Vorwürfe, Drohungen und juristische Niederlage: Verliert Deutschlands höchster Karnevalist bald den Humor?
Hannover/Köln – Karneval, Fastnacht oder Fasching symbolisieren eigentlich Spaß, Heiterkeit und vor allem die Freiheit, gesellschaftliche Missstände ohne Angst vor Konsequenzen zu kritisieren. Doch wenn diese Kritik abseits der großen Bühne geäußert wird, scheinen beim "Bund Deutscher Karneval" (BDK) offenbar andere Spielregeln zu gelten.
In der Tanzsportabteilung des Bundesverbands herrscht derzeit erhebliche Unruhe. Im Mittelpunkt steht Timo Rubert-Rosaria (41). Der einstige Tänzer und heutige Trainer für Akrobatik ist in der Szene umstritten und gilt nicht zum ersten Mal als das „schwarze Schaf“ im karnevalistischen Tanzsport.
Nach eigenen Angaben soll er bereits dreimal abgemahnt worden sein. Gegenüber TAG24 führt er dies darauf zurück, dass er seit Jahren öffentlich Kritik am System des BDK sowie dessen Führungspersonal übt.
Dem 41-Jährigen zufolge wirft der Verband unter anderem den unsachgemäßen Umgang mit Stiftungsgeldern, die Bevorzugung großer Vereine gegenüber kleineren und undurchsichtige Praktiken bei Turnieranmeldungen vor.
Jetzt verschärft er seine Vorwürfe und spricht von Erpressungsversuchen gegenüber den „Lindener Narren“, einem traditionsreichen Karnevalsverein aus Hannover.
Hintergrund ist, dass Rubert-Rosaria einen Podcast starten wollte, um auf die mutmaßlichen Missstände im Dachverband der deutschen Fastnacht- und Karnevalsvereine aufmerksam zu machen. In einer neuen Folge von „Helden in Stiefeln“ diskutierte er gemeinsam mit seinem Freund, Dozenten und Moderator Andreas Reimann die Anschuldigungen gegen die Verantwortlichen. Reimann ist Mitglied der „Lindener Narren“.
Nur kurz vor der geplanten Veröffentlichung der Episode zog Reimann vor knapp einer Woche seine Zustimmung zurück. Rubert-Rosaria behauptet, sein „langjähriger Weggefährte“ werde unter Druck gesetzt. „Das verfolgt nur ein Ziel: die Wahrheit zu verschleiern“, so sein Vorwurf.
Im Gespräch mit TAG24 erklärte der Rheinländer außerdem, dass das Präsidium des „Bund Deutscher Karneval“ dem Verein aus Hannover gedroht habe, im Falle einer Veröffentlichung die Ausrichtung der Norddeutschen Meisterschaft im Februar 2027 zu entziehen.
Reimann selbst äußert sich vorsichtiger, lässt ein Verbot aber durchscheinen: „Mein Präsident hat mich lediglich darauf hingewiesen, welche möglichen Konsequenzen eine Veröffentlichung für mich und meinen Verein haben könnte.“ Zwischenzeitlich gab der Podcaster bekannt, sein Projekt komplett einzustellen. Auf Facebook schrieb „der Andy“ dazu:
„Der Podcast wird eingestellt und die dazugehörigen Kanäle und Inhalte werden bzw. wurden gelöscht. ‚Helden in Stiefeln‘ existiert somit nicht mehr.“ Eine Erklärung für das plötzliche Ende blieb jedoch aus. Auf eine Anfrage von TAG24 gab es bislang keine Antwort.
Martin Argendorf (71), Präsident der „Lindener Narren“, weist die Erpressungsvorwürfe gegenüber TAG24 entschieden zurück: „Wir stehen dem ‚Bund Deutscher Karneval‘ loyal und vertrauensvoll gegenüber und distanzieren uns ausdrücklich von Behauptungen, dass Druck oder Erpressung ausgeübt worden sei. Wir bitten unsere Mitglieder, keine unbelegten Aussagen Dritter weiterzuverbreiten.“ Ob an den Spekulationen um eine mögliche Absage der Meisterschaften etwas dran ist, bleibt somit unklar.
TAG24 hat den BDK um eine Stellungnahme gebeten, erhielt jedoch bislang keine Rückmeldung.
Dies ist nicht das erste Mal, dass es zwischen Rubert-Rosaria und dem Verband zu Konflikten kommt.
Bereits im Frühjahr 2025 gab es Differenzen zwischen dem ehemaligen Tänzer und der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine, einem Regionalverband des BDK.
Rubert-Rosaria zufolge habe der Verband im Anschluss versucht, seine Akrobatik-Workshops für Kinder und Jugendliche zu sabotieren.
Dem Akrobatiktrainer zufolge wurden ausrichtenden Vereinen gegenüber Behauptungen aufgestellt, er würde Teilnehmer im Training verletzen und sich Kindern gegenüber unangemessen verhalten. Die regionale Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ berichtete über den Vorfall.
Der Streit eskalierte schließlich vor dem Landgericht Köln – mit einem Erfolg für Rubert-Rosaria. Da der „Bund Deutscher Karneval“ die Vorwürfe nicht belegen konnte und eine eigene Äußerung sogar zurückzog, erließ das Gericht eine einstweilige Verfügung, die dem BDK untersagt, solche Behauptungen zu verbreiten. Andernfalls könnte dem Verband eine Strafe von bis zu 250.000 Euro drohen.
Obwohl in dieser Angelegenheit noch vieles unklar ist, steht jetzt schon fest: Kurz vor Beginn der sogenannten „fünften Jahreszeit“ dürfte einigen aktiven sowie ehemaligen „Narren“ der Spaß vorerst gründlich vergangen sein.