwei Wochen anlockt.
Das Spiel begann langsamer als am Vortag. Beide Seiten hatten Chancen, auf unserer Seite durch Haberer und einen Freistoß von Burcu. Es blieb torlos zur Pause. Danach ging Cagliari früh in Führung und erhöhte nach etwa einer Stunde. Das sah nach einer Niederlage aus.
Fünf Minuten vor Spielende verlängerte Querfeld einen weiten Einwurf von Rothe auf Ansah, der per Kopf traf – Anschluss. Der Ausgleich fiel exakt in der 90. Minute, wieder per Kopf von Ansah nach einer Ecke von Jeong. In der etwa vierminütigen Nachspielzeit hatten beide Teams noch Chancen zum Sieg: Jeong vergab frei und Fritz Gagzow im Union-Tor zeigte eine Weltklasse-Reaktion bei einem Elfmeter. Am Ende blieb es beim Unentschieden. Insgesamt kein gutes, aber auch kein schlechtes Spiel. Was es Wert ist, wird man erst in drei bis vier Wochen sehen. Die Mannschaft befindet sich im Entwicklungsprozess, der Zeit und neues Personal benötigt.
Nun geht es in das Trainingslager nach Österreich. Mit dabei ist Emmanuel Latte Lath, ein ivorischer Stürmer, den wir von Atlanta United ausleihen, mit Kaufoption. Die Amerikaner hatten ihn vor anderthalb Jahren für über 20 Millionen Euro verpflichtet. Er hat sowohl in der Schweizer Super League bei St. Gallen als auch in Englands Championship beim FC Middlesbrough seine Treffsicherheit bewiesen. Ausgebildet wurde er bei Atalanta Bergamo, nicht die schlechteste Adresse.
Was man auf Youtube sieht, macht einen technisch ordentlichen Eindruck, mit gutem Antritt und Abschlusssicherheit. Ob er das bei uns zeigen kann, wird sich zeigen. Ich halte den sympathischen Ivorer für eine gute Idee. Lustrinelli hat ihn wohl in der Schweiz oft beobachtet. Zwar waren die Leistungen in der MLS mit nur neun Treffern in 1,5 Jahren überschaubar, aber dafür wäre er vermutlich sonst nicht auf dem Markt gewesen.
Burnley und Middlesbrough waren ebenfalls interessiert, konnten jedoch wegen Visa-Problemen nicht zuschlagen. Atlanta United spart Gehalt und hofft auf die Verpflichtung eines Designated Players wie Romelu Lukaku.
Weitere Neuzugänge sind angekündigt, vor allem ein kreativer Mittelfeldspieler wäre wichtig, wie man in den letzten Partien gesehen hat. Unser neuer Stürmer will ja auch entsprechend bedient werden. Also: Willkommen Emmanuel und viel Erfolg in Österreich!
Icke: Emmanuel Latte Lath ist 27 Jahre alt und Mittelstürmer. Er hat vier Länderspiele für die Elfenbeinküste absolviert. Aufgewachsen und ausgebildet wurde er in Italien bei Atalanta. Seine Karriere ist geprägt von mehreren Leihen. Seine erste große Saison spielte er 2022/23 beim FC St. Gallen (Leihe), wo er 16 Tore und 4 Vorlagen erzielte. Middlesbrough zahlte 7,1 Millionen Euro für ihn und er erzielte in seiner ersten Saison dort 18 Tore (1 Assist). Das weckte das Interesse von Atlanta United, die 21,25 Millionen Euro für ihn bezahlten.
In der MLS erzielte er in der ersten Saison 7 Tore und 3 Vorlagen in 30 Spielen, in der laufenden Saison 3 Tore und 1 Vorlage in 16 Spielen – zu wenig für die Amis. Er hat Vertrag bis 2028 bei Atlanta, mit einjähriger Option der Klubseite. Wahrscheinlich wird er ausgeliehen, idealerweise mit niedriger Kaufoption.
Mit 1,76 m ist er nicht der klassische bullige Mittelstürmer, aber Kopfballstärke ist eine seiner Stärken. Er kann hoch springen, ähnlich wie der legendäre Karl-Heinz Riedle. Er spielt schnörkellos und erzielt viele „einfache“ Tore. Seine Technik ist solide, auch wenn sie manchmal etwas ungelenk wirkt. Mit 33,22 km/h ist er durchschnittlich schnell, aber sein Antritt ist explosiv, wodurch er viele Zweikämpfe gewinnt.
Latte ist kein Vorbereiter wie Ilic, sondern sucht den direkten Abschluss. Möglicherweise ergänzt er sich sehr gut mit Ilic, der mehr der robuste, vorbereitende Stürmer ist. Zusammen könnten sie ein starkes Sturmduo bilden.
Ein Problem bleibt sein hohes Gehalt von rund 3,74 Millionen Dollar. Wie dieses Problem gelöst wird, ist noch offen – entweder verzichtet Latte darauf oder Atlanta trägt einen Teil der Kosten. Andere Vereine dürften dieses Gehalt mit dem Risiko kaum bezahlen. Er ist eine Wundertüte – fühlt er sich wohl, trifft er, ist er zufrieden, blockiert er.
