Push-up-BH-Debatte bei der Tour de France der Frauen: Zunächst Betrugsvorwürfe, anschließend Diskussionen um BH-Kontrollen
Dijon (Frankreich) – Eine ungewöhnliche Kontroverse überschattet derzeit die Tour de France der Frauen: Unter den Teilnehmerinnen gab es offenbar erhebliche Bedenken, dass einige Fahrerinnen Push-up-BHs nutzen könnten, um ihre Aerodynamik zu verbessern. Daraufhin reagierte der Weltverband mit Kontrollen, die jedoch neue Diskussionen entfachten.
Vor dem Einzelzeitfahren in Dijon hatten mehrere Fahrerinnen Anschuldigungen wegen Betrugs erhoben und sich über die Arbeitskleidung ihrer Konkurrentinnen beklagt, wie unter anderem die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ berichtete.
Als Reaktion darauf führte die UCI am Startpunkt in Gevrey-Chambertin spezielle Überprüfungen durch, bei denen eine Kommissarin des französischen Verbandes die Kleidung der Athletinnen genau inspizierte. Veränderungen am Körperbau der Fahrerinnen sind laut den Wettkampfregeln nicht erlaubt.
Im Rahmen der Kontrollen mussten die Sportlerinnen teilweise ihre Westen und Trikots öffnen; bei Verdachtsmomenten wurden sie zur weiteren Begutachtung in ein Zelt gebeten. Bemerkenswert war jedoch, dass – entgegen der vorherigen Ankündigung des Weltverbandes – auch ein männlicher Offizieller bei der Untersuchung anwesend war.
„Als Frau empfinde ich das als ziemlich einschüchternd, insbesondere da die Umgebung dabei nicht privat ist“, äußerte die ehemalige Fahrerin und TV-Expertin Ine Beyen (39) während der Übertragung bei „Sporza“.
Die belgische Starterin und zweifache Straßenweltmeisterin Lotte Kopecky (30) hinterfragte anschließend sogar den Zweck der Kontrollen: „Meiner Meinung nach sollte es erlaubt sein, wenn eine Frau bei einem Zeitfahren einen Push-up-BH trägt. Ich habe nicht den Eindruck, dass dieser übermäßig genutzt wird.“
Tatsächlich erklärte der Aerodynamik-Experte Bert Blocken kürzlich gegenüber dem Portal „WielerFlits“, dass eine größere Brust den Luftstrom um den Körper beeinflusse und den Überdruck auf die Oberschenkel verringere, was letztlich den Luftwiderstand reduziere.
Eine von ihm im Jahr 2024 durchgeführte Studie kam sogar zu dem Ergebnis, dass bei optimalem Einsatz ein Zeitvorteil von mindestens 0,78 Sekunden pro Kilometer erzielt werden könne.
Die UCI will an den stichprobenartigen Kontrollen festhalten, kündigte jedoch an, künftig ausschließlich weibliche Kommissarinnen für diese Untersuchungen einzusetzen, wie der Weltverband gegenüber der Fahrergewerkschaft CPA versicherte.
„Es ist bedauerlich, dass eine eigentlich routinemäßige technische Überprüfung international für Schlagzeilen und öffentliche Debatten sorgt“, kommentierte CPA-Women-Vorsitzende Alessandra Cappellotto (57) in einer Stellungnahme.