Union-Berlin-Blog: Andrej Ilic ohne Badeschlappen – Verlängerung für unbestimmte Zeit
Berlin – Eiserne Leidenschaft: TAG24 präsentiert den Union-Berlin-Blog, geschrieben von drei echten Berliner Fußballfans mit Herzblut.
Das Team hinter den Texten:
„Icke“ (Jürgen Heinemann) ist überzeugter Union-Fan seit Mitte der 1970er Jahre und arbeitet als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb. Verheiratet und Vater eines erwachsenen Kindes, lebt er heute in Grünheide und ist Gründer dieses Blogs.
„Unionfux“ (Tobias Saalfeld) gehört seit mehr als 40 Jahren zu den Union-Anhängern und arbeitet freiberuflich für Bühne, Radio und Fernsehen – auch dort schreibt er regelmäßig.
„Beecke“ (Christian Beeck) ist ehemaliger Bundesliga-Profi (Hansa Rostock, Cottbus), war Manager bei Union, absolvierte 21 Länderspiele für DDR-Junioren und stammt aus unserem eigenen Nachwuchs. Vater von zwei Kindern, unterstützt er unseren Blog beratend.
Unionfux: Die hartnäckige Lebensmittelvergiftung, die Andrej Ilic aus dem Trainingslager in Österreich zwang, sorgte für wilde Spekulationen: Stecken etwa seine Badelatschen dahinter? Verlässt uns der eher introvertiert wirkende Serbe überraschend, möglicherweise Richtung England? Ein Verkauf würde sicher viel Geld einbringen – schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Euro – doch der Verlust wäre kaum zu ersetzen.
Obwohl Ilic mehr Tore erzielen könnte – in der vergangenen Saison verpasste er Chancen gegen Hamburg (verschossener Elfmeter und verfehltes leeres Tor) sowie gegen Mainz und Stuttgart –, sind seine elf Vorlagen ein starkes Argument für seine Spielintelligenz und fußballerische Qualität. Als potenzieller Spielmacher („Zehner“) ist er ebenso eine Bereicherung wie als Kopfballexperte mit beeindruckender Technik und körperlicher Präsenz.
Sein Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft, und seine Bedeutung für unser Spiel unbestritten – umso erfreulicher ist seine Vertragsverlängerung. Wo sollten wir so einen Spieler herbekommen, wenn nicht bei uns? Nicht umsonst hat sich sein Marktwert laut Transfermarkt (auch wenn man die Zahlen mit Vorsicht genießen sollte) inzwischen verdreifacht. Er ist ein echter Unterschiedsspieler mit steigender Tendenz.
Natürlich ist die Vertragslaufzeit geheim – warum eigentlich? Jeder weiß, dass sich Verträge aus verschiedenen Gründen ändern können. Arbeitsrechtliche Gründe sind es wohl kaum, sonst würden Bundesliga-Clubs die Laufzeiten offen kommunizieren. Diese Geheimniskrämerei wirkt manchmal übertrieben hysterisch. Es bleibt abzuwarten, ob Union irgendwann offener wird.
Logisch betrachtet musste Ilics bisheriger Vertrag mindestens bis 2027 gelten, die neue Vereinbarung dürfte wohl bis mindestens 2028 laufen – eher noch länger. Eine Ausstiegsklausel dürfte bei etwa zehn Millionen Euro angesiedelt sein. Viel Spekulation, aber was bleibt einem anderes übrig?
Ungeachtet dessen freut es sehr, dass Andrej Ilic vorerst bei uns bleibt und eine wichtige Rolle in den kommenden Aufgaben einnimmt. Er sieht sich nicht als Zwischenstation, sondern als Unioner – trotz der Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts. Auf viele Tore von und mit dir, Andrej, und zahlreiche gewonnene Kopfballduelle! Es ist wichtig, auch in der kommenden Saison einen Spieler in unseren Farben zu sehen, von dessen Qualität es in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige gab. Vielleicht reicht es sogar für das Pokalspiel – auf jeden Fall brauchen wir ihn gegen Frankfurt, denn denen liegt er ja bekanntlich – ich freue mich darauf!
Unionfux: Keine Überraschung mehr, aber dennoch Grund zur Freude: Michel Aebischer, 29-jähriger Schweizer Nationalspieler (44 Einsätze, 2 Tore) mit mehr als 250 Erstligaeinsätzen in der Schweiz und Italien (vierfacher Meister mit den Young Boys Bern) wird uns vermutlich für die nächsten drei Jahre verstärken.