Wir sollten ihm den Wohlfühlfaktor bieten, sodass die Chancen für einen Erfolg bei uns gar nicht schlecht sind.
Alternativ könnte es auch Futkeu aus Frankfurt werden. Beide Spieler sind teuer. Ducksch wäre die günstigste Variante, mit 10 Toren noch immer ein guter Spieler. Er könnte die Flanken von Trimmel entlasten. Am besten wäre wohl eine Kombination aus Ducksch und einem der beiden anderen (Futkeu oder Latte). So hätten wir mit Ilic, Ducksch und Futkeu/Latte drei starke Stürmer für zwei Positionen. Burke, Skarke und Ljubicic könnten abgegeben werden. Dahinter könnten Bogdanovic (19) und Gray (19) Einsatzzeiten erhalten. Es wird Zeit, dass Union auf dem Transfermarkt aktiver wird.
Wie es um Neuhaus steht, der von Gladbach intensiv gesucht wird, bleibt abzuwarten. Neuhaus hat nur noch einen Vertrag bis 2027. Sollte Khedira in diesem Sommer noch wechseln (Interesse aus Mainz, Gladbach, New York, Trabzonspor, Besiktas), würde ein Neuhaus-Transfer Sinn ergeben. Dann hätten wir mit Kemlein, Schäfer und Neuhaus drei Spieler fürs zentrale Mittelfeld. Haberer wäre dann wohl keine Option mehr. Die Talente Blaszczak (18) und Sliskovic (17) könnten dem Profi-Team näherrücken. Es bleibt spannend, wann bei Union personelle Bewegung einsetzt. Eisern!
Unionfux: Was gerade im Fußball passiert, ist für die Zukunft der FIFA und des Weltfußballs von großer Bedeutung. Der umstrittene Präsident Gianni Infantino, dessen autoritäre und oft als korrupt wahrgenommene Führung dem Fußball zunehmend schadet, ist nun doch zu weit gegangen. Sein Plan, die Weltmeisterschaft und weitere Turniere an Investoren zu verkaufen, stößt auf erheblichen Widerstand.
Im Weltfußball gibt es 211 Verbände, jeder mit einer Stimme – eine demokratische Struktur. Infantino nutzte dies aus, indem er vor allem kleinere Verbände mit großzügigen Zuwendungen „auf seine Seite“ brachte, was ihn nahezu unangreifbar macht. So kann er nach Belieben agieren: die WM vergrößern, rote Karten zurücknehmen, Sommerturniere an Wüstenstaaten vergeben oder Halbzeitpausen verlängern. Wer kann ihm ernsthaft widersprechen?
Infantino wird oft mit dem amerikanischen Ex-Präsidenten Trump verglichen, beide agieren autoritär und nach eigenem Gutdünken, jenseits gesetzlicher oder moralischer Grenzen. Die UEFA und andere Kontinentalverbände haben genug und drohen mit Boykott aller FIFA-Turniere. Die Attraktivität der WM ohne die Europäer wäre stark eingeschränkt.
Es ist unwahrscheinlich, dass Infantino gestürzt wird, aber dieser Widerstand ist ein wichtiges Zeichen. Die Zukunft wird zeigen, wie weit der Protest reicht. Es geht hier um mehr als eine Fußballweltmeisterschaft. Fällt dieser Stein, könnte das weitreichende Folgen haben, auch für Ideen wie eine Superliga, die dann womöglich wieder durchgewunken wird. Wenn man schon den Anfängen nicht widerspricht, sollte man zumindest verhindern, dass schlimme Entwicklungen weitergehen.
Es ist schlimm, dass Infantino immer wieder geduldet wird, statt ihn zu entfernen. Mindestens muss man ihm Einhalt gebieten, wenn er den Fußball verkauft, der ihm nicht gehört.
Die Machtprobe wird interessant, Infantino wird sich nicht so leicht geschlagen geben. Doch klar ist: Es geht um viel mehr als nur Fußball. Das Ergebnis wird wegweisend sein.
Unionfux: Der „Kicker“ veröffentlicht halbjährlich seine Rangliste der Spieler. In der aktuellen Sommerliste fehlen nur drei Vereine: St. Pauli, Wolfsburg (beide abgestiegen) und Union. Im Winter wurden noch drei Union-Spieler gelistet: Doekhi (Innenverteidigung), Khedira (defensives Mittelfeld) und Ansah (offensiver Flügel). Die einzigen erwähnten Union-Spieler sind jedoch Ex-Spieler Ryerson (BVB) und Leweling (Stuttgart), den wir verliehen und dann günstig abgegeben haben.
Natürlich sind solche Listen nur ein Fachmagazin mit beschränktem Aussagewert. Dennoch ist es ungewöhnlich, dass Union auf Platz elf landet – ein Spiegel unserer durchwachsenen Rückrunde, die selbst die letzten beiden guten Spiele nicht entscheidend verbessern konnten. Kein Spieler bei uns war konstant herausragend, einige spielten sogar noch schwächer als zuvor, höchstens in einzelnen Spielen gab es Lichtblicke.
