Jürgen Klopp ist jetzt offiziell Bundestrainer! Klare Worte vom neuen DFB-Coach: „Dann bin ich weg“
Frankfurt am Main – Bereits seit einigen Tagen galt es als sicher, nun haben auch die Spitzen des DFB grünes Licht gegeben: Jürgen Klopp (59) übernimmt das Amt des Bundestrainers! Er unterzeichnete einen Vertrag bis zum Jahr 2030 und gab gleich zu Beginn eindeutige Statements ab.
Am Freitagvormittag wurde Klopp bei einer Pressekonferenz des DFB offiziell vorgestellt und machte von Anfang an deutlich, dass er sich nicht alles gefallen lassen werde.
„An dem Tag, an dem ihr mich nicht mehr wollt, bin ich weg. Wenn der DFB sagt, ich mache es nicht gut, bin ich weg. Wenn ihr über die Stränge schlagt und meine Familie nicht respektiert, bin ich weg“, sagte der 59-Jährige ohne Umschweife.
Abgesehen davon zeigte der neue Bundestrainer seine große Freude über die neue Aufgabe. Es sei eine riesige Ehre und das „Highlight meiner beruflichen Laufbahn“.
Nach dem Ausscheiden bei der WM hatte sich der DFB zügig auf den BVB-Meistertrainer als Wunschkandidaten für den Neuanfang der deutschen Nationalmannschaft festgelegt. Nach mehrwöchigen Verhandlungen konnte am Freitag endlich Vollzug gemeldet werden.
Wir berichteten fortlaufend im Liveticker von der Pressekonferenz des DFB, den Sie hier nachlesen können.
Die Pressekonferenz ist nun beendet, es folgen noch einige Fotosessions.
Seinen ersten Spielerkader wird Klopp im September bekanntgeben, wenn die umfangreiche Länderspielpause mit vier Partien innerhalb von zweieinhalb Wochen ansteht. Zwischen dem 24. September und dem 4. Oktober tritt Deutschland gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland an.
„Rudi ist für mich ein unglaublich wichtiger Ansprechpartner, ich will alles von ihm lernen. Sven Bender ist der einzige aus meinem Trainerteam mit Erfahrung auf Länderspielebene, Rudi kann mir sagen, wenn ich etwas vorhabe, das schon bei jemand anderem nicht funktioniert hat“, erklärte Klopp.
Auch Rudi Völler spiele eine zentrale Rolle im Team von Klopp: „Seine Art, seine Lebenseinstellung, sein Lächeln und sein kritisches Auftreten zum richtigen Zeitpunkt sind enorm wertvoll.“
Auf die Frage, ob er an der Seitenlinie im Anzug oder Trainingsanzug auftreten werde, antwortete Klopp: „Darüber habe ich mir noch keine abschließenden Gedanken gemacht, aber ein klassischer Anzug mit Krawatte kommt für mich nicht infrage. Den Rest werden wir sehen – ich bin älter geworden. Ein Trainingsanzug ist allerdings auch eher unwahrscheinlich. In den letzten zwei Jahren hatte ich Zeit, mich modisch weiterzuentwickeln.“
Klopp benötigt noch etwas Zeit, um sich einzuarbeiten, da er aktuell noch keinen Zugang zu den DFB-Systemen besitzt.
„Die Spieler, die ich mir bisher angesehen habe, habe ich auf YouTube gesehen – da wirkt jeder gut, mich eingeschlossen“, scherzte der 59-Jährige. Deshalb könne er noch keine konkreten Aussagen darüber treffen, welche und wie viele Spieler in der ersten Länderspielpause zum Einsatz kommen werden.
„Ich bin in meinem Leben schon oft bei schlechtem Wetter auf dem Platz gestanden, das vermisse ich nicht“, so Klopp bezüglich seines Wechsels vom Vereins- zum Nationalmannschaftstraining.
Was ihm eigentlich nur fehle, sei die tägliche Trainingseinheit. „Alles andere läuft über Gespräche – jeder hat ein Handy. Ich werde Spiele analysieren und Feedback geben, das ist ebenfalls Kontakt. Die Umstellung werde ich schaffen, andere machen das ja auch. Ich habe keine 800 Trainingseinheiten vorbereitet, die ich erst in zwei Jahren machen kann.“
Klopp bittet die Öffentlichkeit um Geduld: „Die Erwartungen in Deutschland sind enorm. Stellen Sie sich vor, Nagelsmann hätte gesagt: ‚Endlich mal wieder ins Halbfinale kommen.‘ Natürlich wollen wir die höchsten Ziele erreichen. Aber wir müssen uns bewusst machen, dass wir dafür Zeit brauchen.“
Auf die anhaltende Diskussion um Kimmich angesprochen, erklärte Klopp, er wolle noch keine festen Positionen vergeben, da er die Spieler zunächst kennenlernen müsse.