Im Mittelfeld flexibel, plant man ihn bei uns als „Achter“, alternativ auch defensiver „Sechser“, während eine Rolle als Zehner eher unwahrscheinlich ist. Beim FC Bologna nennt man ihn „L’Equilibratore“ – den Ausgleicher – wegen seiner hohen Passgenauigkeit und Spielintelligenz, die für Stabilität sorgen.
Ob unser Offensivspiel mit ihm besser wird, bleibt abzuwarten, aber einen Spieler wie ihn kann man gut gebrauchen. Aebischer gilt als Wunschspieler von Trainer Mauro Lustrinelli, der den entscheidenden Tipp gegeben und schon einen Plan mit ihm hat. Angeblich lehnte Aebischer Angebote aus Italien und Deutschland ab, um zu uns zu kommen.
Die Ablösesumme bewegt sich zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro an Pisa SC – die wiederum wegen einer Kaufpflicht etwas mehr an den FC Bologna überwiesen haben sollen. Angesichts der aktuellen Transfermarktpreise ist das ein überschaubarer Deal, auch wenn es unser teuerster Einkauf in diesem Sommer ist.
Jubelstürme löst die Verpflichtung nicht aus, dafür war sie zu lange erwartet und nicht spektakulär. Zudem hat Union mit Spielern aus der Schweizer Super League und der Serie A zuletzt eher durchwachsene Erfahrungen gemacht. Dennoch ist zu hoffen, dass L’Equilibratore ein Glücksgriff wird und eine wichtige Rolle spielt. Viel mehr Zugänge sind kaum zu erwarten, da auf der Abgangsseite wenig passiert und mit nennenswerten Einnahmen kaum zu rechnen ist. Einige Spieler würden wir am liebsten einfach von der Gehaltsliste entfernen. Noch bleiben knapp zwei Wochen – große Hoffnungen sollte man sich jedoch nicht machen.
Dmytro Bogdanov wird für ein Jahr zu Energie Cottbus ausgeliehen. Das kann eine Win-Win-Situation werden, wenn er dort genügend Spielzeit erhält und sein Talent zeigen kann, auch wenn die 3. Liga eine große Herausforderung darstellt. In einem Jahr wird man mehr wissen.
Rani Khedira bleibt bei uns. Wie ernst das Interesse aus Köln und Gladbach war, bleibt unklar. In Zeiten einer wackeligen Abwehr ist sein Verbleib sicher ein Gewinn. Andererseits fällt der Traum von einer Ablöse von zwei Millionen Euro dahin, denn sein Vertrag läuft im nächsten Jahr aus und er ist dann schon 33. Ein weiterer Verbleib bei uns wäre nicht überraschend.
Um die derzeit eher gedämpfte Stimmung zu heben, bleibt nur ein souveräner Pokalauftritt am Sonntag bei Eintracht Braunschweig. Auch wenn nur wenige sich das aktuell vorstellen können und wir uns gern gegen vermeintlich kleinere Gegner im DFB-Pokal schwertun, sehe ich Lustrinellis Pflichtspieldebüt unter einem guten Stern. Ob Michel Aebischer schon spielt und auf welcher Position, wird spannend – lange Eingewöhnungszeiten sind bei uns üblich, aber für diesen Fall bin ich zuversichtlich. Die Vorfreude auf Sonntag ist noch leise, aber vorhanden. Noch sind ja ein paar Tage bis dahin.
Icke: Seit Sommer ist Mauro Lustrinelli Cheftrainer beim 1. FC Union. Drei Gründe sprachen für ihn: Erstens ist er Verfechter der Viererkette. Union will ein neues System für attraktiveren, moderneren Fußball. Zweitens wurde er sensationell Meister mit dem FC Thun. Drittens hat er schon mit Urs Fischer, unserem beliebten Ex-Trainer, zusammengearbeitet. Dafür zahlte Union eine Ablöse von rund einer Million Euro.
Die Vorbereitung konnte Lustrinelli komplett gestalten. Die von ihm gewünschten Verstärkungen kamen jedoch kaum. Im Gegenteil: Durch die Abgänge von Doekhi und Leite wurde die Abwehr eher schwächer. Van Den Bosch, M. Friedrich und Nsoki sollten als Ersatz dienen. Nach den Testspielen zeigt sich: Die Abwehr wackelt teilweise bedrohlich.