Einzig Danilho Doekhi hat durch seinen ablösefreien Wechsel zu Lazio Rom einen größeren Schritt gemacht. Es gelingt uns kaum, Spieler mit geringen Einsätzen oder Verletzungsproblemen loszuwerden, da sie oft ein zu hohes Gehalt fordern. Leise Gerüchte über einen 15-Millionen-Transfer von Kemlein zu AS Rom kursieren, sind aber fragwürdig.
Langfristig ist es problematisch, kaum Einnahmen durch Spielertransfers zu erzielen und gleichzeitig mit einem mittelmäßigen Kader um den Klassenerhalt zu kämpfen. Momentan setzen wir darauf, dass einige Spieler ihr Potenzial besser ausschöpfen, etwa Burke, Ilic, Schäfer, Querfeld und Ansah – bei ihnen besteht noch viel Luft nach oben.
Eine qualitative Verbesserung des Kaders ist aktuell nicht in Sicht, nicht einmal Gerüchte gibt es. Das ist jedoch dringend notwendig, um dem Trainer Lustrinelli mehr Optionen zu geben – man vertraut zwar auf ihn, aber auch er braucht Unterstützung. Ein größerer Umbruch scheint wohl nicht geplant, aber idealerweise sollten ein oder zwei neue Spieler vor dem Trainingslager in Österreich kommen. Dabei darf es keine bloße Verbreiterung des Kaders sein, denn von Mittelklasse-Spielern haben wir genug.
Die Herausforderung ist, fähige Spieler zu finden, die bezahlbar sind, und sie vom Wechsel zu Union zu überzeugen, was angesichts des angespannten Transfermarktes schwer sein dürfte. Leihen könnten eine Lösung sein, jedoch werden diese oft erst kurz vor Schluss getätigt, wenn andere Vereine ihre Kaderpläne abschließen.
Gelingt es nicht, den Kader aufzuwerten, werden wir nicht nur in der nächsten „Kicker“-Liste fehlen, sondern auch eine weitere schwierige Saison vor uns haben, ohne Garantien für den Klassenerhalt.
Es wäre fahrlässig, aus den Fehlern der letzten Jahre nicht zu lernen und unsere Bundesliga-Zugehörigkeit aufs Spiel zu setzen. Die Schwierigkeiten sind unbestritten, aber noch ist Zeit und unsere Verantwortlichen sind sich dessen bewusst – die Nervosität steigt jedoch täglich.
Ein Quasi-Neuzugang ist der ehemalige 1. FC Saarbrücken-Torwart Phillip Menzel, der uns als Gastspieler unterstützen wird, da Rönnow und Raab weiter ausfallen. Langfristig wird er wohl jedoch nicht bleiben.
Icke: Die Profis des 1. FC Union genießen eine kurze Pause. Auf der Zugangsseite ist wenig Bewegung. Spieler, die kaum Chancen auf Einsätze haben, stehen kaum bei anderen Vereinen auf dem Zettel. Die letzten Testspielergebnisse waren wenig erfreulich. Was kann der durchschnittliche Union-Fan also erwarten?
Die Situation ist schwierig. Während ein Zweitligist wie Wolfsburg uns einen Damar wegschnappt, stehen wir bei der Stürmersuche vor großen Problemen. Die begehrtesten und bezahlbaren Stürmer sind bereits vergeben. Es gibt nur wenige brauchbare und ablösefreie Stürmer auf dem Markt.
Der Spanier Aranda (24) ist derzeit fast der einzige ablösefreie Stürmer, der uns sofort verstärken würde – europaweit. Die Ü30-Fraktion mal ausgenommen. Vermutlich werden wir um die Zahlung einer Ablöse nicht herumkommen. Dinkci ist weiterhin im Gespräch, doch auch er wird eine Ablöse kosten. Seine bisherige Torbilanz (14 Tore in 103 Bundesligaspielen) ist eher dürftig, bei einer Ablöse von mindestens vier Millionen Euro besteht Grund zur Skepsis.
Wahrscheinlich müssen wir einen Spieler wie Futkeu (Frankfurt) ins Visier nehmen. An ihm sind vier Bundesligisten interessiert. Er könnte teurer sein als Dinkci. Ohne finanzielles Risiko wird es in diesem Sommer wohl nicht gehen.
Die Alternative wäre, mit den vorhandenen Stürmern in die Saison zu gehen und auf ein Wunder zu hoffen. Die alte Regel, dass am Saisonende Schnäppchen auftauchen, scheint außer Kraft zu sein – der Markt ist verrückt. Je länger gewartet wird, desto geringer werden unsere Chancen. Eisern.
Unionfux: Die Wahl des Mannschaftskapitäns wird oft überbewertet. Ein Kapitän hat zwar einige Aufgaben, etwa als Mannschaftssprecher und als einziger, der beim Schiedsrichter meckern darf, er ist aber primus inter pares – der Erste unter Gleichen. Er ist oft ein erfahrener, intelligenter, führungsstarker Feldspieler, manchmal von der Mannschaft gewählt, manchmal vom Trainer ernannt.
