Experte äußert brisanten Verdacht: So schwer verletzte sich Lipowitz bei seinem Sturz auf der Tour
Thonon-les-Bains (Frankreich) – Eine Kurve zu schnell genommen, und der Traum ist geplatzt: Der schwere Sturz von Florian Lipowitz (25) beim Einzelzeitfahren der 16. Etappe hat für den deutschen Radprofi das vorzeitige Aus bei der Tour de France bedeutet. Mittlerweile steht die ernüchternde Diagnose fest, während ein Fachmann einen heiklen Zusammenhang vermutet.
Wie das Team Red Bull - BORA - hansgrohe am Dienstagabend in einer offiziellen Mitteilung bekanntgab, erlitt der Schwabe bei dem Unfall einen Schlüsselbeinbruch.
„Nach zahlreichen unvergesslichen Momenten und starken Leistungen in den vergangenen zwei Wochen ist das nun leider das vorzeitige Aus für seine Tour de France 2026“, hieß es dort weiter.
Doch das dürfte nicht alles sein: Aufgrund der Verletzung wird der Radprofi vermutlich mindestens sechs Wochen pausieren müssen. Somit fällt nicht nur die Frankreich-Rundfahrt für ihn aus, sondern voraussichtlich auch die Vuelta (22. August bis 13. September) sowie die WM in Montreal (20. bis 27. September). Seine Saison ist damit faktisch beendet.
Der frühere deutsche Radstar und heutige TV-Experte Jens Voigt (54) äußerte im Zusammenhang mit dem Sturz eine heikle Vermutung.
Der 25-Jährige war nämlich in der Nacht vor dem Unfall zu einem Dopingtest einbestellt worden. Ein ähnliches Schicksal ereilte Jonas Vingegaard (29), der in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen zwei Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen wurde und bei der 15. Etappe ebenfalls so schwer stürzte, dass er die Tour aufgeben musste.
„Ich muss sagen: Jonas wurde damals in der Nacht kontrolliert. Schlafmangel. Er stürzt. Und heute Nacht wurde das Team Red Bull - BORA - hansgrohe getestet – und Florian stürzt“, kritisierte Voigt die Vorgehensweise der International Testing Agency (ITA) im Gespräch mit Eurosport.
Der 54-Jährige stellte die Frage, ob hier ein Zusammenhang bestehe oder ob es sich um einen bloßen Zufall handele.
Im Gegensatz zu Vingegaard wurde Lipowitz allerdings nicht mitten in der Nacht aus dem Bett geholt. Die Kontrollen bei Red Bull fanden bereits um 22 Uhr statt, also außerhalb des Zeitraums von 23 bis 6 Uhr, in dem laut Regelwerk ein „ernsthafter und konkreter Verdachtsmoment“ vorliegen muss.
Der Gesamtführende Tadej Pogacar (27), der ebenfalls in der späten Nacht zum Sonntag überprüft wurde, zeigte zwar Verständnis für die Notwendigkeit der Dopingtests, bezeichnete das Vorgehen aber als „unmenschlich“ und brachte, ähnlich wie Voigt, die nächtliche Störung mit dem späteren Sturz von Vingegaard in Verbindung.
Die ITA erklärte hingegen in einer Stellungnahme, dass nächtliche Kontrollen für ein effektives Anti-Doping-Programm und zur Wahrung der „Integrität des Sports“ unerlässlich seien.