FSV-Sportdirektor Lenk vor dem Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Club: „Die Entwicklung der letzten vier Jahre schmerzt jeden, der involviert war“
Zwickau/Aue – Das Bezirksduell ist ein ausgeglichenes Aufeinandertreffen, jedoch anders verlaufen als von den Verantwortlichen ursprünglich erhofft. Erzgebirge Aue belegt aktuell den achten Tabellenplatz, der FSV Zwickau folgt unmittelbar dahinter. Beide Seiten zeigen sich ernüchtert, doch im Erzgebirgsstadion ist die Stimmung deutlich angespannter als in der Robert-Schumann-Stadt.
Die momentane sportliche Position entspricht bei beiden Klubs nicht den Erwartungen. In Zwickau zieht man eine erste Zwischenbilanz und stellt klar: „Mit Blick auf unsere bewusst zurückhaltende Finanzplanung und die vorherige Einschätzung stellt diese Situation keine völlige Überraschung dar.“
Gleichzeitig betonen die Vereinsverantwortlichen aber: „Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Team sein vorhandenes spielerisches Potenzial sowie die möglichen Punkte bislang nicht vollständig abrufen konnte. Ganz ehrlich: In diesen Punkten hatten wir uns alle ein wenig mehr erhofft – Spieler, Management und Fans gleichermaßen.“
André Beuchold, Geschäftsführer des FSV, hatte zu Beginn der Saison betont, man wolle sich nicht am finanziellen Wettlauf beteiligen. Deshalb wurde das Budget für die erste Mannschaft laut TAG24-Informationen lediglich um 15 Prozent auf etwa 1,5 Millionen Euro erhöht.
Ganz anders sieht die finanzielle Situation beim Drittliga-Absteiger aus Aue aus. Dort wurde im Frühjahr ein Gesamtetat von rund zehn Millionen Euro angekündigt, wovon circa drei Millionen Euro in den Profikader investiert werden – wie unter anderem der MDR berichtete und was auch TAG24 bestätigen konnte. Aufgrund dieser finanziellen Ausstattung und der Ankündigung von Kaderplaner Steffen Ziffert (62), dass der Aufstieg das Ziel ist, gilt Aue als einer der Favoriten in der Liga.
Seit 2023 bekleidet Robin Lenk (42) die Position des Sportdirektors beim FSV Zwickau. Zuvor war er Co-Trainer unter Joe Enochs (55). Bekannt wurde er vor allem durch seine langjährige Tätigkeit als Assistenztrainer bei den „Schachtern“, unter anderem bei Pavel Dotchev (61) und Domenico Tedesco (41).
Er kennt den Verein sehr gut und kann die aktuelle Gemengelage vor dem Derby gut einschätzen.
„Aue ist ein traditionsreicher und stolzer Club, der das erreicht hat, wovon viele ostdeutsche Vereine nach der Wende träumten. Man hat sich in der 2. Bundesliga etabliert – auch weil man auf sportlicher wie administrativer Ebene die richtigen Entscheidungen traf“, erklärt Lenk.
Er fügt hinzu: „Die Entwicklung, die der Verein in den letzten vier Jahren durchgemacht hat, tut wirklich jedem weh, der jemals für diesen Club tätig war. Das lässt sich nicht leugnen.“
Aufgrund der jüngsten Resultate steht Aue aktuell auf einem vergleichbaren Punkt wie zu Pfingsten, als es ins Pokalfinale gegen die „Schwäne“ ging. Ein Sieg im Derby könnte vieles wieder kitten. Das wissen sie in Zwickau-Eckersbach, insbesondere nach der Finalniederlage im Mai, die noch immer nachwirkt.
Lenk sagt: „Wir treffen auf einen Gegner, der alles daran setzen wird, dieses Spiel nicht auch noch zu verlieren. Ich gehe davon aus, dass sie diesmal mit einer anderen Einstellung auflaufen werden. Gleichzeitig sind wir gefordert, selbstbewusst aufzutreten und dem Gegner so das Leben so schwer wie möglich zu machen.“