Union-Berlin-Blog: Alles im grünen Bereich bei Union?
Berlin – Der Union-Berlin-Blog bei TAG24 wird von drei echten Berliner Fußballenthusiasten betrieben, die Union-Fans durch und durch sind.
Die Autoren im Überblick:
Icke (Jürgen Heinemann) ist Union-Fan seit Mitte der 1970er Jahre. Beruflich ist er Betriebswirt und seit mehr als 30 Jahren im Vertrieb tätig. Er lebt mit seiner Familie in Grünheide und ist Initiator dieses Blogs.
Unionfux (Tobias Saalfeld) unterstützt Union seit über 40 Jahren. Er arbeitet freiberuflich in den Bereichen Bühne, Rundfunk und Fernsehen und schreibt auch dort hin und wieder.
Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesligaprofi (Hansa Rostock, Energie Cottbus), früherer Manager bei Union und mit 21 Länderspielen für die DDR-Junioren, ist ein echtes Eigengewächs von Union. Beecke ist Familienvater und berät im Union-Blog.
Icke: Auf den ersten Blick könnte man meinen, alles wäre hervorragend gelaufen. Der 1. FC Union siegte in der ersten Runde des DFB-Pokals 2026/27 mit 4:2 bei Eintracht Braunschweig. Vier Tore klingen erstmal gut, doch das letzte Tor fiel erst in der Schlussphase, als Braunschweig alles nach vorne warf – somit war der Sieg etwas zu hoch. Insgesamt ist der Erfolg dennoch verdient. Union zeigte mehr individuelle Klasse und war minimal fitter.
Im Tor stand Raab, davor spielte die Viererkette Juranovic, Querfeld, van den Bosch und Rothe. Im defensiven Mittelfeld begannen Khedira und Kemlein, während Jeong und Burcu offensiv agierten. Im Sturm standen Latte und Ansah. Später kamen Schäfer für Jeong, Ljubicic für Latte, Aebischer für Burcu und Trimmel ersetzte Juranovic.
Ljubicic zeigte mit seinem Einstand seine beste Leistung für uns: Er kam in der 62. Minute und erzielte binnen kurzer Zeit zwei Tore, jeweils mit Kopf und einem schnellen Rechtsschuss. Latte Lath hatte sein Debüt, zeigte erste Ansätze, vor allem mit Tempo in den freien Raum, aber mehr nicht. Van den Bosch überzeugte offensiv, auch durch sein Kopfballtor zum 1:0, defensiv allerdings zeigte er Schwächen, wie auch die anderen Abwehrspieler. Überraschend war Querfelds Startelfnominierung, war er doch in den Tests oft nicht dabei. Er spielte ordentlich, konnte aber nicht alle Lücken schließen.
Juranovic zeigte sich passsicher im Aufbau und brachte gute Standardsituationen, aus denen das erste Tor resultierte. Allerdings wurde er von den Braunschweiger Angriffen mehrfach überlaufen. Links spielte Rothe solide, sorgte für Angriffe und erzielte den 2:2-Ausgleich. Sein defensives Stellungsspiel ist jedoch noch verbesserungsfähig. Khedira und Kemlein blieben unauffällig und konnten manche Räume nicht abdecken. Jeong wirkte wie abwesend, Burcu versuchte es auf links mit Dribblings, scheiterte aber oft.
Vorn sollten Ansah und Latte für Impulse sorgen. Ansah bemühte sich, blieb aber meist glücklos – abgesehen von seiner Vorlage zum 3:2 für Ljubicic. Insgesamt spürte man weiterhin Tempo-Nachteile, vor allem in der Defensive, die nicht sattelfest wirkte. Das beherzte Zupacken fehlte, sonst wären die zwei Gegentore nicht gefallen. Die Räume für Braunschweig waren teilweise riesig – und wir sind doch Bundesligist!
Positiv fiel Raab im Tor auf, der nach seinem starken Freiburg-Spiel wieder überzeugte und eine starke Parade zeigte. Aebischer hatte wenig Ballkontakte und ist schwer zu bewerten. Trimmel stabilisierte die Defensive, vermutlich wird er gegen Frankfurt starten. Schäfer zeigte viel Einsatz. Tagessieger war jedoch Marin Ljubicic, der mit seinen schnellen Reaktionen und gutem Instinkt für Strafraumsituationen glänzte. Mit etwas Glück hätte er auch öfter treffen können.
In der kommenden Woche erwartet uns die Frankfurter Eintracht. Offensiv sehe ich kaum Sorgen, defensiv aber schon. Die Abstimmung für das Verschieben der Räume passt noch nicht. Unsere Mannschaft ist insgesamt zu langsam. Am schlimmsten aber ist, dass wir 20 Meter vor dem eigenen Tor nicht konsequent und mit vollem Körpereinsatz eingreifen. Stattdessen schauen wir manchmal zu zögerlich zu. Warum? Das muss sich dringend ändern. Eisern.
Unionfux: Die hartnäckige Lebensmittelvergiftung, die aus dem Trainingslager in Österreich zum Abbruch der Reise führte, sorgte für Spekulationen: Sind etwa die Badelatschen von Andrej Ilic schuld? Wird uns der Serbe, der oft etwas melancholisch wirkt, bald verlassen? Wahrscheinlich zieht es ihn nach England. Sicherlich wäre eine Ablöse zwischen 15 und 20 Millionen Euro möglich, doch den Verlust würde man kaum kompensieren können.
Zwar hätte Ilic mehr Tore erzielen können. In der letzten Saison war er teilweise vom Pech verfolgt, etwa in den Spielen gegen den HSV, wo er einen Elfmeter vergab und später das leere Tor verfehlte, oder gegen Mainz und Stuttgart, wo mehr Treffer möglich gewesen wären. Andererseits sind seine elf Vorlagen eine klare Ansage: Fußballerisch und mit viel Spielintelligenz hat er einiges zu bieten – ich sehe ihn sogar als möglichen Spielmacher. Zudem kämpft er vorbildlich, gewinnt die meisten Kopfballduelle in der Liga und kombiniert körperliche Präsenz mit guter Technik.
