Sportexperte zur Erkrankung von Jamal Musiala: „Sein Marktwert wird definitiv sinken!“
Köln/München – In ganz Deutschland sorgt die Gesundheit von Jamal Musiala (23) vom FC Bayern München für große Besorgnis: Nachdem der Offensivspieler innerhalb weniger Tage gleich zweimal auf dem Spielfeld zusammengebrochen war, gab er bekannt, dass er an sogenannten Absencen leidet. Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse (69) von der Deutschen Sporthochschule Köln bewertet die Situation.
Absencen sind kurze Phasen von Bewusstseinsverlust, die meist zwischen fünf und 20 Sekunden andauern. Medizinisch werden sie als eine Form der Epilepsie eingestuft. Musiala selbst beschrieb seine Erkrankung als eine „neurologische Fehlfunktion“.
Grundsätzlich komme diese Krankheit im Profisport „gar nicht so selten“ vor, erläutert Froböse im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Besonders häufig seien jedoch Kinder und Jugendliche davon betroffen.
Im Hochleistungssport existieren seiner Aussage nach diverse Auslöser („Trigger“), die auch bei Erwachsenen eine Absence hervorrufen können. Hierzu zählten unter anderem Hitze, Stress oder Phasen vor Wettkämpfen – genau jene Bedingungen, die Musiala vor seinen kürzlichen Vorfällen erlebt hatte. Zusätzlich könne in Fußballstadien insbesondere das flackernde Licht bei Abendspielen die Anfälle begünstigen.
Für den 23-jährigen Profi könnten die Folgen laut Froböse gravierend sein: „Ich bin überzeugt, dass Gegner und Fans bei Musiala genau diesen empfindlichen Punkt attackieren werden. Sein Marktwert wird garantiert sinken.“
Vor allem psychologisch betrachtet dürfte es für den Spielmacher schwierig werden, wieder an frühere Leistungen anzuknüpfen, da „alle ihn stets besorgt beobachten werden“. Er werde merken, „dass man anders mit ihm umgeht und er auch selbst sensibler und vorsichtiger werden muss“, so der Experte weiter. Froböse ist sich sicher: „Für Musiala wird die mentale und psychologische Herausforderung auf jeden Fall größer sein als die körperliche.“
Falls der 23-Jährige dabei nicht ausreichend psychologisch unterstützt werde, sieht der Wissenschaftler die Situation kritisch: „Scheitert diese Unterstützung, könnte seine Karriere gefährdet sein.“
Der Grund dafür liege darin, dass Stress die Anfälle auslösen könne und der Profi-Fußball ohnehin eine enorme Belastung darstelle. „Vor allem bei Auswärtsspielen, wenn es zu direkten Konfrontationen kommt, benötigt Musiala eine intensive mentale Begleitung“, betont Froböse.
Grundsätzlich profitieren Menschen mit Epilepsie jedoch von sportlicher Betätigung. „Sport stärkt die Resilienz und erhöht die Belastbarkeit“, erklärt der 69-Jährige. Dabei müsse man allerdings zwischen den Sportarten unterscheiden: Ballsportarten, Laufen, Krafttraining oder Mannschaftssport gelten als unproblematisch, während Radfahren und alle Wassersportarten für ihn „absolut tabu“ seien.