Trainer Mauro Lustrinelli hat bestätigt, dass der langjährige Kapitän Christopher Trimmel auch in der kommenden Saison das Amt innehat, mit Rani Khedira als Stellvertreter. Obwohl Trimmel vermutlich weniger Spielzeit bekommen wird, ist das eine sehr gute Entscheidung. Er kennt den Verein wie kein anderer, lebt die Werte des Clubs und ist in seiner 13. Saison bei uns. Auch in der Außendarstellung ist er vorbildlich: klare und sinnvolle Aussagen vor und nach Spielen, ohne leeres Bla Bla.
Sportlich bringt er weiterhin Leistung, egal ob von Beginn an oder als Einwechselspieler. Seine Standards und Flanken sind noch immer die besten im Team, auch wenn langsam Konkurrenz aufkommt. Seine Einsatzbereitschaft ist vorbildlich, gerade mit seinen 39 Jahren ist er die älteste Feldspielkraft der Liga. Jüngere Spieler sollten sich ein Beispiel an ihm nehmen.
Es gab Stimmen, die Aljoscha Kemlein als Kapitän sehen wollten – sicher keine schlechte Idee – doch mit knapp 22 Jahren hat er noch viel Zeit. Momentan wäre die zusätzliche Verantwortung für ihn wohl zu viel, zumal er sich gerade erst in der Bundesliga etabliert. Er steht unter besonderer Beobachtung, da er aus dem eigenen Nachwuchs stammt – eine bei uns noch recht seltene Pflanze. Der letzte, der sich aus dem Nachwuchs so durchgesetzt hat, war Steven Skrzybski, der uns vor acht Jahren verließ. Aljoschas Zeit wird noch kommen, Christophers ist noch nicht vorbei. Wir wünschen unserem alten und neuen Kapitän eine erfolgreiche Saison!
Diese Woche haben die Spieler noch Urlaub, bevor in Kürze zwei Spiele anstehen: Samstag in Dresden und Sonntag zu Hause gegen Cagliari Calcio, Vorjahresvierzehnter der Serie A. In Dresden wird wohl eher eine B-Elf spielen, während gegen die Italiener die vorläufige Bestbesetzung auflaufen dürfte.
Danach geht es für eine Woche ins Trainingslager nach Österreich. Ich gehe davon aus, dass in den kommenden zwei Wochen noch einige Zu- und Abgänge stattfinden, damit im Trainingslager langsam eine Stammelf formiert werden kann. Bis zum 1. September wird Bewegung im Kader bleiben – so ist das eben. Also: Erholung für die Jungs und spannende Wochen für uns alle!
Icke: In den bisherigen Vorbereitungsspielen hat der 1. FC Union 22 Spieler zwischen 16 und 23 Jahren eingesetzt – tatsächlich „Jugend forscht“. Der neue Trainer Lustrinelli will alle Spieler kennenlernen, auch die A-Jugendlichen. Wir sind inzwischen in der zweiten Hälfte der Vorbereitung. In vier Wochen startet die Bundesliga-Saison, da muss eine Stammelf aus etwa 15-16 Spielern gefunden sein. Wer genau hinschaut, erkennt, wer sich herauskristallisiert hat.
Im Tor ist es einfach – oder auch kompliziert: Klaus, unser ehemaliger dritter Keeper, steht im Kasten und macht seine Sache hervorragend. Raab, der bisherige Nummer zwei, ist verletzt und wird mit anderen Clubs in Verbindung gebracht. Hannover 96 holte inzwischen Leretz, Schweizer Nationaltorwart. Unser eigentlicher Stammtorwart Rönnow hat wegen Verletzungen fast die ganze Vorbereitung verpasst. Ob er in den verbleibenden Wochen fit wird, ist ungewiss. Aktuell steht Klaus im Tor – und das ist keine Schwächung.
In der Viererkette wurde viel experimentiert. Aktuell ist die Formation Juranovic – M. Friedrich – van den Bosch – Köhn favorisiert, aber das kann sich noch ändern. Die zweite Reihe mit Trimmel – Querfeld – Nsoki – Rothe ist nah dran. Ogbemudia wird regelmäßig eingesetzt und macht seine Sache ordentlich. Mit neun Spielern für vier Positionen sind wir quantitativ gut aufgestellt. Ob wir eine stabile Abwehr werden, zeigt sich erst gegen richtige Gegner.
Im Mittelfeld spielen zwei defensiv orientierte zentrale Mittelfeldspieler und zwei offensive Halbräume (rechts und links). Bei Bedarf kommen die Spieler über die Flügel oder ziehen nach innen, um das Spiel zu lenken. Khedira (Tunesien) hat einen Teil der Vorbereitung verpasst. Wenn er wieder fit ist, ist sein Stammplatz sicher, aber das ist nicht garantiert, da er mit Borussia Mönchengladbach in Verbindung gebracht wird. Das defensive Duo bildeten oft Schäfer und Kemlein, Haberer wurde als zu leicht eingestuft. Khedira, Schäfer und Kemlein kämpfen um die zwei Plätze, da Khedira Trainingsrückstand hat, dürften Schäfer und Kemlein am ersten Spieltag starten.
