Neuer Rückschlag nach WM-Aus: DFB-Zentrale im Zuge von Polizeirazzia durchsucht
Köln/Frankfurt/Bochum – Nur wenige Tage nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft trifft den DFB ein weiterer schwerer Schlag: Im Rahmen einer bundesweiten Durchsuchung hat das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) auch die Zentrale des weltweit größten Sportverbands in Frankfurt am Main unter die Lupe genommen. Im Fokus steht die Europameisterschaft 2024, die in Deutschland stattfinden wird.
„Die Ermittlungen beziehen sich mutmaßlich auf nicht genehmigte Vorteile, die unter anderem in Form eines Besuchs eines Fußballländerspiels gewährt worden sein sollen. Ein damals in einer Gastgeberstadt tätiger Beschuldigter soll diese Vorteile von Verantwortlichen der Veranstaltergesellschaft erhalten haben“, erklärten die Staatsanwaltschaft Bochum und das LKA NRW am Mittwochmorgen.
Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass den Gastgeberstädten von Verantwortlichen der „Euro 2024 GmbH“ – einem Gemeinschaftsunternehmen von DFB und UEFA, das von der DFB-Zentrale aus die Ausrichtung der EM koordinierte – exklusive Vorkaufsrechte für Eintrittskarten eingeräumt wurden. Diese Rechte seien von einigen Städten genutzt und unterschiedlich verwendet worden.
NRW-Innenminister Herbert Reul (73, CDU) äußerte sich im Zusammenhang mit der Razzia gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) folgendermaßen: „Ein Fußballticket gehört nicht zum Gehalt. Wer im öffentlichen Dienst solche Vorteile annimmt, muss mit einem Besuch von uns rechnen.“
Großveranstaltungen wie die Europameisterschaft leben vom Vertrauen der Bevölkerung sowohl in den Sport als auch in die zuständigen Behörden, betonte Reul und stellte klar: „Wir werden es nicht zulassen, dass dieses Vertrauen durch einige Einladungen und Eintrittskarten beschädigt wird. Der Verdacht ist ernst und wird daher umfassend aufgeklärt.“ Die Ermittler des LKA arbeiteten „gründlich, sachlich und ohne Rücksicht auf Personen“.
Nach Informationen der BILD richten sich die Anschuldigungen unter anderem gegen einen 66-jährigen Deutschen und einen 46-jährigen Franzosen.
Neben dem Hauptsitz des DFB in Frankfurt wurden auch Rathäuser und Kommunalverwaltungen der damaligen Austragungsstädte kontrolliert – darunter Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Hamburg, München, Berlin und Stuttgart. In Leipzig wurde zudem ein sogenanntes Herausgabeersuchen bei der Stadtverwaltung vollstreckt.
Dem Bericht zufolge war der 46-Jährige bei der „Euro 2024 GmbH“ für den Kontakt zu den Austragungsorten verantwortlich und hatte in diesem Zusammenhang städtische Mitarbeiter zu Spielen eingeladen. Zu den eingeladenen Personen soll auch der 66-jährige Mann aus Gelsenkirchen gehören, der zum Halbfinalspiel zwischen Spanien und Frankreich nach München eingeladen worden sein soll.
Auf Nachfrage von TAG24 wollte sich die Staatsanwaltschaft Bochum wegen der laufenden Ermittlungen vorerst nicht weiter zu den Maßnahmen äußern. Am Vormittag bestätigten jedoch Sprecher der Staatsanwaltschaft sowie des DFB, dass im DFB-Campus eine Durchsuchung stattgefunden hat. Ein DFB-Sprecher stellte jedoch klar, dass sich die Ermittlungen nicht gegen den Verband selbst richten.
An der Aktion waren neben den Ermittlern der Staatsanwaltschaft Bochum und des LKA NRW auch Beamte der örtlichen Polizeidienststellen beteiligt. Bisher hatten die Beschuldigten laut Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Bislang gilt die Unschuldsvermutung.
Erstmeldung: 1. Juli, 10:31 Uhr; zuletzt aktualisiert: 1. Juli, 11:49 Uhr