Wir kassieren viel zu leicht Gegentore. Nsoki ist leider wieder verletzt. M. Friedrich ist noch nicht der Abwehrchef, den er sich wünscht. Van Den Bosch wirkt defensiv noch unsicher. Querfeld und Ogbemudia sind bei Lustrinelli nicht erste Wahl. Positiv zeigt sich Juranovic rechts, der scheinbar Trimmel überholt hat. Links probiert der Trainer es oft mit Rothe, der defensiv Schwächen zeigt. Köhn wirkt stabiler.
Nsoki ist der einzige linke Fuß unter den Innenverteidigern – offenbar ein kalkulierter Fehler bei der Kaderzusammenstellung. Die Laufwege im Mittelfeld sind noch nicht optimal, es entstehen immer wieder Lücken. In der aktuellen Phase, wo die Defensive schwächelt, wäre ein Abgang von Khedira fatal. Gerüchte über einen Tausch gegen Aebischer halten sich hartnäckig, doch einen weiteren Sechser neben Aebischer zu holen, wäre unsinnig, da wir dann zu viele defensiv orientierte zentrale Mittelfeldspieler hätten.
Der Kader bereitet vielen Unionern Sorgen, weil vieles nicht zusammenpasst. Im Angriff gibt es mit Latte Lath einen neuen Stürmer, der aber wegen einer Lebensmittelvergiftung ausfällt. Auch für ihn gibt es Wechselgerüchte. Die Mannschaft umfasst satte 31 Spieler, sie zu verkleinern scheint schwierig. Spieler wie Haberer oder Skarke erhalten kaum Einsatzzeit. Das bosnische Talent Mahmic wird als Neuzugang gehandelt, doch viele Vereine interessieren sich für ihn – darunter auch Eintracht Frankfurt. Unsere Chancen scheinen gering.
Unser Offensivspiel verbesserte sich nur geringfügig. Burcu zeigt auf halblinks eine aufsteigende Form, Ansah hatte Lichtblicke. Da er oft im Sturm aushilft, fehlt er im rechten offensiven Mittelfeld, wo er am effektivsten ist.
Der 1. FC Union läuft noch nicht rund. Die Defensive wackelt, Keeper Rönnow ist noch nicht voll einsatzfähig. Die Defensivarbeit im Mittelfeld muss besser werden, und vor allem fehlt es nach vorne an Qualität. Dazu kommen Verletzungen, etwa bei Ilic. Die Vorbereitung ist eben Vorbereitung: trainieren, üben, neue Laufwege einstudieren. Wann sich der Knoten löst, ist ungewiss – ebenso wie mögliche Veränderungen im Kader. Das gilt für Zugänge und Abgänge.
Man lässt den neuen Trainer etwas im Stich. Ein neues System einzuführen, ohne den Kader anzupassen, ist unrealistisch. Auf einigen Positionen mangelt es an Tempo und Qualität. Hoffen wir auf Besserung! Eisern.
Unionfux: Die Testspiele sind zum Glück vorbei. Selbst zur Saisoneröffnung kommen nur rund 12.500 Zuschauer – trotz eines Premier-League-Gegners. Ipswich Town, kürzlich in die höchste englische Liga aufgestiegen, hat diesen Sommer fast 130 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Wir gehen durch eine schöne Freistoßkombination mit van den Bosch in Führung, doch Ipswich gleicht schnell aus und führt zur Pause mit 3:1. In der zweiten Hälfte erzielt Juranovic nach Vorlage von Khedira den Anschlusstreffer, doch Ipswich legt das 4:2 nach. Ihre Fans feiern ausgelassen, mit Bier und Stehplätzen, was es im Mutterland des Fußballs kaum noch gibt. Unsererseits hält sich die Euphorie in Grenzen – nicht nur wegen der gestiegenen Bierpreise.
Unser Hauptproblem ist offensichtlich und lässt sich nicht wegdiskutieren: Wir kassieren zu einfach Gegentreffer. Sicher, die Engländer sind keine Laufkundschaft, und wir hoffen, dass unsere Abwehr in Pflichtspielen engagierter agiert. Doch wirklich sicher ist die Defensive wohl nicht mehr. Wie sieht es mit unseren Stärken aus? Haben wir genug Qualität im derzeitigen Kader? Kann Lustrinelli mit diesem Aufgebot ein anderes System umsetzen? Bleibt Khedira, nachdem Köln angeblich Shkiri verpflichtet hat? Kommt Aebischer? Vielleicht auch noch ein Zehner oder sogar ein zusätzlicher Verteidiger? Oder passiert gar nichts mehr? Das wäre nicht das erste Mal.
