zurück

Neue überraschende Stärke bei Hertha? Auffälligkeiten bei der Heidenheim-Gala

Berlin – Drei Jahre hat es gedauert: Zum ersten Mal seit dem Abstieg befindet sich Hertha BSC wieder auf einem Aufstiegsplatz. Mit sechs Punkten steht die Mannschaft auf dem zweiten Rang – ein beeindruckender Saisonstart, mit dem kaum jemand gerechnet hatte.

Nach dem Weggang von 13 Spielern und lediglich einer Neuverpflichtung herrschte in der Hauptstadt eher Skepsis als Optimismus. Doch die neue Hertha überzeugt durch viel Berliner Charakter und mit erfrischendem Fußball.

Zwar sind erst zwei Spieltage gespielt, doch der deutliche 4:1-Heimsieg hat endlich den Bann des immer wieder belegten fünften Platzes gebrochen. Seit dem Abstieg war Hertha niemals besser als Rang sechs – das ist jetzt vorbei.

Das 4:1 zeigt nicht nur, dass die zuletzt so heimschwache Hertha zu Hause wieder begeistern kann, sondern offenbart auch unerwartete Stärken: insbesondere bei Standardsituationen.

Dort bestand schon lange Verbesserungsbedarf. In der vergangenen Saison war die Alte Dame in Bezug auf erzwungene Eckbälle ligaweit Vorletzter und zudem kaum gefährlich. Lediglich zwei Standardtore nach Ecken gelangen den Berlinern.

Dieses Problem hat auch Trainer Stefan Leitl (48) erkannt. „Grundsätzlich waren wir in den letzten Jahren bei offensiven Standardsituationen nicht wirklich gefährlich. Zum Vergleich: Heidenheim erzielte in den ersten zwei Spielen bereits drei Tore nach Standards. Gerade in der 2. Liga sind Standards ein wichtiges Mittel, das man beherrschen muss und bei dem man an seine Grenzen gehen sollte“, erklärte Leitl auf der Pressekonferenz.

Gegen Heidenheim erspielte sich die Mannschaft fünf Eckbälle – und es entstand bei jedem das Gefühl, dass ein Treffer möglich ist. Hertha zeigte sich variantenreich und wäre beinahe belohnt worden. Bei der Direktabnahme von Soufian Gourams (20) verfehlte der Ball jedoch das Tor deutlich.

Erfolgreicher begann das Spiel: Paul Seguin (31) und Kevin Sessa (26) standen zunächst weit im Abseits, rückten aber rechtzeitig nach vorne, um eine Aktion zu blocken. Sebastian Grönning (29) verwertete anschließend die Freistoß-Flanke per Flugkopfball zum 1:0. Dank einer einstudierten Variante gelang so die schnelle Führung.

Verantwortlich dafür ist Andreas Schumacher (45), der neue Co-Trainer und Nachfolger von Patrick Ebert (39). Bereits bei Magdeburg war Schumacher der Spezialist für Standards und brachte sein Wissen mit nach Österreich. Schon im Trainingslager wurde bei Hertha großer Wert auf ruhende Bälle gelegt – daran hat sich auch in Berlin nichts geändert.

„Wir wiederholen die Situationen im Training sehr häufig und bringen die Jungs immer wieder in diese Lage“, so Leitl. „Wir geben zwar vor, wie die Standards ausgeführt werden sollen, doch die Spieler sollen ihre eigene Handschrift einbringen. Wenn sie überzeugt sind, damit Erfolg zu haben, sind Variabilität und Kreativität erlaubt. Wichtig ist nur, dass die defensive Absicherung stimmt.“

Einziges Manko bleibt jedoch: Der Hauptstadtklub benötigt einen neuen Spezialisten für Standards. Der bisherige Vorlagengeber Marten Winkler (23) wechselte Anfang der Woche zum RSC Anderlecht.