Auf den offensiven Halbpositionen spielen meist Ansah (rechts) und Burcu (links). Beide verfügen über Technik und Übersicht, sind für diese Positionen geeignet. Was ihnen noch fehlt, ist Durchsetzungsvermögen in der Bundesliga. Dahinter lauert das 16-jährige Talent Güther, der rechts und links spielen kann. Jeong und Skov sind weitere Kandidaten, bringen eigentlich alle Voraussetzungen mit, konnten den Trainer aber bisher noch nicht überzeugen. Qualität und Quantität passen, wenn man davon ausgeht, dass Güther, Skov und Jeong sich im Laufe der Saison noch steigern.
Im Sturm gibt es Probleme: Eigentlich überzeugt nur Ilic. Er hat Angebote, bleibt aber noch. Er kämpft und bereitet mehr vor als er selbst trifft. An seiner Seite spielte meist Burke, dessen Leistungen aber enttäuschend sind. Bedia wurde verkauft. Skarke und Ljubicic kamen ab und zu zum Einsatz, zeigten aber keine Bundesliga-taugliche Leistung. Dahinter sind Talente wie Gray, Bogdanovic und Engel aus der U19. Ich vermute, Lustrinelli wird zunehmend auf diese Talente setzen, da sie jetzt schon genauso effektiv spielen wie Burke, Skarke und Ljubicic, aber mit mehr Entwicklungspotenzial.
Hier ist klar, dass Union vorne dringend treffsichere Stürmer braucht – im Plural. Manager Heldt ist seit Sommer 2024 bei Union. In dieser Zeit holte er Skarke, Burke und Ljubicic, kann sie aber nicht loswerden und darf deswegen wohl keine neuen Stürmer verpflichten. Sein Experiment mit Prtajin scheiterte. Bedia und Jordan fielen nicht in Heldts Zeit. Wann gelingt es Union wieder, einen guten, treffsicheren Stürmer zu verpflichten? Die letzten Flops reichen für zehn Jahre. Hoffen wir, dass eines unserer Talente den Durchbruch schafft. In unserer U19 spielt mit Matjani ein neuer Mittelstürmer, albanischer U17-Nationalspieler mit 1,89 m Größe, der bislang regelmäßig trifft. Daumen drücken! Eisern.
Unionfux: Als alter Ostler ist uns das Motto „Haben ist besser als brauchen“ in Fleisch und Blut übergegangen. Jedes Jahr wird man nervös, wenn zum Trainingsauftakt der Kader noch nicht steht, Spieler ohne Perspektive noch nicht abgegeben wurden, hochinteressante Neuzugänge fehlen, insbesondere eine ausgewogene Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern.
Schon zwei Wochen nach Trainingsstart kommt aus der Fangemeinde Panik auf: Sind die Verantwortlichen von Union denn verrückt? Wo bleiben die neuen Stars?
Zum einen sollte man keine Wunder erwarten. Für 20-jährige Spieler werden oft 50 bis 60 Millionen Euro verlangt, da haben wir kaum Chancen auf diesem verrückten Markt, weil uns das Geld fehlt. Wir sind froh, überhaupt Ablösesummen für abwanderungswillige Spieler zu bekommen – gerade mal eine Million für Benes (der 3 Millionen kostete) und Ablösefreiheit bei Doekhi und Leite sprechen Bände. Fallen uns noch Spieler ein, die mehr einbringen könnten? Momentan nicht. Ablösesummen von 5 Millionen sind für uns schwer darstellbar – ganz zu schweigen von den 70 Millionen, die Freiburg für Manzambi bekommt.
Zusätzlich ist das Transferkarussell kaum in Schwung, kaum erste Liga-Vereine sind weit fortgeschritten, wenig spektakuläre Neuzugänge. Bei Hertha wurden viele Spieler abgegeben, inklusive Reese, aber noch kein Neuer verpflichtet. Das verzögert sich durch die WM, die erst Ende August beginnt, kurz vor Schließung des Transferfensters am 1. September um 18 Uhr.
Es bleiben mehr als sechs Wochen Zeit, es wird sich noch einiges tun, auch bei uns. Ein Dominoeffekt ist unabdingbar für Dynamik, vor allem bei begrenzten finanziellen Mitteln.
Es dürfte am Ende viele enttäuschte Fans geben – wieder einmal. Das ist die Realität. Aber man sollte nicht vergessen, dass letzte große Namen bei uns nicht unbedingt Glück brachten.
Die Herausforderung ist, das Beste aus dem vorhandenen Kader herauszuholen und Spieler für die Zukunft interessant zu machen. Lustrinelli kann das, auch wenn es schwierig wird. Es wird eine lange Saison mit vielen Aufgaben.