Es gibt viele Fragen, und die Unsicherheit ist groß. Die anfängliche Euphorie nach der Verpflichtung von Lustrinelli ist stark gedämpft. Aber Fußball ist nicht planbar – wir haben das oft genug erlebt. Wären die Testspiele klare Siege gewesen, wären wir vielleicht zufriedener, aber nicht schlauer. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie viel Substanz da ist und wie attraktiv und erfolgreich unser Spiel wird. Eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den Vorjahren ist allerdings wenig wahrscheinlich – aber wer weiß?
Es wäre gut, wenn noch Bewegung in den Kader kommt – in beide Richtungen. Das Transferfenster sollte noch einige Überraschungen bieten (Leihgeschäfte sind das Stichwort!). Ansonsten müsste sich Horst Heldt fragen lassen, was er die letzten Monate gemacht hat. Und nicht zuletzt hoffen wir, dass unser Lazarett sich bald lichtet, denn Ersatz für Ilic und Rönnow ist schwer zu finden.
Ich verordne mir ab sofort grenzenlosen Optimismus und versuche, Frust und negative Spekulationen zu vermeiden – mal sehen, ob das gelingt. Die Vorfreude fällt noch schwer, aber sie wächst. Noch sind ein paar Tage Zeit.
Icke: Die Phase des Testens und Trainings ist vorüber, die Generalprobe steht an. Am Samstag empfängt uns der englische Aufsteiger Ipswich Town – ein traditionsreicher Club mit leidenschaftlichen Fans und viel Qualität. Acht Tage später steht das Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig auf dem Programm, und eine Woche später (29. August) startet die Bundesliga mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.
Gegen Ipswich, dessen Kader einen Marktwert von 280 Millionen Euro hat, treten wir mit einem Marktwert von rund 120 Millionen an. Die Abgänge von Leite und Doekhi fallen hier deutlich ins Gewicht. Ipswich legt den Fokus auf Flügelspiel mit Könnern wie Fatawu, Philogene und Clarke (jeweils 20 Millionen Marktwert). Auch der linke Verteidiger Leif Davies (20 Millionen) ist zu beachten. Die Mannschaft ist eingespielt, liebt Ballbesitz und schnelles Umschaltspiel. Ihr Trainer legt Wert auf klare Strukturen, sodass wir kaum große Lücken finden werden.
Beide Teams spielen im 4-2-3-1-System mit Außenverteidigern, die entweder weit vorrücken oder sich ins Mittelfeld zurückfallen lassen. Ipswich setzt auf aggressives Gegenpressing und versucht, über die Flügel durchzubrechen. Im defensiven Mittelfeld sticht Matusiwa hervor, vergleichbar mit unserem Andrich. Die Innenverteidiger Greaves und O’Shea sind robust und zweikampfstark.
Im Gegensatz zu einigen merkwürdigen Tests bei uns ist dieses Spiel ein echter Gradmesser – gerade weil auch das folgende Pokalspiel in Braunschweig kein Spaziergang wird. Das 6:1 der Braunschweiger in Magdeburg zeigt ihre starke Frühform. Trainer Sander macht dort offensichtlich einen guten Job.
Das darauffolgende Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt ist ein weiteres Highlight. Alle drei Partien sind mit Spannung und hohem Puls verbunden. Wir hoffen, dass unsere Mannschaft positiv überrascht. Angesichts der Ruhe bei den Kaderveränderungen in den letzten Wochen muss man da aber eher skeptisch sein. Hoffentlich ist Lustrinelli ein Zauberer! Eisern.
Unionfux: Das Trainingslager in Österreich ist vorbei, und im vorletzten Testspiel gab es einen erfreulichen Sieg: Gegen den zyprischen Erstligisten Aris Limassol setzten wir uns in Salzburg mit 3:2 durch. Keine große Sensation, aber nach der schwachen Testspielserie ein Aufwärtstrend. Die Tore erzielten die Neuzugänge Latte Lath (glücklicherweise ohne ernsthafte Verletzung) und van den Bosch (nach Ecke) sowie Kemlein per Foulelfmeter.
Die regulären 90 Minuten brachten die Tore, die „dritte Halbzeit“ blieb trotz einiger Chancen torlos. Für Fans bleibt die Frage: Wie bereit ist Union für die Bundesliga-Saison? Trainer Lustrinelli hatte weitere Neuzugänge angekündigt (prompt wurde Latte Lath ausgeliehen), doch der Präsident äußerte im Trainingslager-Interview, dass er derzeit keine weiteren Verstärkungen für notwendig hält und die sportlichen Verantwortlichen auch nicht auf ihn zugekommen seien. Ein seltsames Signal.
