Union-Berlin-Blog: L’Equilibratore unterschreibt – Michel Aebischer wechselt zu Union
Berlin – Eisern: TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, gestaltet von drei echten Berliner Fußballfans mit Leib und Seele.
Die Verfasser:
Icke (Jürgen Heinemann) ist seit den 1970er Jahren Union-Fan und arbeitet als Betriebswirt seit mehr als 30 Jahren im Vertrieb. Er ist verheiratet, hat ein erwachsenes Kind und lebt heute in Grünheide. Als Gründer des Blogs verfasst er hier seine Beiträge.
Unionfux (Tobias Saalfeld) begleitet Union seit über 40 Jahren. Er ist freiberuflich in Theater, Radio und Fernsehen tätig und schreibt ebenso für diesen Blog.
Beecke (Christian Beeck), ehemaliger Bundesliga-Profi (für Hansa Rostock und Energie Cottbus), Ex-Manager bei Union, mit 21 Länderspielen für DDR-Junioren, stammt aus der Union-Jugend. Er ist Vater von zwei Kindern und unterstützt den Blog als Berater.
Unionfux: Zugegeben, die Verpflichtung von Michel Aebischer ist keine große Überraschung, doch dennoch ein großer Grund zur Freude. Der 29-jährige Schweizer Nationalspieler (44 Einsätze, zwei Tore) mit über 250 Spielen in der Super League, vierfacher Meister mit den Young Boys Bern, sowie Erfahrung in der Serie A, wird voraussichtlich für die kommenden drei Jahre unser Mittelfeld verstärken.
Flexibel einsetzbar im Zentrum, ist er bei uns primär als Achter vorgesehen, alternativ auch auf der Sechs, während die Zehn eher weniger in Frage kommt. In Bologna wurde Aebischer von den Fans als „L’Equilibratore“ bezeichnet – der Ausgleicher. Dank seiner hohen Passgenauigkeit und Spielintelligenz ist er ein Garant für Stabilität im Spielaufbau.
Ob unser Offensivspiel durch ihn deutlich gewinnt, bleibt abzuwarten, doch einen Spieler wie ihn können wir ohne Zweifel gut gebrauchen. Dass er auf ausdrücklichen Wunsch von Trainer Mauro Lustrinelli kommt, gilt als sicher – der Trainer hat wohl den entscheidenden Impuls gegeben und bereits eine Strategie mit ihm entwickelt. Berichten zufolge hat Aebischer dafür Angebote aus Italien und Deutschland abgelehnt.
Für eine Ablösesumme zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro zahlt Union an Pisa SC, die ihrerseits eine Kaufpflicht an Bologna überwiesen haben sollen. Angesichts der derzeitigen Marktpreise ist das ein überschaubarer Deal, auch wenn es unser teuerster Sommerneuzugang ist.
Der Transfer löst keine Riesenbegeisterung aus, zumal er lange erwartet wurde und keine spektakuläre Überraschung darstellt. Hinzu kommt, dass wir mit Spielern aus der Super League und Serie A zuletzt keine guten Erfahrungen gemacht haben. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass „L’Equilibratore“ eine wichtige Rolle für uns spielen wird und sich als Glücksgriff erweisen kann. Weitere Verstärkungen sind kaum zu erwarten, zumal auf der Abgangsseite wenig Bewegung und keine lukrativen Verkäufe zu vermelden sind. Manche Spieler wären froh, einfach nur von der Gehaltsliste zu verschwinden. Noch sind knapp zwei Wochen Zeit, aber große Hoffnungen auf weitere Transfers sollte man vielleicht nicht hegen.
Gut ist, dass Dmytro Bogdanov für ein Jahr an Energie Cottbus ausgeliehen wird. Das kann eine Win-Win-Situation sein, wenn er dort ausreichend Spielzeit erhält und sein Talent zeigt, auch wenn die 2. Liga eine ordentliche Herausforderung darstellt. In einem Jahr wird man mehr wissen.
