Sport treiben, helfen, züchten und lernen: Fakten zum Vereinsleben in Sachsen
Dresden – Oft werden Vereine mit altmodischer Spießigkeit in Verbindung gebracht. Dennoch bilden sie das verbindende Element unserer Gesellschaft. Sachsen gilt dabei nicht selten als Vorreiter im deutschen Vereinswesen: Hier entstanden Bewegungen wie die Kleingärtner, die Freiwilligen Feuerwehren oder Tierzuchtvereine. Da das größte sächsische Vereinsfest – der Tag der Sachsen – dieses Jahr pausiert, werden die Ehrenamtlichen und Freiwilligen an dieser Stelle mit einer vielfältigen Statistik gewürdigt.
In Sachsen sind aktuell 30.155 Vereine offiziell registriert, wovon 19.553 im ländlichen Raum angesiedelt sind. Das entspricht einer Vereinsdichte von 7,3 Vereinen pro 1000 Einwohner – 1995 lag dieser Wert noch bei 4,4. Von einem Rückgang der Vereinslandschaft kann somit kaum die Rede sein. Das Engagement der Sachsen konzentriert sich hauptsächlich auf die Sektoren Kultur (20 Prozent), Sport (19 Prozent) und Bildung (ebenfalls 19 Prozent). Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sind Freizeit, Geselligkeit und soziale Dienste in Sachsen etwas stärker vertreten.
Mit einer Median-Mitgliederzahl von 37 sind die sächsischen Vereine im bundesweiten Vergleich (68 Mitglieder) eher klein. Deshalb sind hierzulande mehr aktive Mitwirkende als passive Teilnehmer gefragt: Über 800.000 Sachsen, das entspricht 35,2 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, engagieren sich ehrenamtlich. Für die Förderung der freiwilligen Arbeit stehen im aktuellen Doppelhaushalt elf Millionen Euro bereit – eine Summe, die eher als symbolisch zu betrachten ist.
Rund 25.000 engagierte Menschen haben sich im Sozialministerium die Ehrenamtskarte abgeholt, die mittlerweile auch als App verfügbar ist. Sie bietet Vergünstigungen von zehn bis 50 Prozent in teilnehmenden Museen, Freibädern, Theatern, Kinos und Geschäften. Neue Partner sind inzwischen sogar Restaurants. Voraussetzung ist eine Vereinsbestätigung, dass man seit mindestens zwei Jahren wöchentlich im Durchschnitt drei Stunden freiwillig tätig ist.
Die „Privilegierte Schützengesellschaft“ in Radeberg wurde im Jahr 1226 gegründet und gilt damit als der älteste dokumentierte Verein Sachsens. 1377 folgte die Gründung der Görlitzer Schützengilde. Heute zählt der Sächsische Schützenbund e.V. 359 Mitgliedsvereine mit insgesamt über 17.500 Mitgliedern.
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18,5 Prozent der sächsischen Bevölkerung – das sind 749.547 Personen – sind in einem der 4.312 Sportvereine organisiert. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Mitgliederzahl um 3,2 Prozent. Die größte Gruppe bilden mit 261.419 Mitgliedern Kinder und Jugendliche. Leider ist die Zahl der ehrenamtlichen Helfer seit 2019 um zehn Prozent auf 86.630 zurückgegangen.
In Sachsen gibt es 61 Großsportvereine mit über 1.000 Mitgliedern. Mit 39.595 Mitgliedern steht Dynamo Dresden an der Spitze (wobei die Mehrheit vermutlich nicht aktiv Sport treibt), gefolgt vom Sächsischen Bergsteigerbund (10.512) und Erzgebirge Aue (9.362). Insgesamt widmen sich 1.037 Abteilungen dem Fußball, danach folgen Volleyball (774), Gymnastik (616) und Tischtennis (604). Der älteste sächsische Sportverein ist der TV 1840 Falkenstein im Vogtland.
Mit fünf Kleingärten pro 100 Einwohner liegt Sachsen deutschlandweit an der Spitze. Kein Wunder, denn die Schrebergarten-Idee nahm 1864 in Leipzig ihren Ursprung. Im aktuellen Städte-Ranking nach Kleingartenflächen liegen Berlin (66.000), Leipzig (39.000), Hamburg (32.000) und Dresden (25.000) an der Spitze. Der Landesverband zählt 182.083 Mitglieder.
Das Sächsische Rote Kreuz wird von rund 93.000 Fördermitgliedern unterstützt. Mehr als 15.700 aktive Ehrenamtliche sind in Bereitschaften, Wasserwacht, Bergwacht, Jugendrotkreuz und sozialer Arbeit engagiert.
Die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen verfügt über 30.000 ehrenamtlich Tätige. Auch Organisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund (71.000 Mitglieder) und die Volkssolidarität (24.400) setzen sich für soziale Anliegen ein.
Die erste freiwillige Feuerwehr Deutschlands nach modernem Verständnis wurde 1841 in Meißen gegründet. Heute leisten mehr als 45.000 Frauen und Männer in den sächsischen Feuerwehren ehrenamtlich ihren Beitrag für Sicherheit und Schutz der Bevölkerung. Hinzu kommen fast 20.000 engagierte Kinder und Jugendliche sowie 12.000 langjährige Mitglieder in den Ehrenabteilungen.
Der Rassegeflügelzüchter-Verband e.V. feiert 2027 sein 175-jähriges Jubiläum. Der erste „Hühnerologische Verein“ Deutschlands entstand 1852 in Görlitz. Auch bei der Zucht von Rassekaninchen waren die Sachsen Vorreiter (1880 in Chemnitz). Allerdings ist das Hobby der Kleintierzucht aufgrund von Überalterung und Nachwuchsmangel stark rückläufig.
Mit etwa 849.000 Mitgliedern ist der ADAC, rechtlich gesehen ebenfalls ein eingetragener Verein, vermutlich der mitgliederstärkste Verein im Freistaat. Für die Beitragszahler steht dabei weniger das gesellschaftliche Miteinander im Vordergrund, sondern vor allem die Pannenhilfe.
In Sachsen existieren mehr als 101 weitere Vereinszwecke, die an dieser Stelle nicht erwähnt wurden, aber dennoch von Bedeutung sind – darunter Heimatforschung, Chöre, Brauchtumspflege, Ortsverschönerung und Natur- beziehungsweise Umweltschutz.
In vielen Bereichen engagieren sich die Sachsen ehrenamtlich meist im Verborgenen und tragen ohne Erwartung einer Anerkennung wertvoll zum Gemeinwohl bei.