Einige Spieler wie Stanley Nsoki sind zwar verpflichtet, sind aber noch verletzt. Die Verletztenliste wird länger, und Zweifel an ihrer Fähigkeit zur Hilfe wachsen.
Geduld und eine Portion Optimismus sind gefragt, darin sind die Unioner geübt. Hoffen wir, dass Heldt ein glücklicheres Händchen bei der Suche nach einem spielstarken Mittelfeldspieler hat. Der Kaderplaner hat auf jeden Fall noch Luft nach oben.
Außerdem wäre es hilfreich, wenn einige der bereits vorhandenen Spieler endlich ihre Leistung abrufen würden – dann hätten wir quasi schon einige Neuzugänge.
Die ersten vier Spieltage sind fix: zwei Samstags-Spiele um 15:30 Uhr (gegen Frankfurt und in Leverkusen), dann zwei Freitagabend-Spiele um 20:30 Uhr (gegen Schalke und bei Bayern). Ein knackiger Auftakt, aber die Bundesliga ist immer schwer. Die fast schon gewohnte Tradition bleibt erhalten: Auftakt und letztes Spiel zuhause. Alles gut.
Unionfux: Der FC Carl Zeiss Jena ist in unserer Geschichte präsent – zum Beispiel durch den überraschenden Sieg gegen den frischgebackenen Meister Jena im FDGB-Pokalfinale 1968, unserem einzigen ernsthaften Titel. Der neue Trainer von Jena, Marco Grote, war früher U19-Trainer bei Union und auch kurzzeitig Interimstrainer mit Happy End vor zwei Jahren. Die letzten Pflichtspiele gegeneinander fanden 2018 im DFB-Pokal statt, das letzte Ligaspiel 2009. Seitdem trennten sich unsere sportlichen Wege, inzwischen liegen mehrere Klassen zwischen uns.
In der neuen Saison will Jena erneut den Aufstieg aus der Regionalliga schaffen, was bei vielen Konkurrenten schwierig wird. Ihr erstes Punktspiel ist in zwei Wochen gegen den FSV Zwickau.
Zum Saisonauftakt vor etwa 7.000 Zuschauern (davon 1.000 Unioner) verloren wir verdient mit 0:2 gegen den Viertligisten. Nach einem frühen Gegentor durch Löder fanden wir keine passende Antwort. Nach der Pause wurde durchgewechselt, einige Nachwuchsspieler kamen zum Einsatz. Das Spiel wurde engagierter, aber weitere Chancen zum Ausgleich wurden nicht genutzt. Kurz vor Schluss kassierten wir das zweite Tor durch Lankford.
Nach einer enttäuschenden 1:1-Partie am Donnerstag gegen Chemnitz stellt sich die Frage: Was ist von Union zu halten? Die Vorbereitung hat gerade begonnen, Freundschaftsspiele sind sportlich meist mäßig relevant, der Trainer sammelt Informationen, die der Laie nicht erkennt. Zum Glück spielen wir nicht in der Regionalliga.
Trotzdem ist das Ergebnis blamabel für einen Bundesligisten und schwer schönzureden. Jena dagegen hat einen gelungenen Saisonstart.
Ob wir die Probleme vergangener Jahre weiterhin mit uns tragen, wird sich zeigen. In sechs Wochen steht das Pokalspiel in Braunschweig an. Genug Zeit bleibt nicht, wie man denkt.
Lustrinelli hat keinen besseren Kader als Baumgart und kann in kurzer Zeit keinen besseren Fußball beibringen oder eine funktionierende Taktik implementieren. Er wird registrieren, was von einzelnen Spielern zu erwarten ist – und viele werden dabei kaum Pluspunkte sammeln.
Am Wochenende stehen zwei Spiele in der Schweiz gegen Winterthur und Aarau an. Dort sollte Wiedergutmachung betrieben werden.
Es ist zwar noch früh, um in Panik zu verfallen, aber es wäre wünschenswert, wenn Heldt an geeignetem Personal arbeitet, um den Kader zu optimieren und Spieler mit Perspektiven zu verpflichten. Auch sollte Lustrinelli die Mannschaft motivieren, aus der Komfortzone auszubrechen und Spieler finden, die er für seinen Fußball braucht. Nur so kann die Spielzeit entspannter werden als die letzten drei.
Andrik Markgraf hat sich gegen Chemnitz leider einen Kreuzbandriss zugezogen – eine schwere Verletzung, vor der Winterpause kaum einsatzfähig und nächste Saison wenig Spielpraxis möglich. Gute Besserung!
Zu ehemaligen Unionern: Danilho Doekhi soll bald bei Lazio Rom unterschreiben, Michael Gspurning ist neuer Torwarttrainer bei Nottingham Forest und Robin Gosens wird bei AC Florenz aussortiert und träumt von Schalke – ein Kulturschock nach der Toskana ist vorprogrammiert.