Rani Khedira bleibt hingegen bei uns. Wie ernst das Interesse von Köln und Gladbach wirklich war, bleibt offen. In Zeiten einer instabilen Abwehr ist das sicher von Vorteil für uns. Andererseits ist der Traum von einer Ablöse von mindestens zwei Millionen Euro geplatzt, denn Khediras Vertrag läuft im nächsten Jahr aus und mit 33 Jahren sind die Optionen begrenzt. Vielleicht verlängert er sogar noch einmal bei uns – was keine Überraschung wäre.
Um die derzeit eher nüchterne Stimmung zu heben, hilft nur ein souveräner Pokalauftritt am Sonntag bei Eintracht Braunschweig. Auch wenn sich das momentan kaum jemand vorstellen kann und wir uns traditionell gegen vermeintlich kleinere Teams im DFB-Pokal schwer tun, sehe ich Lustrinellis Pflichtspiel-Debüt unter einem guten Stern. Ob Aebischer schon mitwirken wird und auf welcher Position, wird spannend. Eingewöhnungszeiten sind bei Union zwar üblich, doch in diesem Fall bin ich relativ optimistisch – die Vorfreude auf Sonntag ist zwar noch leise, aber vorhanden.
Icke: Seit Sommer ist Lustrinelli neuer Trainer bei Union. Drei Gründe sprechen für ihn: Er favorisiert die Viererkette, was Union ein neues, moderneres Spielsystem verspricht; er wurde mit dem FC Thun sensationell Schweizer Meister; und er hat bereits mit Urs Fischer zusammengearbeitet. Für diese Verpflichtung zahlte Union eine Ablöse von rund einer Million Euro.
Lustrinelli gestaltete die gesamte Vorbereitung, erhielt aber kaum Verstärkungen. Im Gegenteil, Abgänge in der Defensive schwächten uns. Die Neuzugänge van den Bosch, M. Friedrich und Nsoki sollen das ausgleichen. Nach den Testspielen zeigt sich, dass die Defensive teilweise bedenklich wackelt.
Wir bekommen zu leicht Gegentore. Nsoki ist erneut verletzt, M. Friedrich fehlt als Führungsspieler und Van den Bosch bringt noch keine defensive Sicherheit. Querfeld und Ogbemudia sind offenbar nicht erste Wahl bei Lustrinelli. Positiv ist, dass Juranovic auf rechts eine ordentliche Frühform zeigt und Trimmel wohl verdrängt hat. Links wird Rothe ausprobiert, der allerdings defensiv Schwächen aufweist; Köhn wirkt stabiler.
Dass Nsoki der einzige Linksfuß unter den Innenverteidigern ist, könnte ein taktischer Fehler bei der Kaderzusammenstellung sein. Auch im Mittelfeld funktioniert die defensive Abstimmung noch nicht, immer wieder entstehen Lücken. In dieser Phase wäre es Wahnsinn, Khedira abzugeben. Gerüchte über einen Tausch von Khedira gegen Aebischer kursieren, doch einen weiteren defensiv starken Mittelfeldspieler brauchen wir nicht, da sonst zu viele ähnliche Spieler im Kader wären.
Die Kaderzusammensetzung bereitet vielen Fans Sorgen. Offensiv haben wir mit Latte einen neuen Stürmer, doch der kann sich wegen einer Lebensmittelvergiftung noch nicht einspielen. Es gibt weiterhin Wechselgerüchte. Der 31 Spieler umfassende Kader ist schwer zu verkleinern – Spieler wie Haberer oder Skarke haben kaum Einsatzchancen. Das bosnische Talent Mahmic wird als Neuzugang für das offensive Mittelfeld gehandelt, doch mehrere Vereine, darunter Eintracht Frankfurt, zeigen Interesse. Unsere Chancen sind gering.
Das offensive Spiel hat sich nur leicht verbessert. Gute Ansätze zeigen Burcu auf halblinks und Ansah, der oft noch im Sturm aushelfen muss, wodurch er auf seiner eigentlich besten Position fehlt.
