Baumgart zum Union-Aus: „Für mich war das nicht notwendig“
Berlin – Nach seinem Abschied beim HSV erlebte Steffen Baumgart (54) nun auch bei einem weiteren Herzensklub eine Enttäuschung: Mitte April musste er bei Union Berlin seinen Posten räumen. Bis heute fällt es dem leidenschaftlichen Trainer schwer, die Entscheidung nachzuvollziehen.
„Ich war überrascht und auch enttäuscht“, erklärte der 54-Jährige gegenüber der Sport Bild und ergänzte: „Meine Aufgabe war es, den Verein in der Bundesliga zu halten – was mir in der ersten Saison nach meiner Verpflichtung zur Winterpause 2024/25 auch gelang.“
Baumgart übernahm das Amt von Bo Svensson (47) und sicherte den „Eisernen“ mit 40 Punkten und Platz 13 am Saisonende souverän den Verbleib in der Liga. Auch in der darauffolgenden Spielzeit war Union unter seiner Führung, vor allem dank einer starken ersten Saisonhälfte, auf Kurs Richtung Klassenerhalt – das erklärte Ziel der Mannschaft.
„Als ich während der Saison 2025/26 freigestellt wurde, war der Klassenerhalt aus meiner Sicht bereits gesichert“, erklärte Baumgart.
Diese Einschätzung ist jedoch nicht ganz korrekt: Nach der Niederlage mit 1:3 in Heidenheim wurde der Trainer nach dem 29. Spieltag entlassen – obwohl Union immer noch sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatte. Danach übernahm mit Marie-Louise Eta (35) die erste Frau als Interimstrainerin eine Bundesliga-Seitenlinie. Erst am 32. Spieltag sicherte ein 2:2 gegen Köln auch rechnerisch den Klassenerhalt.
Interessant ist, dass selbst die 32 Punkte, die Union bis zu Baumgarts Entlassung gesammelt hatte, für den direkten Ligaerhalt ausgereicht hätten. „Aus meiner Perspektive war die Entscheidung, mich mitten in der Saison zu entlassen, daher überflüssig. Natürlich hatten wir eine schwächere Rückrunde und blieben hinter den Erwartungen zurück. Doch wenn man meint, einen anderen Weg einschlagen zu müssen, um eine neue Entwicklung zu ermöglichen, hätte man das bis zur Sommerpause abwarten und dann handeln können“, so Baumgart weiter.
Besonders auffällig war nicht nur die außergewöhnliche Nachfolgerin Marie-Louise Eta, sondern auch der Zeitpunkt der Trennung: Der Verein verkündete die Entscheidung erst kurz vor Mitternacht, nur wenige Stunden nach dem Abpfiff.
Fakt ist jedoch auch: Im Jahr 2026 erzielte Union unter Baumgart, dessen Vertrag Horst Heldt (56) im Januar noch verlängert hatte, lediglich zwei Siege. Da auch die Konkurrenz im Tabellenkeller schwächelte, geriet Union nie wirklich in Abstiegsgefahr.
Zwischen dem beliebten Trainer und dem traditionsreichen Klub aus Köpenick herrscht trotz der Trennung kein Zerwürfnis. Baumgart fühlt sich dem Verein weiterhin sehr verbunden, bleibt Mitglied und könnte Union künftig auch aus der Distanz unterstützen. Er ist offen für eine neue Herausforderung: „Die Bundesliga ist natürlich spannend, aber auch ein Engagement im Ausland reizt mich sehr.“