KSC-Kapitän Wanitzek blickt voller Vorfreude auf das Spiel beim FC St. Pauli: „Immer ein besonderes Erlebnis“
Hamburg/Karlsruhe – Die Spannung steigt! Nach der ausgedehnten Länderspielpause empfängt der FC St. Pauli am Sonntag um 13.30 Uhr den Karlsruher SC. Für den Kapitän der Karlsruher, Marvin Wanitzek (33), der mit 69 Treffern und ebenso vielen Vorlagen in 239 Zweitligaeinsätzen zu den Top-Scorern gehört, hat dieses Duell eine ganz besondere Bedeutung. Im Interview mit TAG24 erläuterte er, warum das so ist und welche Erwartungen er an die Begegnung am Millerntor hat.
TAG24: Marvin, du bist mittlerweile in deiner zehnten Saison beim KSC. Würdest du dich als Fußball-Romantiker bezeichnen?
Marvin Wanitzek: Auf jeden Fall. Fußball bedeutet für mich alles. Nur so konnte ich es überhaupt bis zu meinem heutigen Stand schaffen. Ich habe viel investiert und auf einiges verzichtet.
Zehn Jahre bei einem Verein zu spielen, vor allem bei meinem Herzensklub, für den ich schon als Kind in der Kurve mitgefiebert habe, ist wirklich außergewöhnlich. Ich bin sehr dankbar, dass ich immer wieder die Chance erhalten habe, für diesen Verein auf dem Platz zu stehen.
TAG24: Am Sonntag geht es zum Millerntor, einem Ort, der ebenfalls für Fußballromantik steht. Du hast dort schon fünfmal gespielt. Ist es für dich immer noch so, dass man direkt nach Bekanntgabe des Spielplans schaut, wann man dort antreten muss?
Wanitzek: Unbedingt. St. Pauli gehört zu den Auswärtsspielen, die besonders reizvoll sind. Meine ganze Familie plant für das Spiel stets ein Hamburg-Wochenende, auch wenn der Termin noch nicht feststeht (lacht). Sie sind dann von Freitag bis Sonntag vor Ort, und das Spiel bildet den gelungenen Abschluss. Für meine Familie und mich ist das immer eine besondere Erinnerung.
Meine persönliche Bilanz am Millerntor ist noch ausbaufähig. Wir haben dort schon gute Leistungen gezeigt. Beim letzten Aufeinandertreffen verloren wir leider in der Nachspielzeit durch ein tolles Tor von Philipp Treu.
Mein erstes Spiel am Millerntor werde ich nicht vergessen: Nach einem 0:2-Rückstand glichen wir in der 94. Minute noch vor heimischem Publikum aus. Das folgende Spiel, das während der Corona-Pandemie stattfand, war stimmungsmäßig natürlich nicht ideal, da die Zuschauer und die Atmosphäre fehlten.
Ausgerechnet damals gelang uns der einzige Auswärtssieg am Millerntor seit meinem Beginn beim KSC – ein 3:0. Unser heutiger Ersatzkeeper Robin Himmelmann stand damals noch im Tor von St. Pauli.
TAG24: Sowohl bei euch als auch bei St. Pauli gibt es einen neuen Trainer. Wo liegen eure derzeitigen Herausforderungen?
Wanitzek: Das Trainerteam hat von Anfang an eine klare Spielidee vorgegeben. Nach einem großen Umbruch ist es normal, dass nicht sofort alles perfekt läuft. Es handelt sich um einen Prozess, der gerade erst begonnen hat. In jedem Spiel konnten wir Fortschritte erkennen, nur beim Spiel gegen Nürnberg lief es nicht gut für uns.
Abgesehen davon waren wir stets auf Augenhöhe und hätten mindestens einen, wenn nicht sogar drei Punkte mitnehmen können. Die Punkteausbeute fällt daher anders aus als erwartet, aber wir arbeiten weiter daran, die Anweisungen des Trainers umzusetzen. Davon bin ich überzeugt, dass wir so bald Zählbares erreichen werden.
TAG24: Ähnlich sieht es bei St. Pauli aus. Was erwartest du von der Mannschaft?
Wanitzek: Trotz des Abstiegs verfügen sie über einen spannenden Kader und einen hervorragenden Trainer. Ich kenne Marcel Rapp gut – auch er verfolgt eine klare Fußballphilosophie. Es wird einige Zeit dauern, bis alles funktioniert.
Er hat in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet und wird das auch bei St. Pauli fortsetzen. Die 2. Liga ist spannend und attraktiv, und ich bin überzeugt, dass St. Pauli eine wichtige Rolle spielen wird. Am Wochenende treffen zwei Teams aufeinander, die beide um Punkte kämpfen, um aus ihrer aktuellen Lage herauszukommen.
TAG24: Wer sind aus deiner Sicht die wichtigsten Spieler bei St. Pauli?
Wanitzek: Wenn ich an die Offensive denke, fallen mir vor allem Branimir Hrgota und Martijn Kaars ein. Kaars hat in Magdeburg viele Tore erzielt, er ist ein Stürmer, dem man nicht viel Platz lassen darf, besonders nicht hinter der Abwehrkette. Er ist schnell und besitzt eine gute Abschlussqualität. Hrgota bringt viel Erfahrung mit und kann mit seiner Klasse jedem Gegner gefährlich werden.
Wir konzentrieren uns aber auf uns selbst, denn auch wir haben Qualität im Team. Natürlich verfügt St. Pauli über den ein oder anderen Spieler, der den Unterschied ausmachen kann.
TAG24: Die Länderspielpause war ungewöhnlich lang mitten in der Saison. Wie fühlst du dich jetzt?
Wanitzek: Die normalen Länderspielpausen kennen wir, diesmal war es eine Woche länger. Es tat gut, kurz durchatmen zu können. Dennoch bin ich ein Freund davon, im Rhythmus zu bleiben, und freue mich, dass es am Wochenende wieder um Punkte geht.
TAG24: Siehst du das Spiel vielleicht als eine Art Neuanfang?
Wanitzek: So würde ich das nicht bezeichnen. Die Trainer und wir Spieler haben die bisherige Saison sehr gut analysiert. Es gibt Dinge, die gut liefen, aber auch Aspekte, die verbessert werden müssen. Das haben wir gemeinsam aufgearbeitet und befinden uns in einer soliden Verfassung.
Es war schön, mit dem Erfolg in Wiesbaden wieder ein Spiel gewonnen zu haben. Nun fahren wir mit einem guten Gefühl nach Hamburg und wollen dort drei Punkte mitnehmen.
TAG24: Vielen Dank, Marvin, für das Gespräch!