Union läuft derzeit nicht rund. Die Defensive wackelt, Torwart Rönnow ist noch nicht wieder voll einsatzfähig, das defensive Mittelfeld muss sich verbessern und offensiv fehlt die Qualität. Verletzungen wie die von Ilic erschweren die Vorbereitung. Wann der Knoten platzt, ist offen; ebenso, ob sich noch Veränderungen im Kader ergeben. Es ist unrealistisch, ein neues System einzuführen, ohne den Kader anzupassen. Auf einigen Positionen fehlen Geschwindigkeit und Qualität. Hoffen wir auf Besserung! Eisern.
Unionfux: Zum Glück sind die Testspiele endlich vorbei. Die Saisoneröffnung lockt nur etwa 12.500 Zuschauer, obwohl mit Ipswich Town ein Premier-League-Aufsteiger zu Gast ist, der für knapp 130 Millionen Euro auf dem Transfermarkt investierte und viel Qualität mitbringt.
Union ging durch eine Freistoßvariante in Führung, doch Ipswich glich schnell aus und erzielte vor der Pause zwei weitere Tore. In der zweiten Halbzeit traf Juranovic nach Vorlage von Khedira zum Anschluss, doch Ipswich legte noch ein viertes Tor nach. Ihre Anhänger hatten viel Spaß – inklusive Bier und Stehplätzen, die es im Mutterland des Fußballs kaum noch gibt. Unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen, was nicht nur an den Bierpreisen lag.
Unser Kernproblem ist offensichtlich: Wir kassieren zu leicht Gegentore. Natürlich sind Engländer keine Laufkundschaft und man geht davon aus, dass unsere Abwehr in Pflichtspielen engagierter auftritt. Dennoch ist sie wohl nicht mehr unser Prunkstück. Wo liegen unsere Stärken? Haben wir genug Qualität? Kann Lustrinelli mit diesem Kader ein anderes System etablieren? Bleibt Khedira? Kommt Aebischer? Ein weiterer Mittelfeldspieler oder Verteidiger? Oder passiert nichts? Die Unsicherheit ist groß, die Euphorie nach der Trainerverpflichtung fast verflogen.
Aber Fußball ist nicht planbar. An den Testspielen sieht man wenig und erst die nächsten Wochen werden zeigen, wie viel Substanz da ist. Eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren ist eher unwahrscheinlich, aber man weiß nie.
Wünschenswert wäre Bewegung im Kader, in beide Richtungen, und dass das Transferfenster noch einige positive Überraschungen (Leihen!) bringt. Sonst muss sich Manager Horst Heldt fragen lassen, was er in den letzten Monaten getan hat. Hoffentlich lichtet sich bald das Lazarett, denn Ilic und Rönnow sind noch schwer zu ersetzen.
Ich verordne mir ab sofort grenzenlosen Optimismus und versuche, frustrierte Gedanken zu vermeiden. Die Vorfreude auf Sonntag ist zwar noch schwach, aber immerhin vorhanden.
Icke: Die Testphase ist vorbei, nun steht die Generalprobe bevor. Am Samstag empfängt Union den englischen Aufsteiger Ipswich Town. Ein Traditionsverein mit leidenschaftlichen Fans und hoher Qualität. Acht Tage später folgt das Pokalspiel in Braunschweig und dann am 29. August der Bundesligaauftakt gegen Eintracht Frankfurt.
Ipswich bringt einen Marktwert von 280 Millionen Euro mit, Union hat aktuell rund 120 Millionen. Die Abgänge von Leite und Doekhi wirken sich aus. Ipswich setzt auf Flügelspiel mit Fatawu, Philogene und Clarke, alles Spieler mit je rund 20 Millionen Marktwert. Auch der linke Verteidiger Leif Davies (20 Mio.) ist eine Schlüsselperson. Die Mannschaft ist eingespielt, liebt Ballbesitz, kann aber auch schnell umschalten und spielt aggressiv gegen den Ball. Im defensiven Mittelfeld sticht Matusiwa hervor, vergleichbar mit Andrich. In der Abwehr haben sie mit Greaves und O’Shea stabile Innenverteidiger.
