Da sein Neffe noch keine Lizenz besitzt: 79-jähriger Onkel übernimmt als Cheftrainer bei diesem Regionalligisten
Berlin – In der Regionalliga gelten eigene Regeln! Beim Nordost-Club Tasmania Berlin bedeutet das, dass Onkel und Neffe gemeinsam an der Seitenlinie agieren (müssen).
Bahman Foroutan ist 79 Jahre alt und arbeitet seit 44 Jahren als Fußballtrainer. Seine Laufbahn begann er im Iran als Nationaltrainer, später war er in Singapur tätig, kehrte danach in den Iran zurück und ist inzwischen in Berlin aktiv.
Nebenbei studierte Foroutan Filmregie, arbeitete als Regisseur und zog seine Tochter Melika (49, Schauspielerin) groß.
Aktuell nimmt er jedoch die wohl ungewöhnlichste Rolle seiner Karriere bei Regionalliga-Aufsteiger Tasmania Berlin ein, indem er seinen Neffen Pardis Fardjad-Azad (38) bei dessen ersten Schritten als Trainer unterstützt.
Grundsätzlich ist der ehemalige Profi Fardjad-Azad (mit sechs Länderspielen für Aserbaidschan) der Hauptverantwortliche an der Seitenlinie. Allerdings fehlt ihm für die vierte Liga die erforderliche A-Lizenz, über die sein Onkel Bahman seit vielen Jahren verfügt.
Am Spieltag sieht das dann so aus: Foroutan steht offiziell als Trainer im Spielbericht, während Fardjad-Azad die taktischen Anweisungen auf dem Platz gibt.
Dieses Modell funktionierte zwei Jahre lang in der Oberliga so gut, dass das ungewöhnliche Trainerduo nun den Aufstieg in die renommierte Regionalliga Nordost geschafft hat.
Allerdings zeigt sich die Regionalliga von einer anderen Seite: Tasmania musste in den ersten drei Spielen Lehrgeld zahlen – die Ergebnisse lauteten 1:5, 0:2 und 0:6.
Top-Neuzugang Erich Berko (31), der mehrere Jahre in der 2. Liga spielte, erklärte bei OSTSPORT.TV offen: „Nach den ersten drei Spieltagen hatten wir das Gefühl, dass wir eigentlich nicht konkurrenzfähig sind. Einige Freunde schrieben mir, dass es bei uns schon ziemlich düster aussieht.“
Auch Teamchef Fardjad-Azad gestand ein: „Wenn du drei Partien hintereinander so verlierst, ist es natürlich schwierig, die Köpfe der Spieler wieder aufzurichten.“
Doch die Mannschaft zeigte sich in der Trainingswoche geschlossen und präsentierte sich im darauffolgenden Spiel am Samstag als geschlossene Einheit. Gegen den Abstiegskonkurrenten Luckenwalde drehte Tasmania einen Rückstand und siegte letztlich mit 3:2.
Fardjad-Azad zeigte sich erleichtert: „Das war ein enorm wichtiger Erfolg. Meine Mannschaft hat kämpferisch überragend gespielt.“
Sein Onkel Bahman Foroutan agierte im Hintergrund und dürfte seinem Neffen mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Er hat bereits schwierige Lebensphasen hinter sich:
1979 flüchtete seine Familie im Zuge der iranischen Revolution nach Deutschland.