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Langjähriger Missbrauch junger Turnerinnen: Landessportbund Thüringen fordert deutlichen Kurswechsel

Von Sebastian Haak

Erfurt/Weimar – Als Reaktion auf den jahrelangen Missbrauch junger Turnerinnen beim HSV Weimar verlangt der Landessportbund Thüringen (LSB) eine grundlegende Veränderung der Kultur im organisierten Sport.

Nadin Czogalla, Geschäftsführerin für Sportentwicklung beim LSB, betonte in Erfurt, dass es eine echte Bereitschaft geben müsse, bei Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs konsequent hinzuschauen. Am Freitagabend wurde dort ein Bericht zur Aufarbeitung des Vorfalls rund um den HSV Weimar präsentiert.

Die Mitglieder der unabhängigen externen Kommission zur Aufarbeitung hoben hervor, dass ein Großteil des missbräuchlichen Verhaltens in diesem Verein für zahlreiche Personen öffentlich erkennbar gewesen sei – ohne dass jemand eingeschritten oder Kritik geäußert habe.

Auch die Experten der Kommission sprachen sich für eine veränderte Haltung im organisierten Sport aus, insbesondere im Umgang mit sexualisierter Gewalt.

„Wenn im Verein jemand geschützt wurde, dann war es der Täter“, erklärte der Sozialpädagoge Joachim Henseler, der der Kommission angehört. Er zeigte sich erschüttert darüber, wie das Verhalten beim HSV Weimar früher als normal angesehen wurde.

Nach Angaben der Kommissionsmitarbeiterin Angela Marquardt war es beispielsweise lange Zeit üblich, dass junge Turnerinnen auf dem Schoß des Trainers saßen. Statt den Trainer zu kritisieren, hätten die Kinder dafür Tadel erhalten – eine Umkehrung der Schuldfrage.

Die Übergriffe ereigneten sich zwischen 2007 und 2015. Nach einem langwierigen und komplexen Gerichtsverfahren wurde der Trainer vom Landgericht Erfurt schließlich in 20 Fällen des sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Das Urteil erhielt 2023 Rechtskraft. Zunächst waren wesentlich mehr Fälle angeklagt worden. Auch die Aufarbeitungskommission geht davon aus, dass sich der Beschuldigte in deutlich mehr Fällen schuldig gemacht hat, als letztlich gerichtlich bewiesen werden konnte.