Sein Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft und seine Bedeutung für unser Spiel unbestritten. Umso erfreulicher ist seine Vertragsverlängerung. Woher sollten wir sonst so einen Spieler bekommen, wenn wir ihn brauchen? Sein Marktwert hat sich seit seiner Verpflichtung verdreifacht, er ist ein klarer Unterschiedsspieler mit steigender Tendenz.
Bis wann er unterschrieben hat, bleibt geheim – warum eigentlich? Dass sich Laufzeiten noch ändern können, weiß jeder. Die Geheimniskrämerei wirkt übertrieben und wirkt manchmal fast hysterisch. Ich bin gespannt, ob unser Verein das irgendwann ablegt.
Logisch betrachtet lief sein alter Vertrag mindestens bis 2027, der neue also wohl bis 2028 oder noch länger. Vermutlich gibt es auch eine Ausstiegsklausel ab etwa 10 Millionen Euro. Viel Spekulation, aber was bleibt uns übrig?
Das sollte unsere Freude darüber nicht trüben, dass Andrej Ilic vorerst weiter für uns spielt, eine wichtige Säule in den kommenden Aufgaben ist und Union nicht nur als Zwischenstation sieht – auch wenn man weiß, wie schnell das Geschäft sein kann. Auf viele Tore, sei es vorbereitet oder selbst erzielt, und viele gewonnene Kopfbälle! Es wäre großartig, ihn schon im Pokalspiel zu sehen; gegen Frankfurt brauchen wir ihn auf jeden Fall. Diese Gegner liegen ihm bekanntlich – darauf freue ich mich!
Unionfux: Keine große Überraschung, aber dennoch eine Freude: Michel Aebischer, 29-jähriger Schweizer Nationalspieler mit 44 Länderspielen und über 250 Einsätzen in der Super League sowie der Serie A, wird uns voraussichtlich für die nächsten drei Jahre verstärken.
Im Mittelfeld ist er flexibel einsetzbar und wird bei uns wohl als Achter agieren, eventuell auch als Sechser, auf der Zehn eher weniger. In Bologna ist er als „L’Equilibratore“ bekannt – der Ausgleicher –, da er mit hoher Passquote und Spielintelligenz Stabilität ins Spiel bringt.
Wie sehr er unser Offensivspiel verbessern wird, bleibt abzuwarten. Einen Spieler wie ihn können wir jedoch gut gebrauchen. Er ist offenbar ein Wunschspieler von Trainer Mauro Lustrinelli, der ihn genau empfohlen hat. Aebischer hat angeblich Angebote aus Italien und Deutschland ausgeschlagen, um zu uns zu kommen.
Die Ablöse an Pisa SC beträgt etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro, was angesichts der heutigen Marktpreise ein überschaubarer Deal ist, auch wenn es der Rekordeinkauf diesen Sommers bei uns ist.
Die Verpflichtung löst keine Jubelstürme aus, weil sie lange angekündigt war und nicht sonderlich spektakulär ist. Zudem haben wir mit Spielern aus der Super League und Serie A in letzter Zeit keine allzu guten Erfahrungen gemacht. Trotzdem denke ich, dass „L’Equilibratore“ wichtig wird und sich als Glücksgriff erweisen kann. Weitere Zugänge sind kaum zu erwarten, da sich auf der Abgangsseite wenig tut und wir auch nicht viel Einnahmen erzielen. Mancher Spieler wäre froh, einfach von der Gehaltsliste zu sein.
Dmytro Bogdanov wird für ein Jahr zu Energie Cottbus ausgeliehen. Das könnte eine Win-Win-Situation werden, wenn er dort genügend Spielzeit erhält und sein Talent zeigen kann – auch wenn die 2. Bundesliga bereits eine Herausforderung ist. In einem Jahr werden wir schlauer sein.
Rani Khedira bleibt bei uns. Wie ernst das Interesse von Köln und Gladbach war, bleibt unklar – in einer wackeligen Abwehr ist das sicher gut für uns. Andererseits ist die Hoffnung auf mindestens zwei Millionen Ablöse dahin, denn nächstes Jahr läuft Khediras Vertrag aus und er ist dann 33 Jahre alt. Die Optionen werden also begrenzter. Vielleicht verlängert er sogar bei uns, was mich nicht überraschen würde.
Um die derzeit eher gedämpfte Stimmung aufzuhellen, hilft nur ein überzeugender Pokalauftritt am Sonntag bei Eintracht Braunschweig. Auch wenn das schwer vorstellbar ist – und wir uns ja gegen vermeintlich kleinere Gegner gerne schwer tun – erscheint mir Lustrinellis Pflichtspieldebüt unter einem guten Stern. Ob Michel Aebischer schon mitwirkt und auf welcher Position, bleibt spannend. Eingewöhnungszeiten sind bei uns zwar Tradition, aber hier bin ich relativ optimistisch. Die Vorfreude auf Sonntag ist zwar noch zurückhaltend, aber da. Eisern!
Icke: Seit Sommer ist Mauro Lustrinelli neuer Trainer bei Union, drei Gründe sprachen für ihn: Erstens ist er ein Verfechter der Viererkette, was Union als neues System attraktiveren, moderneren Fußball verspricht. Zweitens wurde er sensationell mit dem FC Thun Schweizer Meister. Drittens arbeitete er bereits mit dem beliebten Urs Fischer zusammen. Für diese Verpflichtung war Union eine Ablösesumme von etwa einer Million Euro wert.
