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Gravierender Kampfrichter-Fehler trifft Goldhoffnung Neugebauer – Bundestrainer spricht von Wettbewerbsverzerrung

Birmingham (England) – Ein schwerwiegender Patzer bei der Leichtathletik-EM sorgt für Ärger, und ausgerechnet der deutsche Medaillenkandidat im Zehnkampf, Leo Neugebauer (26), ist einer der Betroffenen! Beim Stabhochsprung verschwendeten mehrere Athleten unnötig viel Energie für einen Sprung, da die Verantwortlichen versäumt hatten, die Latte tatsächlich auf die vorgesehene Höhe zu setzen.

Neugebauer, der nach sieben von zehn Disziplinen das Feld mit deutlichem Vorsprung anführt, sein Landsmann Amadeus Gräber (21) sowie fünf weitere Zehnkämpfer in der Stabhochsprung-Gruppe B waren zunächst überzeugt, die 4,80 Meter gemeistert zu haben.

Im Alexander Stadium in Birmingham entbrannten daraufhin heftige Debatten, bei denen Kampfrichter, Trainer und Athleten zusammenkamen. Kameras filmten, wie Gräber die Szene mit Kopfschütteln verließ.

Mehrkampf-Bundestrainer Jörg Roos (60) erklärte im ZDF die Ursache: „Bei den Versuchen auf 4,80 Meter wurde die Latte an der Stelle zur Kurve hin nicht auf 4,80, sondern nur auf 4,70 Meter eingestellt. Somit ließen sie viele Athleten bei offiziell 4,80 Meter springen, obwohl die Höhe tatsächlich nur 4,70 betrug. Diese Sprünge werden nicht gewertet, sie müssen alle erneut auf 4,80 Meter antreten.“

Am Donnerstag herrschten im Alexander Stadium Temperaturen von über 35 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

Bundestrainer Roos zeigte sich daher besonders verärgert über den Fehler der Veranstalter: „Unter diesen Wetterbedingungen ist das natürlich fatal und stellt meiner Ansicht nach eine klare Wettbewerbsverzerrung dar.“

Auch beim ZDF stieß der Fehler erwartungsgemäß auf Kritik.

ZDF-Reporter Fabian Meseberg kommentierte: „Ein peinlicher Fehler der Kampfrichter, dass das nicht bemerkt wurde. Fehler passieren zwar, aber bei einer Europameisterschaft zu übersehen, wie hoch die Latte wirklich liegt, ist kein Ruhmesblatt für die Organisatoren.“

Kurze Zeit davor hatte Michael Kühnke (53), leitender Bundestrainer im Bereich Stabhochsprung, erläutert, dass Zehnkämpfer ihre beste Leistung meist bei den sechsten bis achten Anläufen bringen, da sie ihre Kräfte sorgfältig einteilen müssen. Neugebauer, Gräber und fünf weitere Athleten erreichten ihr Leistungsmaximum somit deutlich früher als erwartet.

Ob es an dem zusätzlichen Versuch, dem psychischen Druck durch das Hin und Her oder anderen Faktoren lag, ist unklar. Fakt ist, dass Neugebauer bei seinen drei darauf folgenden Versuchen nicht mehr die tatsächlichen 4,80 Meter überquerte – und das, obwohl seine persönliche Bestleistung bei 5,30 Metern liegt. Ein schwerer Rückschlag im Kampf um den EM-Titel für „Leo the German“!

Der Weltmeister reichte daraufhin Einspruch ein, der zunächst abgelehnt wurde. Unter Vorbehalt bekam Neugebauer jedoch einen weiteren Versuch zugesprochen, bei dem er sogar 4,90 Meter übersprang. Glücklicherweise gab die Jury seinem Protest schließlich doch statt, strich einen Fehlversuch und erkannte die 4,80 Meter an. Damit ist der Topfavorit offiziell weiter im Wettbewerb.