Vor 44 Jahren: Dieses WM-Spiel sorgt noch immer für Unverständnis
Am 25. Juni 1982, also heute vor 44 Jahren, ereignete sich eine der umstrittensten Begegnungen in der Geschichte des deutschen Fußballs. Das Vorrundenduell zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Österreich bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 in Spanien wird häufig als die „Schande von Gijón“ bezeichnet.
Weitere bedeutende sportliche und historische Ereignisse lassen sich unter der Rubrik „Heute vor ... Jahren“ nachlesen.
Die Ausgangssituation in Gruppe 2 – mit Österreich, der BR Deutschland, Algerien und Chile – war vor dem letzten Spieltag besonders spannend.
Nach den bisherigen Ergebnissen stand fest, dass ein Sieg der Deutschen mit einem Tor Unterschied oder zwei Toren Vorsprung beiden Mannschaften, Deutschland und Österreich, den Einzug in die nächste Runde sichern würde. Ein höheres Resultat hätte die Lage verändert.
Zudem war auch das algerische Team noch indirekt betroffen, da dessen frühere Resultate die Gruppenkonstellation beeinflussten. Algerien hatte sein letztes Vorrundenspiel gegen Chile bereits am Tag zuvor gewonnen.
Im besagten letzten Gruppenspiel erzielte Horst Hrubesch früh das 1:0 für Deutschland. Danach änderte sich das Spielgeschehen deutlich: Das Tempo ließ nach, Offensivaktionen wurden rarer und die Mannschaften gingen weniger Risiko beim Spielaufbau ein.
Beide Teams agierten zunehmend kontrolliert im Mittelfeld. Statt mutiger Vorstöße dominierten sichere Pässe und wenig überraschende Abläufe. Diese Phase blieb bis zum Schlusspfiff bestehen, ohne weitere Tore.
Der Begriff „Nichtangriffspakt“ beschreibt keine offiziell bestätigte Absprache zwischen den beiden Mannschaften, sondern ist eine spätere Deutung des passiven Spielverlaufs nach der deutschen Führung.
Hintergrund war, dass das Resultat beiden Teams zum Weiterkommen in die K.o.-Runde genügte. Somit ergab sich eine Situation, in der ein sportliches Risiko kaum Vorteile brachte.
Nach dem Spiel gab es heftige Kritik: Fans im Stadion pfiffen, und internationale Medien sprachen von einer Verzerrung des Wettbewerbs. Besonders beanstandet wurde, dass nach der Führung der Deutschen kaum noch offensive Bemühungen zu sehen waren.
Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) zog aus diesem Spiel Konsequenzen und führte bei späteren Turnieren Regeländerungen ein. Seit der Europameisterschaft 1984 werden die letzten Gruppenspiele einer Vorrunde gleichzeitig angesetzt.
Dies soll verhindern, dass Ergebnisabsprachen oder taktisch abgestimmtes Verhalten durch Kenntnis des Spielstands möglich sind.
Bis heute gilt diese Begegnung als Beispiel dafür, wie Tabellenkonstellationen das Verhalten auf dem Spielfeld beeinflussen können. Die „Schande von Gijón“ beziehungsweise der „Nichtangriffspakt“ ist somit weniger ein klassischer Skandal, sondern vielmehr ein Wendepunkt, der zu wichtigen Regelanpassungen im internationalen Fußball führte.