Optimismus ist zwar gut, doch Defizite, vor allem im spielgestaltenden Mittelfeld, sind unübersehbar. Wir vertrauen auf Lustrinelli, aber er benötigt Unterstützung. Oder liegt alles am Trainer, und nicht am Kader? Bisher gab es nur überschaubare Abgänge, keine großen Einnahmen, und manche Spieler hoffen offenbar einfach, ohne Einsatzzeit weiter bei Union zu bleiben. Das bosnische Talent Mahmic wird als möglicher Neuzugang gehandelt, aber auch mehrere andere Vereine haben Interesse – darunter Eintracht Frankfurt. Unsere Chancen scheinen gering.
Unsere Informationspolitik ist traditionell zurückhaltend. Beispielsweise wurde bei der Verlängerung von Dmytro Bogdanov die Laufzeit nicht genannt – warum auch? Das führt aber zu Spekulationen und Unruhe.
Es gibt Gerüchte, dass Michel Aebischer, Schweizer Nationalspieler und WM-Teilnehmer mit über 250 Erstligaeinsätzen, zu uns kommen könnte. Er ist aber eher ein Sechser als ein Achter oder Zehner. Angeblich kostet ihn Pisa SC drei Millionen Euro Ablöse. Ob dies zustande kommt, bleibt offen.
Es stellt sich die Frage: Kommen noch echte Verstärkungen? Können wir Spieler abgeben, die uns nicht weiterhelfen? Und wie sieht es mit Ilic und dem Sturm aus? Noch sind drei Wochen Zeit, aber die Situation ist angespannt. Unser Präsident wirkt gelegentlich selbstzufrieden, doch für den Klassenerhalt brauchen wir mehr Qualität.
Vielleicht ist es ja auch eine Frage der Entwicklung der bestehenden Spieler. Wenn einige endlich ihr Potenzial voll ausschöpfen, hätten wir quasi schon einige Neuzugänge. Wir freuen uns auf die neue Saison und hoffen, dass sich bald etwas tut. Eisern.
Icke: Union hat mit Emmanuel Latte Lath einen neuen Stürmer verpflichtet. Der 27-jährige Angreifer aus der Elfenbeinküste durchlief seine Ausbildung bei Atalanta Bergamo, war in der Schweiz bei St. Gallen treffsicher und spielte zuletzt in der englischen Championship bei Middlesbrough. Er wurde bereits im Januar medizinisch geprüft, doch die offizielle Bekanntgabe zog sich hin.
Latte Lath ist technisch versiert, mit gutem Antritt und Abschlussstärke, besonders im Kopfballspiel – ähnlich wie der frühere Karl-Heinz Riedle springt er hoch und erzielt dadurch seine Kopfballtreffer. Bei einer Größe von 1,76 m ist er nicht der klassische „Turm“ in der Spitze, aber sehr dynamisch und mit hohem Tempo. Er ist vor allem auf den Torabschluss fokussiert und bereitet kaum vor, ergänzt sich dadurch gut mit Ilic, der eher Vorlagengeber ist.
Ein Problem bleibt das hohe Gehalt von geschätzten 2,8 Millionen Euro, das Atlanta United übernimmt. Sollte Latte sich bei uns wohlfühlen, könnte er seine Leistung abrufen; andernfalls bleibt er eher ein Risiko. Er ist eine Wundertüte – trifft er wie in der Schweiz und England, ist er eine Verstärkung, sonst nicht. Sollte es nicht funktionieren, geht er im Sommer wieder zurück. Alternativ stehen weitere Stürmer wie Ducksch oder Futkeu als Optionen bereit.
Im Mittelfeld suchen wir noch nach Verstärkungen, und bei der Innenverteidigung könnte ein Kevin Schlotterbeck eine Rolle spielen. Die Zukunft von Khedira ist ungewiss – Mainz, Gladbach, New York und weitere Clubs sollen interessiert sein. Mit Khedira würden Neuhaus und Co. eine stärkere Achse bilden.
Derzeit bleibt vieles ungewiss, aber die Hoffnung auf eine Entwicklung und erfolgreiche Transfers bleibt bestehen. Eisern.
Unionfux: Ein aktuelles Thema von weltweiter Bedeutung betrifft FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der umstrittene Chef des Weltfußballs wird zunehmend kritisiert, weil er WM und andere Turniere an Investoren verkaufen möchte. Dies führt zu massivem Widerstand und einer beispiellosen Machtprobe.