Icke: Union bestritt sein drittes Testspiel beim Chemnitzer FC, 1:1. Die Gegner werden stärker, das System von Lustrinelli bleibt konstant: Viererkette hinten, davor zwei defensiv ausgerichtete zentrale Mittelfeldspieler, auf den Flügeln offensive Halbspieler. Auch A-Jugend-Spieler (Vulin, Engel) erhalten Einsatzzeit. Der 16-jährige Güther ist dabei längst gesetzt.
Für das linke Mittelfeld ist Kastriot Imeri aus der Schweiz im Gespräch, den Lustrinelli aus Thun gut kennt. Imeri hat ein Länderspiel für die Schweiz, ist 25 Jahre alt und 1,78 m groß. Die Verpflichtung wäre interessant, allerdings sind bisher Erfahrungen mit Schweiz-Importen bei Union nicht überzeugend.
Torwart Schenk aus Münster wird ebenfalls gehandelt, was aus meiner Sicht wenig Sinn macht, da wir mit Rönnow, Klaus und Raab gut aufgestellt sind. Nachwuchskeeper Wisbereit ist noch ohne Verein und ebenfalls ein Talent.
Matthias L. Stauch verhandelt parallel mit Lichtenberg 47, wo die Frauenmannschaft während der Stadion-Bauarbeiten spielen soll. Union prüft die Möglichkeiten. Andere Optionen sind weiter entfernt.
Nächste Testspiele: 12.7. in Jena, danach Winterthur und Aarau, dann am 1.8. gegen Dynamo Dresden und am 2.8. gegen Cagliari Calcio. Die Zeit, eine Stammformation zu finden, wird knapp. Eisern.
Unionfux: Die Abschaffung der sofortigen Schiedsrichterentscheidung beim Abseits, die künftig vom Regierungschef bestätigt werden müsste, ist ein Präzedenzfall. Hätte Friedrich Merz beim Spiel gegen Paraguay rechtzeitig interveniert, wären wir vielleicht nicht ausgeschieden. Infantino ist für jedes Argument offen – Korruption wie nie zuvor ist allgegenwärtig.
Das Ganze ist fast eine logische Konsequenz, denn der zukünftige Bundestrainer spricht von „unserem Spiel“ und nicht „ihrem Spiel“. Fußball ist längst nicht mehr nur Sport, sondern ein Riesengeschäft mit fragwürdigen Interessen, bei dem Spieler sich mehr aufs Reklamieren als aufs Spielen konzentrieren. Werte wie Fairness sind längst verloren, stattdessen spielen bunte Statements eine größere Rolle als Anstand.
Balogun kann spielen, aber der Fußball ist längst ein Zirkus mit Fehlentscheidungen, Pyrotechnik und politischen Deutungen. Wir sind zwar nicht Opfer, aber Teilnehmer und Mitverursacher. Präzedenzfälle wie die zurückgenommene rote Karte sind symptomatisch für die zunehmende Verunsicherung im Fußball.
Infantino und Trump sind demokratisch legitimiert, also wird alles akzeptiert. Wir beobachten das bunte, aber zugleich idiotische Treiben in der Bundesliga und Premier League, während Spieler wie Nathaniel Brown für 55 Millionen Euro wechseln. Die Qualität der Spieler ist fraglich, und das Spiel wird zunehmend zum Zirkus.
Am Ende sind viele Entscheidungen diskutabel – eine gelb-rote Karte ist heute nicht mehr eindeutig. Der Zeigefinger des Stars entscheidet oft über die Bewertung. Fußball ist mehr Show als Sport. Eisern.
Icke: Am 22. Juni 2026 gab der 1. FC Union die Nachwuchstrainerteams bekannt, darunter Chris Reher für die U14. Reher war acht Jahre Spieler, Kapitän und Trainer beim ehemaligen Stasi-Klub aus Hohenschönhausen. Die Zeiten von Zwangsdelegierungen sind zum Glück vorbei. Doch die Personalie wirft Fragen auf.
Wollen die über 70.000 Mitglieder einen Trainer, der die meiste Zeit seiner Karriere beim Verein verbrachte, der Union und das Land unterdrückte, Talente abwarb und Unioner einsperrte? Wie will man das Kindern und Eltern vermitteln? Das scheint nicht komplett durchdacht.
Ein Weinroter sieht Reher fachlich als Bereicherung, aber ist das ausreichend? Reher hat nichts Verwerfliches getan, er spielte nur beim „falschen“ Verein. Union hat sich gegen Spieler von Leipzigs Brause-Club positioniert und will keine langjährigen Spieler oder Funktionäre von dort. Viele erinnern sich an die politischen Hintergründe und Inhaftierungen unschuldiger Unioner, das darf nicht vergessen werden.
In Deutschland gibt es 24.000 Fußballvereine – warum gerade Union? Union hatte zunächst zugesagt, aber offenbar später einen Rückzieher gemacht. In Foren gab es heftige Diskussionen gegen Reher, auch Sponsoren und Eltern waren wohl nicht begeistert. Vermutlich hat der Verein erkannt, dass die Verpflichtung eines langjährigen Spielers vom ehemaligen Stasi-Klub keine gute Idee ist. Zudem will Hohenschönhausen ihn offenbar auch nicht mehr. Offiziell ist das jedoch noch nicht bestätigt.