Im Gegensatz zu einigen merkwürdigen Tests bei uns ist dieser Test ein echter Maßstab, ebenso wie das Pokalspiel in Braunschweig, die aktuell in guter Form sind. Auch Eintracht Frankfurt wartet als nächster starker Gegner. Es sind Spiele mit erhöhtem Puls. Wir hoffen auf eine Überraschung, doch nach der Funkstille bei Kaderveränderungen in den letzten Wochen ist Skepsis angebracht. Hoffentlich ist Lustrinelli ein Zauberer! Eisern.
Unionfux: Das Trainingslager in Österreich ist vorbei, zum Abschluss gelang im vorletzten Testspiel ein 3:2-Sieg gegen den zypriotischen Erstligisten Aris Limassol. Keine große Sensation, aber nach den schwachen Testspielen erfreulich. Die Tore erzielten Neuzugang Latte Lath, van den Bosch nach einer Ecke und Kemlein per Foulelfmeter.
Das Spiel lief 90 Minuten, die dritte Halbzeit blieb torlos. Die Fans fragen sich, wie gut Union für die Bundesliga vorbereitet ist. Trainer Lustrinelli hat angekündigt, dass noch Neuzugänge folgen sollen, doch Präsident Zingler äußerte im Trainingslager, dass aktuell niemand mehr gebraucht wird und die sportlichen Verantwortlichen ihn nicht kontaktiert hätten – eine widersprüchliche Botschaft.
Optimismus ist gut, aber gewisse Defizite sind offensichtlich, vor allem im kreativen Mittelfeld. Wir hoffen auf Lustrinellis Fähigkeiten und dass er Unterstützung bekommt. Die Abgabenseite ist bislang überschaubar. Laut Kicker wurde für Bedia nur 700.000 Euro erlöst – hoffentlich stimmt das nicht. Die Informationspolitik von Union ist traditionell zurückhaltend, was auch die Vertragsverlängerung von Dmytro Bogdanov betrifft, bei der Laufzeit nicht genannt wurde.
Es gibt Gerüchte zu Michel Aebischer, Schweizer Nationalspieler mit WM-Teilnahme, der für etwa 3 Millionen Euro von Pisa kommen könnte. Ob er tatsächlich kommt und ob Khedira geht, bleibt offen. Der Transfermarkt ist verrückt, Chancen auf neue Verstärkungen sind eher gering. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich die Lage entwickelt. Eisern.
Icke: Der Belgier Zeno van den Bosch, 23 Jahre, Innenverteidiger von Royal Antwerpen, steht kurz vor einem Wechsel zu Union. Er gilt als Perspektivspieler und soll gemeinsam mit Marvin Friedrich die Innenverteidigung bilden. Van den Bosch bringt mit 1,91 Meter Körpergröße und Erfahrung aus der belgischen Liga gute Voraussetzungen mit.
Doekhi und Leite prägen seit Jahren die Abwehr. Da es für sie keine Ablösesummen gab, war der Ersatz vergleichsweise günstig. Ob Nsoki fix verpflichtet wird, bleibt offen, ebenso wie die Zukunft von Ogbemudia. Mit fünf Innenverteidigern hat Union die Auswahl, möglicherweise könnte Ogbemudia in die U21 wechseln.
Der Transfer von van den Bosch ist ein gelungenes Zeichen unseres Managers Horst Heldt, der trotz begrenzter finanzieller Mittel einen guten Transfer tätigte. Der Kader ist noch zu groß; neue Zugänge sind erst nach entsprechenden Abgängen zu erwarten. Besonders bei Benes und Ilic gibt es noch offene Fragen.
Unionfux: Die Testspiele in diesem Sommer waren kein Ruhmesblatt. Nach Siegen gegen unterklassige Teams folgten Niederlagen gegen Regionalligisten und Schweizer Zweitligisten. Insgesamt ist die Vielzahl der Tests fragwürdig – welche Idee steckt dahinter? Trainer Lustrinelli versucht das Beste daraus zu machen.