Im Weltfußball hat jeder der 211 Verbände eine Stimme – egal wie klein. Infantino nutzt das geschickt, indem er kleinere Verbände mit großzügigen Zuwendungen „einkauft“ und so kaum Gegenstimmen gegen sich bekommt. Dadurch kann er Entscheidungen nach Belieben treffen – von der Ausweitung der WM bis zur Rücknahme roter Karten und der Organisation von Turnieren in Wüstenstaaten. Man dachte, Sepp Blatter sei unantastbar gewesen – Infantino ist es noch mehr.
Infantino pflegt enge Kontakte zu politischen Größen wie dem 47. US-Präsidenten, was ihm weiteren Einfluss verschafft. Doch die UEFA und weitere Kontinentalverbände warnen vor einem Boykott aller FIFA-Turniere, sollten Infantinos Pläne weiter verfolgt werden. Das würde die Attraktivität der Turniere empfindlich reduzieren – ohne die Europäer wäre eine WM kaum vorstellbar.
Obwohl ein Sturz Infantinos unrealistisch scheint, ist es ein wichtiges Signal des Widerstands. Die Machtprobe geht über den Fußball hinaus und könnte weitreichende Folgen haben, etwa die erneute Diskussion um Superligen. Der Profifußball hat viele Grenzen überschritten – Investoren dominieren Vereine, und die Vereinstreue wird immer fragwürdiger.
Solange Infantinos Macht unangefochten bleibt, wird sich wenig ändern. Doch zumindest muss man ihm und seiner Politik widersprechen und die ausverkauften Werte verteidigen. Wie diese Auseinandersetzung endet, bleibt spannend. Eins ist sicher: es geht um mehr als nur die Fußballweltmeisterschaft.
Unionfux: Der Kicker veröffentlichte seine Sommerrangliste, in der Union diesmal nicht vertreten ist. Im Winter waren immerhin Doekhi (Innenverteidigung), Khedira (defensives Mittelfeld) und Ansah (offensiver Außen) dabei. Die einzigen Union-Spieler in der Liste sind inzwischen Ex-Spieler Ryerson (BVB) und Leweling (Stuttgart), den wir ausgeliehen und später abgaben.
Das ist zwar nur eine subjektive Liste, spiegelt aber die durchwachsene Rückrunde wider, bei der kaum ein Spieler herausragte. Doekhi wechselte ablösefrei zu Lazio Rom. Es gelingt kaum noch, Spieler gegen Bezahlung abzugeben – zu viele sind zu blass oder zu verletzungsanfällig. Das geringe Interesse macht eine qualitative Verbesserung schwierig.
Langfristig ist es problematisch, kaum Einnahmen aus Transfers zu generieren und mit einem durchschnittlichen Kader den Klassenerhalt anzupeilen. Man setzt darauf, dass einige Spieler ihr Potenzial besser ausschöpfen, etwa Burke, Ilic, Schäfer, Querfeld und Ansah. Eine Verstärkung ist jedoch dringend nötig, um dem Trainer mehr Optionen zu geben.
Der Kaderplaner hat es nicht leicht, vor allem weil finanzielle Mittel begrenzt sind und passende Spieler oft lukrativere Angebote erhalten. Leihen könnten eine Lösung sein, aber die sind oft erst kurzfristig möglich, wenn andere Vereine ihre Kader finalisieren.
Schafft man es nicht, den Kader zu verbessern, droht erneut eine schwierige Saison ohne Garantie auf den Klassenerhalt. Es wäre fahrlässig, wenig aus den vergangenen Jahren zu lernen. Noch ist Zeit, aber die Nervosität steigt.
Als quasi-Neuzugang hat Phillip Menzel, ehemaliger Stammtorwart von 1. FC Saarbrücken, als Gastspieler Verpflichtung gefunden, um die verletzten Rönnow und Raab zu ersetzen. Langfristig wird er wohl nicht bleiben.
Icke: Die Union-Spieler genießen derzeit Kurzurlaub. Auf der Neuzugangsseite herrscht Stillstand. Spieler ohne Chancen sind kaum woanders im Gespräch. Die Testspielergebnisse geben wenig Anlass zur Euphorie. Die Suche nach Stürmern ist besonders schwierig, da auf dem Markt wenige bezahlbare Kandidaten verfügbar sind.
Aranda (24) ist derzeit wohl der einzige ablösefreie Stürmer, der sofort helfen könnte – europaweit. Ü30-Spieler ausgenommen. Wahrscheinlich wird eine Ablöse fällig, auch für Dinkci, der mit 14 Toren in 103 Bundesliga-Spielen nicht gerade glänzt und für mindestens vier Millionen gehandelt wird, was Zweifel zur Folge hat.
