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„Als würde man dem Tod in wenigen Tagen entgegensehen“: Olympia-Sprinterin verbringt 22 Stunden täglich im Bett

Großbritannien – Noch im Jahr 2021 lief Beth Dobbin (32) für das Vereinigte Königreich bei den Olympischen Spielen in Tokio und hält bis heute den schottischen Frauenrekord über 200 Meter. Von der einstigen Spitzensportlerin ist jedoch kaum noch etwas übrig geblieben. Heutzutage verbringt die 32-Jährige oft mehr als 22 Stunden am Tag liegend im Bett.

Bei der ehemaligen Leichtathletin wurde das myalgische Enzephalomyelitis/Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) diagnostiziert, wie sie kürzlich in einem Interview mit der BBC berichtete.

Diese Erkrankung ist eine chronische Multisystemerkrankung mit vielfältigen Symptomen, die bislang nur unzureichend erforscht ist und häufig nicht erkannt oder unzureichend behandelt wird – so auch bei Dobbin über lange Zeit.

Nach zwei aufeinanderfolgenden Infektionen im Winter 2021/22 – zunächst Corona, danach das Pfeiffersche Drüsenfieber – verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand kontinuierlich. Anfangs schlief sie nur noch viel und fühlte sich kraftlos, später kamen starke Schmerzen hinzu. Schließlich war sie kaum noch in der Lage zu stehen.

Vor der endgültigen Diagnose standen zahlreiche Fachärzte ratlos da – oder zögerten, die Krankheit offiziell festzustellen, da es weder ein Heilmittel noch eine wirklich wirksame Therapie gibt.

„Es fühlt sich an, als hätte man nur noch wenige Tage zu leben“, beschrieb die Britin ihre Lage. Stehen, Sitzen oder Sprechen rauben ihr jede Energie. In diesem Jahr verließ sie das Haus gerade einmal fünf Mal. Selbst das 30-minütige BBC-Interview könnte sich laut ihr noch bis 2027 negativ auf ihre Gesundheit auswirken. „Aber es war mir wichtig, diese Botschaft zu verbreiten“, betonte sie.

Den Begriff „Chronisches Fatigue-Syndrom“ empfindet Dobbin als irreführend, da er das tatsächliche Leiden der Betroffenen nicht angemessen darstelle.

„Ich wünschte, es wäre nur Müdigkeit, das wäre vergleichsweise einfach“, erklärte sie. „Es ist so viel mehr als das. Würde ich eine Rangliste meiner Symptome erstellen, käme Müdigkeit vielleicht gerade noch aufs Treppchen.“

Die Erkrankung habe ihr Leben komplett zerstört. Sie habe ihre Selbstständigkeit verloren und könne weder arbeiten noch Sport treiben. Zumindest ihre Familie stehe ihr noch bei.

„Ich will ihr so sehr helfen, aber ich kann nichts tun, weil es keine Behandlung gibt. Ich würde sie überall hinbringen, selbst bis nach Amerika, doch es gibt nichts“, schilderte ihr Vater, der frühere Fußballprofi Jim Dobbin (63). „Man wacht jeden Morgen traurig auf. Sie sollte ihr bestes Leben leben“, ergänzte ihre Mutter.

Auch ihre Zukunftsaussichten erscheinen der 32-Jährigen „düster“. Allerdings widmen sich Forscher und Mediziner inzwischen – sechs Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie – intensiver der Krankheit. ME/CFS gilt als die schwerste Form von Long-Covid; beide Krankheitsbilder weisen viele Gemeinsamkeiten auf.

„Ich hoffe sehr, dass es bald wirksame Behandlungsmöglichkeiten geben wird“, sagte Dobbin.

Wenn Ihr mehr über ME/CFS erfahren möchtet, findet Ihr weiterführende Informationen und Erfahrungsberichte von Betroffenen in unserem Artikel zu diesem Thema.