Beim Spiel gegen Dresden, das wohl Teil der Ablöse für Bogdanov war, ging Union zwar in Führung, musste aber noch zwei Gegentore einstecken und verlor knapp vor 25.000 Zuschauern. Dresden ist fitnessmäßig besser, dennoch fehlte Union die Klasse, um sich abzusetzen.
Im Heimspiel gegen Cagliari Calcio aus der Serie A kamen nur knapp 9.000 Fans, weniger als im Vorjahr gegen Espanyol Barcelona. Das könnte an den Eintrittspreisen oder fehlender Euphorie liegen. Das Spiel war arm an Höhepunkten, doch am Ende gelang noch der Ausgleich.
Nun geht es ins Trainingslager nach Österreich mit Neuzugang Emmanuel Latte Lath, einem ivorischen Stürmer von Atlanta United, der mit Kaufoption ausgeliehen ist. Seine technischen Fähigkeiten und Torgefahr könnten eine Bereicherung sein. Atlanta United spart so Gehalt und hofft, einen Platz für Romelu Lukaku zu schaffen.
Weitere Verstärkungen, besonders für das Mittelfeld, sind dringend nötig, um Latte Lath auch adäquat zu versorgen. Willkommen Emmanuel, viel Erfolg in Österreich!
Icke: Emmanuel Latte Lath (27), Mittelstürmer, wechselte von Atalanta Bergamo über Leihen zu St. Gallen und Middlesbrough, wo er gut traf. MLS-Klub Atlanta United zahlte 21,25 Millionen Euro, doch dort blieb er hinter den Erwartungen zurück. Er hat einen Vertrag bis 2028, wir leihen ihn wohl mit Kaufoption aus.
Mit 1,76 Meter ist er nicht der klassische Kopfballspieler, springt aber beachtlich hoch. Er spielt schnörkellos, sucht stets den direkten Abschluss und ist im Antritt stark. Latte könnte sich gut mit Ilic ergänzen, dem spielstarken Nebenmann im Sturm.
Ein Problem ist sein hohes Gehalt (ca. 3,74 Millionen Dollar), das der Verein übernehmen müsste. Ob Atlanta einen Teil trägt, ist offen. Andere Vereine sind kaum bereit, dieses Risiko einzugehen. Wenn er sich wohl fühlt, kann er Leistung bringen; ansonsten blockiert er.
Alternativ stehen Spieler wie Futkeu oder Ducksch zur Debatte. Ein Mix aus Ducksch plus einem weiteren Stürmer wäre eine Lösung, um die Sturmreihe aufzuwerten. Außerdem wird intensiv ein zentraler Mittelfeldspieler gesucht, vor allem falls Khedira den Verein verlässt. Ein Linksfuß wie Kevin Schlotterbeck für die Innenverteidigung wäre ebenfalls wünschenswert.
Die Personalien sind noch offen, doch der Bedarf an Verstärkungen ist groß. Eisern.
Unionfux: Im weltweiten Fußball sorgt Präsident Gianni Infantino zunehmend für Kritik. Sein Vorhaben, Weltmeisterschaften und weitere Turniere an Investoren zu verkaufen, stößt auf Widerstand, gerade von der UEFA und anderen Kontinentalverbänden, die sogar mit Boykott drohen.
Infantino nutzt das demokratische Prinzip, bei dem jeder Verband eine Stimme hat, um sich durch die Stimmen der kleineren Verbände nahezu unangreifbar zu machen. Er trifft Entscheidungen nach eigenem Gutdünken, etwa zur WM-Ausweitung, Aufhebung von roten Karten oder Austragung von Turnieren in Wüstenstaaten.
Seine Nähe zu politischen Figuren wie dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zeigt, wie unangefochten er agiert. Doch der Widerstand wächst, auch wenn ein Sturz unwahrscheinlich scheint. Die Folgen für den Fußball wären tiefgreifend, etwa wenn sich Ideen wie die Superliga wieder durchsetzen.