Lustrinelli konnte die ganze Vorbereitung mitgestalten. Die gewünschten Verstärkungen kamen kaum, im Gegenteil: Durch die Abgänge von Doekhi und Leite wurde die Defensive schwächer. Van den Bosch, M. Friedrich und Nsoki sollten das kompensieren. Doch nach den Vorbereitungsspielen wackelt die Abwehr gefährlich.
Wir kassieren zu leicht Gegentore. Nsoki ist erneut verletzt. M. Friedrich hat noch nicht die Rolle des Abwehrchefs übernommen, van den Bosch zeigt ebenfalls keine defensive Sicherheit. Querfeld und Ogbemudia scheinen bei Lustrinelli nicht erste Wahl zu sein. Juranovic zeigt eine ordentliche Frühform rechts und verdrängt wohl Trimmel von der Position. Links probiert der Trainer Rothe, der defensiv Schwächen zeigt – Köhn wirkt hier stabiler.
Nsoki ist der einzige Linksfuß unter den Innenverteidigern – eine Schwäche im Kader. Im Mittelfeld passt das defensive Verhalten noch nicht, immer wieder entstehen Lücken. In der aktuellen Phase wäre es Wahnsinn, Khedira abzugeben. Der Tausch Khedira gegen Aebischer wird kolportiert, aber Aebischer zusätzlich zu holen erscheint fraglich – so hätten wir vier defensive Mittelfeldspieler für zwei Positionen.
Der Kader bereitet vielen Fans Sorgen. Im Angriff haben wir Latte neu verpflichtet, doch er kann sich mit Ilic nicht einspielen, da Ilic noch von der Lebensmittelvergiftung genesen muss. Zudem kursieren Abgangsgerüchte um ihn. Es gelingt nicht, den Kader, der 31 Spieler umfasst, zu verkleinern. Spieler wie Haberer oder Skarke bekommen kaum Einsatzzeit – keine neue Erkenntnis. Das bosnische Talent Mahmic wird als Neuzugang für das offensive Mittelfeld gehandelt, aber auch hier gibt es viele Interessenten, darunter Eintracht Frankfurt, was unsere Chancen schmälert.
Unser Offensivspiel hat sich nur geringfügig verbessert. Ein guter offensiver Mittelfeldspieler wird noch benötigt. Burcu auf halb links zeigt Fortschritte, auch Ansah deutete Lichtblicke an. Solange er aber im Sturm aushelfen muss, fehlt er im rechten offensiven Mittelfeld, wo er am wirkungsvollsten ist.
Beim 1. FC Union läuft es aktuell noch nicht rund. Die Abwehr wackelt, Keeper Rönnow ist noch nicht voll belastbar. Das Defensivverhalten im Mittelfeld muss sich verbessern und nach vorne fehlt es an Qualität. Verletzungen, wie die von Ilic, erschweren die Vorbereitung. Die Mannschaft erarbeitet neue Laufwege und trainiert intensiv. Wann der Knoten platzt, bleibt offen – ebenso wie Veränderungen im Kader, sowohl bei Zu- als auch Abgängen.
Unser neuer Trainer wird dabei kaum optimal unterstützt. Ein neues System einzuführen, ohne den Kader anzupassen, ist unrealistisch. Auf einigen Positionen mangelt es an Schnelligkeit und Qualität. Hoffen wir auf Besserung! Eisern.
Unionfux: Die Testspiele sind endlich vorbei – zum Glück. Nur etwa 12.500 Zuschauer fanden den Weg zur Saisoneröffnung, obwohl Premier-League-Klubs traditionell viel Anziehungskraft besitzen. Ipswich Town, dieses Jahr Aufsteiger in die englische Premier League, hat im Sommer fast 130 Millionen Euro in neue Spieler investiert und ist damit stark aufgestellt.
Union ging durch eine Ecke von van den Bosch früh in Führung, doch Ipswich glich schnell aus und legte bis zur Pause zwei weitere Treffer nach. In der zweiten Halbzeit verkürzte Juranovic nach Vorarbeit von Khedira mit einem schönen Lupfer, doch Ipswich schoss erneut ein Tor und feierte vor zahlreichen Fans ausgelassen. Bei uns hielt sich die Begeisterung angesichts der neuen Bierpreise und des Spielverlaufs in Grenzen.
Das Hauptproblem ist klar: Wir kassieren zu einfach Gegentore. Die Engländer sind keine Laufkundschaft, und es ist zu hoffen, dass unsere Defensive in Pflichtspielen mehr Engagement zeigt. Doch unser Team ist aktuell zu langsam und hat Schwierigkeiten, Räume zu schließen. Bleibt Khedira vielleicht doch? Kommt Aebischer? Gibt es noch weitere Zugänge? Oder passiert nichts mehr? Warten wir ab.
Die Unsicherheit ist groß, die Euphorie nach der Verpflichtung von Lustrinelli etwas abgeklungen. Der Fußball bleibt unberechenbar – erst die kommenden Wochen werden zeigen, wie viel Substanz in unserem Spiel steckt und ob wir erfolgreicher werden können. Eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den Vorjahren ist nicht zu erwarten, aber man darf hoffen.
Es wäre gut, wenn im Transferfenster noch Bewegung käme – in beide Richtungen. Leihen könnten helfen. Sonst muss sich Horst Heldt fragen lassen, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Unser Lazarett sollte sich schnell leeren, da besonders Ilic und Rönnow schwer zu ersetzen sind.
Ich selbst verordne mir ab jetzt grenzenlosen Optimismus und versuche, Frustration und negative Gedanken zu vermeiden. Die Vorfreude ist zwar noch leise, aber da – immerhin. Eisern.
