Auch der DLV reagiert: Deutschlands schnellster Sprinter wehrt sich gegen drohende Sperre wegen Dopingvorwürfen!
Hamburg – Schlechte Nachrichten für Owen Ansah (25): Dem deutschen Sprint-Rekordhalter vom HSV droht eine harte Strafe. Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) fordert eine Sperre von vier Jahren, da dem gebürtigen Hamburger vorgeworfen wird, eine Dopingkontrolle verweigert zu haben. Ansah wehrt sich jedoch vehement gegen die Anschuldigungen.
Wie die NADA am Freitag offiziell mitteilte, liegt mittlerweile ein Bescheid über die Sanktion vor. Entscheidet sich der 25-Jährige, die Strafe anzunehmen, reduziert sich diese automatisch auf drei Jahre – was für den Leichtathleten dennoch eine erhebliche Belastung darstellt.
Zusätzlich sieht die Strafe vor, dass alle Ergebnisse seit dem 9. Juli annulliert werden – jenem Tag, an dem die Kontrolle stattgefunden haben soll. Dadurch würde Ansah seine kürzlich gewonnenen Deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter verlieren.
Über seinen Anwalt ließ der Sportler bereits verlauten, dass er diese Sanktion nicht ohne Gegenwehr hinnehmen werde.
Der deutsche Rekordhalter über 100 Meter soll laut NADA unmittelbar vor seiner Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco am 9. Juli trotz Aufforderung eines Kontrolleurs keine Probe abgegeben haben.
Ansah erklärte daraufhin, dass er kurzfristig als Nachrücker ins Starterfeld gerutscht sei und sich gerade auf dem Weg zum Flughafen befunden habe, als der Kontrolleur außerhalb seines angegebenen Zeitfensters Kontakt zu ihm aufgenommen habe. Außerdem habe er kurz zuvor eine Toilette aufgesucht.
Sportler im Testpool müssen täglich eine 60-minütige Zeitspanne angeben, in der sie für unangekündigte Kontrollen bereitstehen.
„Unser Mandant Owen Ansah hat sich zu keinem Zeitpunkt einer Dopingkontrolle entzogen. Er hat nie die Abgabe einer Probe verweigert oder den Eindruck erweckt, eine solche Kontrolle nicht mitzumachen“, erklärte sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh.
Formal verbleiben dem Sprinter 20 Tage, um die Sanktion zu akzeptieren oder den Fall vor das Sportschiedsgericht zu bringen. Aufgrund der Stellungnahme aus Ansahs Umfeld ist eine gerichtliche Auseinandersetzung wohl unvermeidlich.
Bislang wurde Ansah im Zuge der NADA-Vorwürfe nicht suspendiert, weshalb er aktuell noch zum deutschen Team für die bevorstehende Leichtathletik-EM vom 10. bis 16. August in Birmingham (England) gehört.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) reagierte inzwischen und kündigte eine Einschränkung an: „Nach Rücksprache mit dem Trainerstab und den Athleten sowie zur Schaffung von Klarheit hier in Birmingham haben wir beschlossen, dass Owen Ansah wie geplant über 100 und 200 Meter antreten wird, aber nicht bei den Staffelrennen startet“, erklärte Vorstand Jörg Bügner in einer Stellungnahme.
Mit diesem Schritt möchte der Verband vermutlich eine mögliche nachträgliche Disqualifikation bei Wettbewerben vermeiden, an denen weitere deutsche Sprinter beteiligt sind. Der DLV betont jedoch weiterhin, „hinter Owen Ansah zu stehen“.
Trotz der drohenden Hiobsbotschaft will der 25-Jährige an der EM teilnehmen. „Ich kann gut abschalten“, sagte Ansah am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. „Ich habe große Lust zu laufen, freue mich sehr und bin stolz, Deutschland vertreten zu dürfen.“
Erstmeldung: 13:12 Uhr, zuletzt aktualisiert: 15:07 Uhr.