Der Profifußball bewegt sich an der Grenze des Erträglichen, Investoren prägen Vereine wie PSG, Manchester City oder RB Leipzig, deren Identität fraglich ist. Infantinos Vorstoß ist daher nur konsequent, jedoch gefährlich. Es bleibt spannend, wie sich die Machtprobe entwickelt. Eisern.
Unionfux: Der Kicker veröffentlichte seine Sommerrangliste 2026. Nur drei Vereine sind nicht vertreten: St. Pauli, Wolfsburg (beide abgestiegen) und Union. Im Winter waren noch Doekhi, Khedira und Ansah gelistet. Erwähnt werden nur Ex-Unioner wie Ryerson und Leweling.
Das spiegelt unsere durchwachsene Rückrunde wider, die auch die letzten guten Spiele nicht entscheidend verbessern konnten. Die Zahl der lukrativen Spielertransfers ist gering, während unser Kader wenig Interesse hervorruft.
Einzelne Spieler überzeugten zeitweise, etwa Doekhi, der ablösefrei zu Lazio Rom wechselte. Doch bei uns ist es schwer, Spieler mit zu geringem Potenzial oder Verletzungsanfälligkeit vom Gehaltszettel zu bekommen. Gerüchte um hochdotierte Angebote für Kemlein bestehen, sind aber zweifelhaft.
Langfristig ist der Mangel an Einnahmen aus Spielerverkäufen und die Aufgabe eines durchschnittlichen Kaders problematisch. Es fehlt an qualitativer Auffrischung, um Trainer Lustrinelli mehr Optionen zu geben. Die Zeit drängt, Bewegung im Kader wäre notwendig, insbesondere vor dem Trainingslager in Österreich.
Ein Quasi-Neuzugang ist Phillip Menzel, ehemaliger Stammkeeper von Saarbrücken, der Union wegen Verletzungen unterstützt, aber wohl nicht langfristig bleiben wird.
Icke: Die Spieler haben derzeit Kurzurlaub. An der Transferfront tut sich wenig. Spieler mit geringen Einsatzmöglichkeiten suchen kaum andere Vereine, und die Testspiele geben keinen Anlass zur Euphorie.
Wir sind auf Stürmersuche, doch bezahlbare, verfügbare Talente sind rar. Aranda ist derzeit wohl der einzige ablösefreie Kandidat von europäischem Kaliber. Für andere wie Dinkci wird eine Ablöse fällig und deren Trefferquote ist eher mäßig.
Vermutlich müssen wir auf teurere Spieler wie Futkeu setzen, der bei mehreren Klubs begehrt ist. Ohne Risiko wird es im Sommer nicht gehen. Alternativ müssten wir mit dem aktuellen Sturm in die Saison gehen und hoffen, dass sich noch etwas ergibt - womöglich durch Leihgeschäfte kurz vor Transferschluss. Der Markt ist verrückt und die Chancen schwinden. Eisern.
Unionfux: Die Kapitänsrolle wird oft überschätzt. Der Kapitän ist meist ein erfahrener, intelligenter Feldspieler mit Führungsqualitäten, der als Sprecher der Mannschaft fungiert und sich beim Schiedsrichter beschweren darf. Er gilt als „primus inter pares“ – Erster unter Gleichen.
Trainer Mauro Lustrinelli bestätigte, dass Christopher Trimmel auch kommende Saison Kapitän bleibt, mit Rani Khedira als Stellvertreter. Auch wenn Trimmel wegen seines Alters weniger spielt, ist diese Wahl sehr gut. Er kennt den Verein wie kaum ein anderer, steht in seiner 13. Saison bei Union und ist ein vorbildlicher Kommunikator.
Er bringt Leistung, egal ob als Starter oder Einwechselspieler, liefert Standards und defensiven Einsatz, der legendär ist. Seine Präsenz auf rechts belebt oft das Spiel. Junge Spieler sollten sich daran ein Beispiel nehmen.
Manche hätten gern Aljoscha Kemlein als Kapitän gesehen, was verständlich ist. Doch mit knapp 22 Jahren hat er noch Zeit und ist gerade dabei, sich in der Bundesliga zu etablieren. Zudem ist er ein seltenes Eigengewächs bei Union, das in jüngerer Vergangenheit kaum Talente hervorbrachte.