Icke: Die Vorbereitungsphase ist vorbei, die Generalprobe steht an: Am Samstag empfangen wir Ipswich Town, einen traditionsreichen englischen Aufsteiger mit großer Qualität und leidenschaftlichen Fans. Acht Tage später folgt das Pokalspiel in Braunschweig, dann der Bundesligaauftakt gegen Eintracht Frankfurt An der Alten Försterei.
Ipswich bringt einen Marktwert von rund 280 Millionen Euro mit, unser Kader ist mit etwa 120 Millionen deutlich günstiger. Die Abgänge von Leite und Doekhi wirken sich hier aus. Ipswich setzt auf Flügelspiel mit Topspielern wie Fatawu, Philogene und Clarke, alle mit etwa 20 Millionen Marktwert. Auch ihr linker Verteidiger Leif Davies ist mit 20 Millionen ein Spieler, den wir im Auge behalten sollten. Das Team ist eingespielt, spielt gerne Ballbesitz, kann aber auch schnell umschalten. Ihr Trainer legt Wert auf klare Strukturen, sodass wir kaum große Lücken finden werden.
Ipswich und wir spielen beide im 4-2-3-1, mit dynamischen Außenverteidigern und aggressivem Gegenpressing. Im defensiven Mittelfeld sticht Matusiwa heraus, vergleichbar mit Andrich. Die Innenverteidigung mit Greaves und O’Shea ist robust und zweikampfstark.
Anders als bei einigen merkwürdigen Tests bei uns wird dieses Spiel ein echter Gradmesser, auch für unsere Mentalität. Das anschließende Pokalspiel in Braunschweig wird kein Spaziergang, auch wenn sie mit einem 6:1 in Magdeburg ihre Frühform unter Beweis gestellt haben. Ihr Trainer Sander macht einen guten Job.
Das dritte Highlight wird dann das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt sein – alles Spiele mit großem Druck und hohem Puls. Wir hoffen sehr, dass unsere Mannschaft positiv überrascht. Aufgrund der bisher ruhigen Transferphase, abgesehen von der Leihe von Latte Lath, muss man realistisch bleiben. Hoffentlich zaubert Lustrinelli. Eisern.
Unionfux: Das Trainingslager in Österreich 2026 ist Geschichte. Im vorletzten Testspiel gelang endlich ein Sieg: In Salzburg besiegten wir den zypriotischen Erstligisten Aris Limassol mit 3:2. Kein spektakuläres Ergebnis, aber erfreulich vor dem Hintergrund der bisherigen Testspielserie. Die Tore erzielten die Neuzugänge Latte Lath (glücklicherweise ohne ernsthafte Verletzung), van den Bosch (nach einer Ecke) und Kemlein per Foulelfmeter.
Die Tore fielen in der regulären Spielzeit, die Verlängerung blieb torlos. Die Fans fragen sich nun, wie gut Union für die Bundesligasaison gerüstet ist. Während Trainer Lustrinelli weitere Zugänge angekündigt hatte, äußerte der Präsident im Interview, dass aktuell niemand mehr benötigt werde und dass er auch nicht kontaktiert worden sei. Das ist verwirrend.
Optimismus ist zwar gut, aber die spielgestalterischen Defizite, insbesondere im Mittelfeld, sind seit langem offensichtlich. Wir alle vertrauen auf Lustrinellis Fähigkeiten, doch er sollte auch die nötigen Mittel erhalten. Oder hängt die Qualität nur vom Trainer ab und nicht vom Kader?
Die Abgabeseite ist bisher gering. Der Kicker berichtete, dass wir für Bedia nur 700.000 Euro erhalten haben – hoffentlich ist das eine Fehleinschätzung, denn das wäre ein Verlustgeschäft. Die Informationspolitik bei Union ist traditionell sehr zurückhaltend. So werden Vertragsverlängerungen zwar bekannt gegeben, Laufzeiten aber nicht kommuniziert – das führt zu Spekulationen.
Derzeit gibt es nur Gerüchte über Michel Aebischer, Nationalspieler aus der Schweiz und WM-Teilnehmer, der mit über 250 Einsätzen in der Schweiz und Italien Erfahrung mitbringt und wohl zu uns wechselt. Er ist eher ein defensiver Mittelfeldspieler, aber könnte eine Verstärkung sein, hoffentlich ohne dass Khedira dadurch geht. Die Ablöse von ca. 3 Millionen Euro an Pisa SC scheint angemessen zu sein.
Ob noch Zugänge oder Abgänge in größerem Umfang erfolgen, bleibt abzuwarten. Dmytro Bogdanov wird für ein Jahr zu Energie Cottbus ausgeliehen, was eine Chance sein könnte, wenn er ausreichend Spielzeit bekommt. Rani Khedira bleibt, obwohl es Interesse aus Köln und Gladbach gab, was für unsere Defensivstabilität wichtig ist. Seine Ablösewünsche dürften aber höher als möglich sein.
Um die etwas nüchterne Stimmung zu verbessern, braucht es erstmal einen souveränen Pokalauftritt gegen Braunschweig. Ob Aebischer schon dabei ist, wird spannend. Die Vorfreude wächst langsam. Eisern!
Icke: Am Montag beginnt das Trainingslager in Österreich beim ATV Irdning. Nach einigen Tagen Feinschliff spielen wir am 9. August ein Testspiel in Salzburg gegen Aris Limassol, danach am 15. August den letzten Härtetest gegen Ipswich Town in Köpenick.
Am 23. August startet die neue Saison mit dem Pokalspiel in Braunschweig. Die Bundesliga beginnt am 29. August mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.
Trainer und Manager kündigten weitere Verstärkungen an. Bislang geschah vieles auf den letzten Drücker. Zum Glück kann der neue Stürmer Latte Lath einen Großteil der Vorbereitung mitmachen. Wenn er richtig eingebunden wird, kann er seine Stärken ausspielen: Tore erzielen!