Wahrscheinlich müssen wir uns auf teure Stürmer wie Futkeu (Frankfurt) einstellen, an denen mehrere Bundesliga-Clubs interessiert sind. Ohne finanzielles Risiko wird das nicht gehen. Die andere Option wäre, mit den derzeitigen Stürmern in die Saison zu gehen und auf ein Wunder zu hoffen. Der Markt ist derzeit verrückt, und je länger wir warten, desto kleiner werden unsere Chancen. Eisern.
Unionfux: Die Kapitänswahl im Fußball wird oft überschätzt. Der Kapitän hat zwar eine Sprecherrolle und idealerweise Führungsqualitäten, doch auf dem Platz hat er meist wenig zu sagen. Er wird oft als „primus inter pares“ – Erster unter Gleichen – gesehen.
Kandidaten sind generell erfahrene, zuverlässige Feldspieler mit Führungsqualitäten. Die Wahl erfolgt teils demokratisch durch die Mannschaft, teils durch den Trainer. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile.
Trainer Mauro Lustrinelli bestätigte, dass Christopher Trimmel der Kapitän bleibt, mit Rani Khedira als seinem Stellvertreter. Trotz des fortgeschrittenen Alters Trimmels eine sehr gute Entscheidung: Kein anderer kennt den Verein und seine Werte so gut, er geht in seine dreizehnte Saison bei Union und ist ein Vorbild in der Außendarstellung.
Trimmel bringt weiterhin Leistung, egal ob in der Startelf oder als Einwechsler. Seine Standards sind bei uns immer noch die besten, und seine Kampfbereitschaft ist herausragend. Jüngere Spieler sollten sich ein Beispiel an ihm nehmen.
Einige hätten gern Aljoscha Kemlein als Kapitän gesehen, was auch eine gute Idee gewesen wäre. Doch mit knapp 22 Jahren hat er noch Zeit und sollte sich erst in der Bundesliga etablieren. Als Eigengewächs ist er eine seltene Pflanze bei uns – der letzte war Steven Skrzybski, der unseren Klub vor acht Jahren verließ. Kemleins Zeit als Kapitän kommt noch. Für diese Saison wünschen wir unserem bewährten Käpt’n viel Erfolg.
In dieser Woche genießen die Spieler noch Urlaub, bevor nächste Woche zwei Spiele anstehen: Samstag in Dresden und Sonntag zu Hause gegen Cagliari Calcio, den vierzehnten der Serie A. In Dresden wird wohl die zweite Garnitur spielen, während gegen die Italiener die vorläufige Bestbesetzung auflaufen dürfte.
Danach geht es für eine Woche ins Trainingslager nach Österreich. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden zwei Wochen noch einige Zu- und Abgänge stattfinden, damit sich die zukünftige Stammelf formieren kann. Bewegung im Kader wird es bis zum Saisonstart geben. Also viel Erholung und spannende Wochen für alle!
Icke: In den bisherigen Vorbereitungsspielen wurden 22 Spieler im Alter von 16 bis 23 Jahren eingesetzt – eine Art „Jugend forscht“. Trainer Lustrinelli möchte alle kennenlernen, auch die A-Jugendlichen. Wir sind allerdings schon in der zweiten Hälfte der Vorbereitung, noch vier Wochen bis zum Saisonstart, und sollten langsam eine Stammformation bestimmen.
Im Tor steht derzeit Klaus, unser ehemaliger dritter Keeper, der seine Sache sehr gut macht. Raab ist verletzt und wird mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Rönnow, unser eigentliches Torwart-Eisen, hat bis jetzt wegen Verletzungen vieles verpasst. Ob er rechtzeitig fit wird, ist unklar. Klaus ist jedenfalls keine Schwächung.
In der Viererkette wurde viel experimentiert. Aktuell dürfte die Formation Juranovic – M. Friedrich – van den Bosch – Köhn die Nase vorn haben. Die zweite Reihe mit Trimmel – Querfeld – Nsoki – Rothe ist dicht dran. Ogbemudia wird regelmäßig eingesetzt und macht seine Sache ordentlich. Neun Spieler konkurrieren um vier Positionen. Wie sich das gegen stärkere Gegner bewährt, wird sich zeigen.
