Ehemaliger deutscher WM-Torwart verstorben: mehrfach Bundesliga-Geschichte geschrieben
Köln – Manfred Manglitz gehört zu den prägenden Figuren der frühen Bundesliga-Ära. Nun ist der frühere Torhüter der deutschen Nationalmannschaft verstorben.
Wie sein langjähriger Klub MSV Duisburg offiziell mitteilte, verstarb Manglitz, der von 1968 bis 1971 die Torhüter-Position beim 1. FC Köln bekleidete, am vergangenen Montag im Alter von 86 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.
Im Juni 1967 sicherte sich der passionierte Keeper einen festen Platz in den Geschichtsbüchern des deutschen Fußballs. Er war der erste Torwart, der in der Bundesliga einen Treffer erzielte. Manglitz verwandelte damals einen Elfmeter zum 1:3-Endstand für seinen MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach.
„Zehn Minuten vor Schluss gab es einen Strafstoß für uns, und die ganze Menge rief ’Cassius’, weil an diesem Tag nur wenig Grund zum Feiern war. Also habe ich mich – ganz verrückt – hingesetzt und den Elfmeter verwandelt“, berichtete er später im Interview mit „11Freunde“.
Wegen seines direkten Mundwerks erhielt Manglitz den Spitznamen „Cassius“, angelehnt an die wortgewaltige Boxlegende Muhammad Ali (gebürtig Cassius Clay). Von 1965 bis 1970 zählte er außerdem zum Kader der deutschen Nationalmannschaft.
Er war Teil des WM-Aufgebots 1970 in Mexiko, kam dort jedoch nicht zum Einsatz. Mit dem MSV Duisburg, den „Zebras“, wurde er 1964 Vizemeister. Im Jahr 1971 erlitt seine Karriere einen schweren Rückschlag: Als Torwart des FC Köln war Manglitz in den großen Bundesliga-Spielmanipulationsskandal verwickelt und erhielt daraufhin eine lebenslange Sperre.
Obwohl er 1974 begnadigt wurde, kehrte Manglitz, der für Duisburg und Köln zusammen 257 Bundesligaspiele absolviert hatte, nie mehr in die oberste deutsche Spielklasse zurück.
Seine lediglich vier Einsätze in der Nationalmannschaft führte Manglitz auf seine „offene Art“ zurück: „Ich war immer jemand, der frei und unverblümt seine Meinung gesagt hat. Immer ehrlich, aber auch dort, wo andere lieber geschwiegen hätten“, erklärte er im Gespräch mit „11Freunde“.
Er ergänzte: „Meine Art kam nicht bei allen gut an. Helmut Schön, der damalige Bundestrainer, stammte aus Sachsen, ich war ein gebürtiger Kölner – da prallten wohl unterschiedliche Welten aufeinander.“