Nach dem Auftaktspiel geht es am 5. September zu Bayer Leverkusen, die sich mit mehreren Spielern verstärkt haben. Am 11. September empfangen wir Schalke, die immer für Stimmung sorgen. Am 18. September folgt das Auswärtsspiel bei Bayern München – ein echter Belastungstest für unsere Defensive. Ein langsames Ankommen in der Bundesliga ist nicht möglich, denn mit Frankfurt, Leverkusen und Bayern warten gleich drei schwere Gegner in den ersten Spielen.
Wir hoffen auf einen guten Start, der aufgrund der späten Verstärkungen noch holprig werden kann. Ich rechne damit, dass wir erst Mitte bis Ende September unser Leistungsniveau erreichen. Eisern!
Unionfux: Die Freundschafts- und Testspiele diesen Sommers waren für uns kein Ruhmesblatt. Nach Auftaktsiegen gegen Oberligisten wie Rathenow und Grün-Weiß Lübben konnten wir gegen Regionalligisten und Schweizer Zweitligisten nicht gewinnen. Die Vielzahl der Spiele wirkt fragwürdig. Lustrinelli versucht dennoch, das Beste daraus zu machen.
Letzten Samstag waren wir in Dresden zu Gast, wohl als Teil der Ablöse für Bogdanov. Wir gingen in Führung, mussten aber schnell den Ausgleich hinnehmen. Die erste Hälfte war ordentlich, die zweite begann mit einem Gegentor. Das Spiel wurde zerfahrener und endete 1:2 vor etwa 25.000 Zuschauern. Dresden ist fit, da sie den Ligabetrieb schon wieder aufgenommen haben, trotzdem konnten wir keinen Klassenunterschied erzielen – gemischte Gefühle.
Am Sonntag empfingen wir Cagliari Calcio aus der Serie A vor knapp 9.000 Zuschauern – deutlich weniger als vor einem Jahr gegen Espanyol Barcelona. Der hohe Eintrittspreis oder fehlende Euphorie könnten Gründe sein. Ipswich Town wird in zwei Wochen sicher mehr Zuschauer anlocken.
Das Spiel begann ruhig, Chancen gab es auf beiden Seiten. Cagliari ging in Führung und baute diese aus, doch kurz vor Schluss traf Ansah per Kopf zum Anschluss und Ausgleich. In der Nachspielzeit hatten beide Teams noch Chancen, konnten diese aber nicht nutzen. Insgesamt weder gut noch schlecht. Die Mannschaft entwickelt sich, braucht aber Zeit und wohl auch neues Personal.
Im Trainingslager ist Emmanuel Latte Lath dabei. Der ivorische Stürmer wird von Atlanta United ausgeliehen, mit Kaufoption. Er kostete die Amerikaner vor 1,5 Jahren über 20 Millionen Euro. Latte hat in der Schweiz und England seine Treffsicherheit bewiesen, wurde bei Atalanta ausgebildet – eine gute Adresse. Seine Technik und Geschwindigkeit machen ihn vielversprechend.
Burnley und Middlesbrough waren an ihm interessiert, konnten ihn aber wegen Visa-Problemen nicht verpflichten, gut für uns. Die Leihgebühr entfällt wohl, aber wir zahlen sein hohes Gehalt von etwa 2,8 Millionen Euro. Für Atlanta spart das Gehalt und schafft Platz für einen Designated Player, womöglich Romelu Lukaku – ein großer Name.
Weitere Neuzugänge, insbesondere ein Spielmacher, sind dringend notwendig. Trainer Lustrinelli hat den Wunsch, diesen zu bekommen, und Aebischer wurde als Transferziel gehandelt.
Icke: Emmanuel Latte Lath (27) ist Mittelstürmer mit vier Länderspielen für die Elfenbeinküste. In Italien bei Atalanta aufgewachsen, war er häufig verliehen. Seine beste Saison spielte er 22/23 bei FC St. Gallen mit 16 Toren und 4 Vorlagen. Middlesbrough kaufte ihn für 7,1 Mio. Euro, er erzielte dort 18 Tore in der ersten Saison. Danach verpflichtete ihn Atlanta United für stolze 21,25 Mio. Dollar.
In der MLS erreichte Latte nicht die Topform, traf nur 7-mal in 30 Spielen, aktuell hat er 3 Tore in 16 Spielen. Sein Vertrag läuft bis 2028, mit einer Option von einem Jahr für Atlanta. Wahrscheinlich wird er ausgeliehen mit Kaufoption kommen.
Er ist 1,76 Meter groß, kein typischer Kopfballspieler, aber trotzdem stark im Luftkampf durch sein gutes Sprungvermögen, vergleichbar mit Karl-Heinz Riedle. Er spielt einfache, direkte Bälle und zeichnet sich durch einen starken Antritt aus, der ihm viele Zweikämpfe sichert.
Latte ist kein Vorbereiter wie Ilic, sondern eher Torabschluss-Spezialist. Die Kombination der beiden im Sturm könnte sehr gut funktionieren: Latte mit Dynamik und Abschlussstärke, Ilic mit Robustheit und Vorlagenqualität.
Ein Problem bleibt sein hohes Gehalt von etwa 3,74 Millionen Dollar. Wie das finanziert wird, ist unklar. Entweder lässt Latte Gehaltseinbußen zu oder Atlanta trägt einen Teil. Andere Clubs trauen sich dieses Risiko kaum. Latte ist eine Wundertüte: fühlt er sich wohl, trifft er – fühlt er sich nicht wohl, blockiert er. Wir sollten ihm diesen Wohlfühlfaktor geben, dann stehen die Chancen gut.
Alternativ könnte es auch Futkeu aus Frankfurt sein oder Ducksch, letzterer wäre eine günstigere Variante, der für uns noch sehr wertvoll sein könnte. Skov und Burke werden wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen, hinter den Top-Stürmern sollten Talente wie Bogdanovic und Gray Einsatzzeiten erhalten. Es ist Zeit, dass Union aktiver auf dem Transfermarkt wird.