Im Mittelfeld stehen zwei defensiv ausgerichtete zentrale Spieler und zwei offensive Außenpositionen (rechts und links). Bei Bedarf sollen sie über die Flügel kommen oder ins Zentrum ziehen und das Spiel lenken. Khedira hat die halbe Vorbereitung verpasst und war als Abgang zu Borussia Mönchengladbach im Gespräch, doch die Ablöse wurde wohl nicht gezahlt – er bleibt vermutlich.
Das defensive Mittelfeld bildet meist Schäfer und Kemlein, Haberer wurde probiert, aber als zu leicht befunden. Die Offensive rechts und links wird von Ansah bzw. Burcu dominiert. Beide haben Übersicht und Technik, brauchen aber noch mehr Durchsetzungsvermögen für die Bundesliga. Dahinter lauert das Talent Güther (16 Jahre), das sowohl rechts als auch links spielen kann. Jeong und Skov sind auch Optionen, haben aber den Trainer bisher nicht überzeugt.
Im Angriff wird es eng: Bisher überzeugt vor allem Ilic, der aber wohl Angebote hat. Burke und Skarke zeigten bisher wenig, Ljubicic wurde verkauft und Skov ist angeschlagen. Dahinter gibt es Nachwuchstalente wie Gray, Bogdanovic und Engel. Trainer Lustrinelli wird vermutlich bald verstärkt auf die Talente setzen, denen noch viel Entwicklungspotenzial zugesprochen wird.
Deutlicher Bedarf besteht im Angriff. Manager Heldt, der seit Sommer 2024 im Amt ist, hat bisher eher nicht überzeugt. Die Transfers von Skarke, Burke und Ljubicic fielen in seine Amtszeit, doch Abnehmer sind kaum zu finden. Das Stürmer-Experiment mit Prtajin scheiterte. Bedia und Jordan fielen noch nicht in seine Zeit.
Wann gelingt es Union wieder, einen guten und treffsicheren Stürmer zu verpflichten? Die letzten Flops reichen eigentlich für zehn Jahre. Hoffen wir, dass wenigstens eines der drei Stürmertalente den Durchbruch schafft. Aus der U19 kommt zudem Mittelstürmer Matjani – albanischer U17-Nationalspieler mit viel Potenzial und der passenden Größe (1,89 m). Daumen drücken! Eisern.
Unionfux: Als alter Ostler gilt der Grundsatz: „Haben ist besser als brauchen.“ Jedes Jahr wird man nervös, wenn zum Trainingsstart der Kader nicht steht, Spieler, die nicht mehr gebraucht werden, nicht verkauft oder verliehen sind und neue vielversprechende Verpflichtungen fehlen – am besten spektakulär und überraschend.
Nach zwei Wochen Trainingsbeginn steigt die Panik: Wo bleiben die neuen Stars? Doch man sollte sich nicht zu viel erhoffen – der Markt für junge Spieler explodiert, Ablösesummen von 50 bis 60 Millionen für 20-Jährige sind keine Seltenheit. Wir können froh sein, überhaupt Ablösesummen zu generieren, wie die Million für Benes (der drei Millionen kostete) oder die Ablösefreiheit von Doekhi und Leite zeigen.
Das Transferkarussell steht noch still, kaum ein Verein hat viele Neuzugänge. Die WM verzögert vieles, der Saisonstart findet spät statt. Noch sind sechs Wochen Zeit, und Bewegung wird kommen – abhängig vom Dominoeffekt auf dem Transfermarkt und unseren begrenzten finanziellen Mitteln.
Viele Fans werden enttäuscht sein, doch zahlreiche große Namen brachten uns in der Vergangenheit wenig Glück. Es gilt, aus dem vorhandenen Kader das Beste herauszuholen. Mauro Lustrinelli hat gezeigt, dass er das kann – auch wenn die Aufgabe schwierig ist.
Die Verletzungsliste ist lang, insbesondere Nsoki ist verletzt. Die Verpflichtung von Nsoki ist fraglich, wie auch die Chancen für Spieler wie Ljubicic, die kaum Einsatzzeiten erhalten. Geduld und vorsichtiger Optimismus sind gefragt. Hoffen wir, dass Horst Heldt endlich den dringend benötigten spielstarken Mittelfeldspieler findet. Eisern.
Die ersten vier Spieltage sind fix: zweimal Samstag 15:30 Uhr (gegen Frankfurt und in Leverkusen), zweimal Freitagabend 20:30 Uhr (gegen Schalke und bei Bayern). Ein harter Auftakt, aber die Liga ist nun mal anspruchsvoll. Die Tradition bleibt: Auftakt zuhause, letztes Spiel ebenfalls – alles im grünen Bereich.