Sabotierte Gewichtheberin äußert sich zu erschütterndem Rassismus-Skandal: „Ich fühle mich verunsichert“
Litauen/Belgien – Ein Skandal im Sport sorgt für Entsetzen: Bei der Weltmeisterschaft in Litauen wurde die belgische Gewichtheberin Sonita Muluh (30) disqualifiziert, nachdem ein Spotter, der eigentlich zur Sicherung neben ihr stehen sollte, ihre Hantel mit dem Knie berührte. Später gab der Mann an, die schwarze Athletin absichtlich behindert zu haben – aus rassistischen Motiven. Die betroffene Sportlerin spricht nun erstmals öffentlich über den Vorfall.
„Der Gedanke, dass diese Person mit so einer enormen Last direkt neben mir steht, macht mich unsicher und unwohl“, erzählte die 30-Jährige im Interview mit der „BBC“. „Es ist kaum vorstellbar, was alles hätte schiefgehen können bei diesem Gewicht auf meinem Rücken.“
Muluh berichtete, sie habe großes Glück gehabt, dass sie das Gewicht trotz der Berührung durch das Knie stabilisieren konnte. „Nicht jeder hätte das geschafft – immerhin war es der schwerste Hebeversuch, den jemals eine Frau unternommen hat.“
Am 21. Juni in Druskininkai versuchte die Belgierin einen Weltrekord mit 334,5 Kilogramm, doch die Hantel kam dabei an das Knie eines Spotters. Die Jury sprach daraufhin eine Disqualifikation aus und verweigerte trotz heftiger Einwände des Trainers eine Wiederholung des Versuchs.
Zunächst wertete die Gewichtheberin den Vorfall als unglücklichen Zufall, doch kurze Zeit später meldete sich der besagte Spotter mit einer erschreckenden Botschaft auf Instagram zu Wort.
„Tut mir leid für euch Idioten, aber ich bin Rassist und habe das absichtlich gemacht, weil ich euch Dreckstücke hasse“, schrieb der Mann.
„Ich ging davon aus, dass es ein ehrlicher Fehler war“, erklärte Muluh rückblickend. „Ich habe ihn nicht beleidigt oder aggressiv reagiert. Als das Video kursierte, hoffte ich, dass er keine Hasskommentare bekommt.“
„Eine Entschuldigung gab es nicht, aber die hat er auch nicht zu geben“, fügte die Belgierin hinzu. „Fünf Wochen später erfuhr ich von seiner Nachricht.“
Wie „Reuters“ berichtet, hat die litauische Polizei am Montag mit den Ermittlungen in diesem Fall begonnen. Dem Mann namens Ernestas Kusinas droht wegen verschiedener Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Instagram-Post und seinem Verhalten bei der WM eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren.
In einer Stellungnahme gegenüber der Presse verteidigte sich der Spotter, indem er erklärte, die Nachricht sei eine sarkastische Reaktion auf die gegen ihn erhobenen Rassismus-Vorwürfe gewesen. „Ich habe ihnen genau das gegeben, was sie hören wollten“, wurde er zitiert.
Muluh hingegen fordert Veränderungen: „Ich bin der Meinung, dass bei solchen Veranstaltungen Hintergrundprüfungen notwendig sind. Wenn ich mein Leben in die Hände eines anderen gebe, sollte gewährleistet sein, dass diese Person geeignet ist, mich zu schützen.“
„Doch sie haben mich im Stich gelassen und dadurch mein Leben gefährdet“, kritisierte die Athletin abschließend.