Zudem sucht Gladbach einen zentralen Mittelfeldspieler. Falls dieser kommt, hätte Neuhaus kaum Chancen bei uns, obwohl er nur noch ein Jahr Vertrag hat. Für die Innenverteidigung wäre ein linker Fuß wie Kevin Schlotterbeck ideal, gerade wenn Querfeld noch geht. Auch Uduokhai wäre eine Option, ein unterschätzter Spieler mit starken Bundesliga-Leistungen. Zum Thema Khedira gibt es weiterhin Spekulationen über Interesse aus Mainz, Gladbach, New York, Trabzonspor und Besiktas. Ein Khedira-Wechsel würde Neuhaus noch sinnvoller machen. Dann hätten wir mit Kemlein, Schäfer und Neuhaus drei spielstarke Mittelfeldspieler für zwei Positionen. Talente wie Blaszczak und Sliskovic rücken näher an die Profimannschaft. Mal sehen, ob sich bei uns noch etwas tut. Eisern.
Unionfux: Im Weltfußball sorgt Gianni Infantino, der umstrittene FIFA-Präsident, zunehmend für Aufsehen. Sein Plan, die WM und weitere Turniere an Investoren zu verkaufen, stößt auf massiven Widerstand. FIFA zählt 211 Verbände, jeder hat eine Stimme – ein demokratisches Prinzip, das Infantino ausnutzt, indem er vor allem kleinere Verbände mit großzügigen Zahlungen auf seine Seite zieht. So ist es kaum möglich, gegen ihn Mehrheiten zu bilden.
Infantino beherrscht den Fußball nach eigenem Gutdünken: Er möchte die WM aufblähen, kann rote Karten zurücknehmen, Sommerturniere in Wüstenstaaten vergeben und pausen verlängern – wer kann ihn stoppen? Seine Macht ist kaum vergleichbar, man dachte, Sepp Blatter sei unübertrefflich.
Auch seine Nähe zu politischen Größen wie dem 47. US-Präsidenten unterstreicht seine Machtposition. Die UEFA und andere Kontinentalverbände haben genug und drohen mit Boykott aller FIFA-Turniere. Ohne Europa wäre eine WM kaum attraktiv.
Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Infantino stürzt, ist dies ein klares Warnsignal. Die UEFA unter Präsident Ceferin reagiert sofort, trotz eigener Probleme mit der Kommerzialisierung des Fußballs. Profifußball wird zunehmend von Investoren geprägt, deren Einfluss die Identität von Vereinen verändert. PSG, City oder RB Leipzig sind Beispiele dessen.
Infantinos Vorstoß ist nur konsequent, vielleicht unausweichlich. Trotzdem sollte man Widerstand leisten, um den Ausverkauf des Fußballs einzudämmen. Wie sich diese Auseinandersetzung entwickeln wird, bleibt spannend – es geht um mehr als nur die WM. Fällt dieses System, könnten Ideen wie eine Superliga wieder realistisch werden. Man sollte den Anfängen wehren, zumindest aber den schlimmen Folgen. Eisern.
Unionfux: Halbjährlich veröffentlicht der Kicker seine Ranglisten. In der aktuellen Sommerliste fehlen drei Vereine: St. Pauli, Wolfsburg (beide abgestiegen) und Union. Im Winter waren wir noch dreimal vertreten: Doekhi (Innenverteidigung), Khedira (defensives Mittelfeld) und Ansah (offensive Außenbahn). Die einzigen erwähnten Union-Spieler sind inzwischen Ex-Profis: Ryerson (BVB) und Leweling (Stuttgart), den wir verliehen und verkauft haben.
Natürlich sind solche Listen nur Meinungen eines Fachmagazins und wenig aussagekräftig. Dass wir trotzdem nur Platz elf belegen, spiegelt unsere durchwachsene Rückrunde wider, die auch die letzten beiden guten Spiele nicht mehr entscheidend verbessern konnten. Kein Spieler überzeugte dauerhaft, vielleicht gelegentlich mal in einzelnen Spielen, aber nicht konstant.
Danilho Doekhi wechselte ablösefrei zu Lazio Rom, was auch an seinem Vertragsende lag. Es gelingt uns kaum, Spieler für die Gehaltsliste loszuwerden, da viele zu blass oder verletzungsanfällig sind und keine Gehaltskürzungen akzeptieren. Es gibt aber Spekulationen um Aljoscha Kemlein, für den AS Rom angeblich bereit ist, 15 Millionen Euro zu zahlen, was jedoch fraglich bleibt.
Langfristig ist es problematisch, kaum Einnahmen aus Transfers zu generieren und gleichzeitig mit einem durchschnittlichen Kader in der Bundesliga zu bestehen. Aktuell setzen wir auf die Hoffnung, dass einige Spieler ihr Potential endlich besser ausschöpfen, etwa Burke, Ilic, Schäfer, Querfeld und Ansah.
Qualitative Verstärkungen sind bisher nicht erkennbar, auch Gerüchte fehlen. Dabei wären sie wichtig, um Lustrinelli mehr Optionen zu geben. Ein größerer Umbruch vor dem Trainingslager ist wohl nicht mehr zu erwarten. Die Schwierigkeit besteht darin, talentierte, aber kostengünstige Spieler zu überzeugen, bei einem teuren, angespannten Markt. Leihgeschäfte könnten eine Lösung sein, sind aber oft kurzfristig.
Gelingt keine entscheidende Verstärkung, droht nicht nur ein weiterer Ausfall in der Rangliste, sondern auch eine weitere schwierige Saison ohne Erfolgsgarantie. Es wäre fahrlässig, weiter wenig zu ändern und die Bundesliga zu riskieren, auch wenn die Herausforderungen groß sind. Die Verantwortlichen sind sich dessen sicher, doch die Nervosität steigt täglich.