Erfreulich war das erste Testspiel mit einem klaren 12:2 gegen Optik Rathenow. Lustrinelli ließ im 4-4-2 spielen. Die Innenverteidigung bildeten die Neuzugänge Friedrich und van den Bosch. Bester Spieler war der 16-jährige Linus Güther im offensiven rechten Mittelfeld mit zwei Toren und einer Vorlage in 45 Minuten. Güther spielte bereits neunmal für die deutsche U16 und erzielte sieben Tore – ein großes Talent bei Union. Am Sonntag folgt das nächste Testspiel gegen Grün-Weiß Lübben. Für die Profis gibt es kaum Verschnaufpause. Eisern.
Unionfux: Fußball besteht zu einem großen Teil aus Magie und Aberglauben. Es gibt Angstgegner, Heimserien, Serienmeister und Wundertrainer. Glauben ist wichtig. So glaubte man lange an Julian Nagelsmann als den jüngsten, langfristigen Bundesligatrainer mit Meisterschaft bei Bayern, der teuer von RB Leipzig verpflichtet wurde. Der Hype steigt, und Nationalspieler werden zu Nagelsmännern erklärt, ohne ihre Leistungen zu hinterfragen. Das ist ein immer wiederkehrendes Phänomen, man denke an Sandro Wagner oder Jürgen Klinsmann.
Der nächste Kandidat ist Jürgen Klopp, der große Entertainer, der Bayern und Liverpool trainierte, erfolgreich ist und als Werbeträger fungiert. Er wird als Retter gesehen, der aus dem Nichts Großes schafft – auch wenn die Realität oft anders aussieht. Es gibt gute Spieler im Team, aber auch viel Hype ohne nachhaltige Leistung. Die Nationalmannschaft schwankt zwischen Begeisterung und Enttäuschung.
Viele Fans sind schnell begeistert und resignieren ebenso schnell. Fehler wie Kimmich als Rechtsverteidiger werden nicht verstanden. Die Außendarstellung des Trainers ist oft unverständlich. Die Nationalelf ist vielen egal, auch die Weltmeisterschaft, deren Aufblähung und Kommerzialisierung kaum noch Begeisterung auslösen.
Ich finde es gut, dass Nagelsmann gehen muss, auch wenn er eine Abfindung bekommt und finanziell gut dasteht. Die nächste Hype um Klopp finde ich fragwürdig und wenig zielführend. Ich wäre eher für Sandro Wagner oder Vincent Wagner, die in kleineren Vereinen Erfolge feiern. Jeder Trainer beginnt bei Null, egal wie er heißt oder aussieht. Egal ob Lustrinelli bei Union oder Klopp bei Deutschland – Erfahrung und finanzielle Möglichkeiten entscheiden. Ich wünsche Lustrinelli viel Erfolg – er ist für uns am wichtigsten. Dieser Beitrag ist polemisch – und soll es sein. Jetzt zurück zu Union!
Unionfux: Am Wochenende starten die ersten Testspiele. Samstag geht es zum Oberligisten Optik Rathenow, bei dem Ingo Kahlisch seit Juli 1989 Trainer ist – eine beeindruckende Dauer. Das Spiel ist bereits ausverkauft. Am Sonntag geht es nach Lübben in die Landesklasse.
Trainer Lustrinelli fühlt sich nach wenigen Tagen schon heimisch. Er wird sich Gedanken über das kreative Loch im Mittelfeld machen. Laszlo Benes wird keine Lösung sein, da er gerade bei KAA Gent unterschrieb, die ihm vier Jahre Vertrag boten. Wir erhalten eine Ablöse von rund 1,1 Millionen Euro, der HSV kassierte einst drei Millionen. Benes bekam bei uns kaum Chancen.
Gibt es eine Chance für Kastriot Imeri von den Young Boys Bern? Der Schweizer Meister wurde mit Lustrinelli Meister. Bern will ihn nicht behalten, Thun zog die Kaufoption nicht. Imeri hat ein Jahr Vertrag. Lustrinelli kennt seinen technischen Wert. Unsere Erfahrungen mit Schweiz-Spielern sind gemischt. Ob er die Bundesliga packt, bleibt abzuwarten.
Stanley Nsoki bleibt, wie seit Wochen gemunkelt, fest verpflichtet. Die Hoffenheimer zahlten 1,5 Millionen Euro Ablöse, hatten aber selbst zwölf Millionen bezahlt. Nsoki absolvierte nur 14 Spiele in der letzten Saison, ohne immer zu überzeugen. Seine Schnelligkeit und zwei Vorlagen in Stuttgart und Freiburg fielen positiv auf. Ob er ein guter Ersatz ist, bleibt umstritten. Marvin Friedrich wirft ebenfalls Fragezeichen auf. Ohne Wunder oder Zauberer in der Defensive wird es schwer.
Wir freuen uns, dass es wieder losgeht, auch wenn Geduld und Hoffnung nötig sind. Eisern!