In dieser Woche ist noch Urlaub, bevor zwei Spiele anstehen: Samstag in Dresden gegen einen Oberligisten und Sonntag zuhause gegen Cagliari Calcio aus der Serie A. In Dresden wird wohl die zweite Reihe auflaufen, gegen Cagliari die vorläufige Bestbesetzung.
Nach dem Trainingslager in Österreich dürfte sich die Stammelf langsam herauskristallisieren, auch wenn bis zum ersten September noch Transfers möglich sind. Spannende Wochen stehen uns bevor. Eisern!
Icke: In der Vorbereitung setzte Union bisher 22 Spieler zwischen 16 und 23 Jahren ein. Lustrinelli will alle kennenlernen, auch Jugendspieler. Die Saisonvorbereitung ist zur Hälfte rum, in vier Wochen startet die Bundesliga, es wird Zeit, eine Stammelf von 15-16 Spielern zu bestimmen.
Im Tor steht derzeit Klaus, unser ehemaliger dritter Keeper, der seine Sache sehr gut macht. Raab ist verletzt und wird mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Stammkeeper Rönnow verpasste wegen Verletzung bisher die Hälfte der Vorbereitung.
In der Viererkette wird viel experimentiert. Aktuell setzt sich die Formation Juranovic – M. Friedrich – van den Bosch – Köhn leicht durch. Die zweite Reihe mit Trimmel – Querfeld – Nsoki – Rothe ist nah dran. Auch Ogbemudia kommt regelmäßig zum Einsatz. Neun Spieler kämpfen um vier Positionen.
Im Mittelfeld sind zwei defensive zentrale Spieler und zwei offensive Halbspieler vorgesehen. Khedira fehlte in der Vorbereitung, gilt aber als gesetzt. Sein Ersatz waren Schäfer und Kemlein. Haberer wurde als zu leicht empfunden. Auf den offensiven Halbpositionen sind Ansah (rechts) und Burcu (links) vorläufig gesetzt. Dahinter lauern Talente wie Güther, Jeong und Skov, die sich bislang nicht durchsetzen konnten. Qualität und Quantität passen, wenn die Talente sich noch steigern.
Im Angriff ist die Lage dramatisch. Eigentlich überzeugt nur Ilic, der aber Angebote hat. Burke zeigt sich bisher schwach, Bedia wurde verkauft. Skarke und Ljubicic sind ebenfalls schwach. Dahinter gibt es Talente Gray, Bogdanovic und Engel. Ein Top-Stürmer muss her, Manager Heldt hat bisher kaum punkten können. Die letzten Flops und der Mangel an Treffsicherheit sind ernüchternd.
Es bleibt zu hoffen, dass die jungen Spieler den Durchbruch schaffen und Heldt bald gute Transfers tätigt. Eisern.
Unionfux: Über die Jahre lernt man als Bühnenautor: Der letzte Eindruck zählt. Unsere letzte Formkurve ist vielversprechend – Marie-Louise Eta bewies Mut und Erfolg als erste Cheftrainerin der Männer-Bundesliga. Die letzten beiden Spiele zeigten mutigen und ansehnlichen Fußball mit Erfolg.
Allerdings sollten diese Spiele nicht überbewertet werden, da sie ohne großen Druck stattfanden. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Eta wird vermutlich nicht Cheftrainerin der Männer bleiben, aber sie hat sich bewährt und bleibt der Frauenmannschaft erhalten.
Auch der Torwart Klaus zeigte mit seinen Leistungen, dass er eine verlässliche Nummer drei ist. Die klare Nummer eins bleibt Rönnow, der auf Klaus als Ersatz zählen kann, während Matheo Raab um den Platz als Nummer zwei kämpft.
Ein erfahrener Trainer für die Männermannschaft wäre wünschenswert, da Erfahrung und Geschlecht nach wie vor eine Rolle spielen. Eta und Klaus in der Hinterhand zu wissen, ist dennoch beruhigend. Eisern.