Immerhin gibt es einen quasi-Neuzugang: Der ehemalige Stammtorwart von 1. FC Saarbrücken, Phillip Menzel, unterstützt uns als Gastspieler, solange Rönnow und Raab ausfallen, wird aber langfristig wohl nicht bleiben.
Icke: Die Spieler des 1. FC Union genießen aktuell eine kurze Auszeit. Auf der Transferseite tut sich wenig. Spieler mit geringen Einsatzchancen finden kaum neue Vereine. Die jüngsten Testspiele beflügeln die Euphorie nicht. Worüber soll sich der Union-Fan freuen?
Es ist schwer. Während ein Zweitligist wie Wolfsburg uns einen Spieler vor der Nase wegschnappt, suchen wir vor allem Stürmer. Die Auswahl ist dünn, die bezahlbaren Stürmer sind fast alle vergeben. Aktuell gibt es kaum noch ablösefreie Stürmer, vielleicht ist der Spanier Aranda die einzige Option, der sofort weiterhelfen könnte, sofern man die Ü30-Spieler außen vor lässt. Wahrscheinlich müssen wir für neue Stürmer eine Ablöse zahlen.
Dinkci ist ebenfalls im Gespräch, auch er kostet Ablöse und hat mit 14 Toren in 103 Bundesligaspielen eine bescheidene Bilanz. Zudem sind Zweifel an seiner Treffsicherheit angebracht. Wahrscheinlich müssen wir uns an teurere Spieler wie Futkeu (Frankfurt) heranwagen, der bei vier Bundesligisten Begehrlichkeiten weckt. Er ist womöglich noch teurer als Dinkci. Ohne Risiko wird es diesen Sommer nicht gehen.
Alternativ bliebe nur, mit dem vorhandenen Sturm in die Saison zu gehen und auf ein Wunder zu hoffen. Die alte Regel, dass es zum Schluss Schnäppchen gibt, scheint derzeit außer Kraft. Der Markt ist verrückt, je länger wir warten, desto kleiner werden unsere Chancen. Eisern.
Unionfux: Die Kapitänsrolle im Fußball wird oft überschätzt. Zwar ist der Kapitän das Sprachrohr der Mannschaft, darf sich beim Schiedsrichter beschweren und sollte Vorbild sein, doch letztlich ist er nur „primus inter pares“ – der Erste unter Gleichen.
Geeignete Kapitäne sind meist erfahrene, intelligent agierende Spieler mit Führungsqualitäten, zumeist Feldspieler. Manchmal wird der Kapitän demokratisch von der Mannschaft gewählt, manchmal vom Trainer bestimmt – beides hat Vor- und Nachteile.
Trainer Mauro Lustrinelli hat bestätigt, dass Christopher Trimmel – der langjährige Kapitän – auch in der kommenden Saison die Binde trägt, mit Rani Khedira als Stellvertreter. Auch wenn Trimmels Spielzeit in der kommenden Saison wegen seines Alters geringer werden könnte, ist das eine ausgezeichnete Entscheidung. Trimmel kennt den Verein wie kein anderer und lebt seine Werte authentisch. Er ist zudem ein großer Gewinn in der Außendarstellung, spricht klar und ohne leeres Gerede. Seine Standards sind weiterhin die besten bei uns, und seine kämpferischen Einsätze legendär. Ich bin sicher, dass er im voraussichtlich letzten Jahr seiner Spielerlaufbahn noch voll überzeugt und ein Vorbild für jüngere Spieler bleibt.
Einige würden Aljoscha Kemlein gern als Kapitän sehen, was keine schlechte Idee wäre. Doch mit knapp 22 Jahren hat er noch Zeit, sich zu entwickeln, und die zusätzliche Verantwortung wäre momentan vielleicht noch zu viel für ihn. Er steht ohnehin schon im Fokus, da er ein Eigengewächs mit beträchtlichem Potenzial ist – eine seltene Pflanze bei uns. Der letzte Eigengewächs-Kapitän war Steven Skrzybski vor acht Jahren, der uns mittlerweile verlassen hat. Aljoschas Zeit wird noch kommen. Christopher Trimmel bleibt aber weiterhin der würdige Kapitän der Mannschaft.
In dieser Woche haben die Spieler noch Urlaub, bevor in der nächsten Woche zwei Spiele anstehen: am Samstag bei Dynamo Dresden und am Sonntag zu Hause gegen Cagliari Calcio, den Vorjahresvierzehnten der Serie A. In Dresden wird wohl eine Rumpfelf zum Einsatz kommen, gegen die Italiener könnte unsere vorläufige Bestbesetzung spielen.
Anschließend geht es für eine gute Woche ins Trainingslager nach Österreich. Ich erwarte in den kommenden Wochen noch Veränderungen im Kader, damit sich die künftige Stammelf formiert. Bis zum ersten September werden wohl noch Transfers erfolgen. Viel Erholung für die Mannschaft und spannende Wochen für uns alle! Eisern.
Icke: In den bisherigen Vorbereitungsspielen setzten wir 22 Spieler zwischen 16 und 23 Jahren ein – ein klares Zeichen, dass der neue Trainer Lustrinelli den gesamten Kader kennenlernen will, auch die U19-Spieler. Doch wir sind schon in der zweiten Hälfte der Vorbereitung und der Saisonstart ist in vier Wochen. Nun gilt es, eine Stammelf mit 15-16 Spielern zu finden. Wer sich bislang hervorgetan hat, zeichnet sich ab.
Im Tor ist die Situation einfach: Klaus, vormals dritter Torwart, stand bisher sehr solide da. Raab, die bisherige Nummer zwei, ist verletzt und wird mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Hannover 96 holte inzwischen Leretz zur neuen Nummer eins. Unser eigentlicher Stammkeeper Rönnow verpasste wegen Verletzung fast die gesamte Vorbereitung. Ob er rechtzeitig fit wird, ist ungewiss. Stand jetzt ist Klaus unsere Nummer eins – und das ist keine Schwächung.
In der Viererkette wurde viel experimentiert. Aktuell favorisiert ist die Formation Juranovic – M. Friedrich – van den Bosch – Köhn. Die zweite Reihe mit Trimmel – Querfeld – Nsoki – Rothe ist aber nahe dran. Auch Ogbemudia wird regelmäßig eingesetzt und macht seine Sache gut. Mit neun Innenverteidigern für vier Positionen haben wir ausreichend Personal. Ob wir defensiv ein Bollwerk werden, zeigt sich erst gegen starke Gegner.
Im Mittelfeld spielen zwei defensive zentrale Spieler und zwei offensive Halbspieler (rechts und links). Die defensiven Plätze sind vorerst für Khedira (der WM-Teilnehmer verpasste halbe Vorbereitung), Schäfer und Kemlein reserviert. Haberer wurde zwar auch getestet, gilt aber als zu leicht. Nach Khediras Rückkehr dürften Schäfer und Kemlein am ersten Spieltag starten.
Auf den offensiven Halbpositionen sind meist Ansah (rechts) und Burcu (links) gesetzt. Beide verfügen über Technik und Übersicht, brauchen aber noch mehr Bundesligaerfahrung. Dahinter warten Jungtalente wie der 16-jährige Güther, der auf beiden Seiten spielen kann, sowie Jeong und Skov, die bislang den Trainer nicht voll überzeugten. Qualität und Quantität passen, vorausgesetzt, sich die jungen Spieler verbessern. Besonders für Güther bin ich zuversichtlich.
Im Sturm wird es eng. Bisher überzeugt einzig Ilic, der aber mit Wechselgerüchten umworben ist. Auf seiner Seite spielte meist Burke, dessen Leistungen eher enttäuschend sind. Bedia wurde verkauft. Skarke und Ljubicic bekamen wenig Einsatzzeit und überzeugten nicht. Dahinter lauern Talente wie Gray, Bogdanov und Engel. Ich glaube, Lustrinelli wird bald mehr auf die Talente setzen, die jetzt schon effektiver sind als manche Stammspieler.
Hier wird offensichtlich, wo wir uns verstärken müssen: vorne im Sturm brauchen wir treffsichere Spieler – im Plural. Manager Heldt ist seit Sommer 2024 bei Union und holte die Spieler Skarke, Burke und Ljubicic, konnte sie aber kaum verkaufen. Wahrscheinlich darf er deshalb aktuell keine neuen Stürmer verpflichten. Sein Experiment mit Prtajin scheiterte, doch Bedia und Jordan sind nicht in seine Amtszeit gefallen. Wann gelingt es endlich, einen treffsicheren Stürmer zu verpflichten? Die letzten gescheiterten Versuche reichen für Jahre. Hoffen wir, dass eines unserer Talente den Durchbruch schafft. Übrigens haben wir einen neuen Mittelstürmer in der U19, Matjani, ein albanischer U17-Nationalspieler mit beeindruckenden Torquoten und 1,89 Meter Körpergröße. Daumen drücken! Eisern.
Unionfux: Als alter Ostler kennt man das Grundprinzip: „Haben ist besser als brauchen.“ Deshalb wird man jedes Jahr nervös, wenn der Kader nicht schon zum Trainingsauftakt komplett steht, alle nicht mehr benötigten Spieler zu bestmöglichen Ablösen verkauft sind und dazu noch hochkarätige Neuzugänge präsentiert werden. Idealerweise eine Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern, ablösefrei oder spektakulär mit sensationellen Transfers.
Spätestens zwei Wochen nach Trainingsbeginn kommt dann die Panik: „Sind die bei Union alle verrückt? Wo bleiben nur die neuen Stars?“. Dabei sollte man nicht zu viel erwarten. Für Spieler um die 20 Jahre werden inzwischen schon 50-60 Millionen Euro verlangt. Wir werden mit unserem begrenzten Budget froh sein, überhaupt Gelder für abwanderungswillige Spieler zu erzielen – wie die eine Million Euro für Benes und die Ablösefreiheit von Doekhi und Leite zeigen.
Das Transferkarussell hat noch kaum Fahrt aufgenommen. Schnellere Wechsel gibt es kaum in der ersten und zweiten Bundesliga, keine Nachricht über große Neuzugänge sorgt bislang für Aufsehen. Durch die WM verzögert sich vieles, der Saisonstart ist spät und nur wenige Transfers sind bisher bekannt.
Es bleibt noch Zeit, einiges wird sich bewegen – auch bei uns. Ein Dominoeffekt auf dem Markt ist unvermeidlich, von dem wir abhängig sind, besonders wegen unserer begrenzten finanziellen Mittel.
Auch wenn die Fans am Ende wieder enttäuscht sind – das ist die Natur des Sports. Viele große Namen brachten uns zuletzt kein Glück. Die Kunst liegt darin, das Beste aus dem vorhandenen Kader herauszuholen. Ich glaube, Lustrinelli kann das, auch wenn es eine schwierige Aufgabe ist. Ich vermute, er hat schon eine Liste mit möglichen Transfers, die nun abgearbeitet wird.
Ärgerlich ist, dass Stanley Nsoki gerade verpflichtet ist, aber offenbar verletzt ausfällt, was die ohnehin lange Liste von Verletzten weiter verlängert. Geduld und vorsichtiges Hoffen sind gefragt, aber ich bin optimistisch, dass Heldt und Lustrinelli das beste aus dieser Situation machen. Eisern.