„Einsatzzeiten erhalten diejenigen, die topfit sind, riesige Motivation zeigen und in dem Moment, in dem sie das Trikot anziehen, noch besser werden. Jeder, der berechtigt ist, für Deutschland zu spielen, soll sich anstrengen, die Tür steht offen. Heute beginnt ein Neubeginn – für mich sowieso, aber auch für alle anderen.“
„Ich freue mich darauf, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die attraktiven Fußball spielen wollen, der allen gefällt. Das ist nicht immer sofort von Erfolg gekrönt, aber ich möchte mit der Nationalelf etwas erreichen, sodass die Leute nach dem Spiel sagen: ‚Wow, das war wirklich beeindruckend‘“, so Klopp weiter.
„Erfolg bemisst sich an der Leistung im Verhältnis zu den Erwartungen. Wir brauchen realistische Ziele. Wenn wir gefragt werden, ob wir so stark sind wie Frankreich und mit ‚Nein‘ antworten, dann ist das nicht korrekt. Die Frage müsste lauten: Haben wir Spieler wie Mbappé, Dembélé oder Barcola? Nein. Aber wir können sie trotzdem schlagen. Sind wir aktuell die Nummer eins der Welt? Nein, aber das ist unwichtig. Das gilt für fast alle Teams außer einem. Können wir die elf Mannschaften vor uns schlagen? Das wollen wir möglich machen.“
Zum Vorgänger Julian Nagelsmann meinte Klopp: „Seit der WM gab es keinen Austausch. Ich respektiere ihn sehr. Der Satz mit dem ‚Noch‘ war einer der schlechteren in meinem Leben. Darauf hätte ich gern verzichtet, aber es ist nun mal gesagt. Ich habe mich entschuldigt und glaube, dass es nichts zu klären gibt. Ich wünsche ihm nur das Beste.“
Klopp erläuterte außerdem seine Arbeitsweise: „Ich war nie ein Trainer, der die Spieler nur herumkommandiert hat. Ich habe mich immer für den jeweiligen Verein und die Fans verantwortlich gefühlt und meine ganze Kraft eingebracht. Ich fühle mich verpflichtet, mein Bestes zu geben. Ich nehme mich selbst nicht zu wichtig. Wer Lust hat, mit mir gemeinsam anzupacken, ist herzlich willkommen.“
Zur aktuellen Lage der Nationalmannschaft sagte Klopp: „Man glaubt oft, Deutschland hätte nicht viele gute Spieler, dabei hatten wir bei der WM zahlreiche talentierte Akteure, die jedoch nicht ihr bestes Spiel gezeigt haben. Wir waren nur einen Haaland oder Mbappé davon entfernt, die nächste Runde zu erreichen. Deutschland fehlt aktuell nur ein Topspieler, um in die nächste oder übernächste Runde zu kommen.“
Er plane, einen Spielerpool von etwa 57 Profis genau zu beobachten.
Für den neuen Bundestrainer ist die Ernennung eine große Ehre: „Meine Karriere endet nicht nach der Nationalmannschaft. Im Idealfall ist das der Höhepunkt meiner Laufbahn.“
Klopp richtete zudem eine Botschaft an die Medien: „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch. An dem Tag, an dem ihr mich nicht mehr wollt, bin ich weg – ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, ich sei schlecht, bin ich weg. Aber das sollten schon mehrere sein, nicht nur einzelne“, scherzte Klopp.
Dann wurde er ernster: „Wenn der DFB sagt, ich bin nicht mehr tragbar, bin ich weg. Wenn ihr euch danebenbenimmt und meine Familie belästigt, bin ich weg. Ich habe gesehen, wie ihr mit Julian umgegangen seid. Kritik ist willkommen, wenn etwas nicht läuft. Ich bin bereit, daran zu arbeiten.“
Jetzt durfte Klopp endlich selbst zu Wort kommen.
„Es ist eine große Ehre, heute hier zu sitzen. In den letzten Tagen läuft in meinem Kopf ein Film ab: Wo hat alles angefangen, wo komme ich her. Ich hatte eine Vorstellung davon, wie bedeutend das Amt des Bundestrainers ist. Aber wenn man selbst damit in Verbindung gebracht wird, spürt man die Größe und Verantwortung noch intensiver. Ich weiß, wo ich herkomme. Dass es so weit kommt, war eigentlich unvorstellbar.“
Es sei ein „besonders wichtiger Tag“ für ihn, bei dem er sich bei allen bedanken wolle, die das ermöglicht haben – ausdrücklich auch bei RB.
Hans-Joachim Watzke, Liga-Präsident und DFB-Vize, erklärte: „Jürgen ist wie geschaffen für diese Position und wird sie meistern. Er hat die Fähigkeit, alle zu vereinen, zu bündeln und Erfolge zu erzielen. Das hat er überall geschafft und wird es hier ebenfalls tun.“
Er freue sich auch persönlich sehr auf die Zusammenarbeit mit Klopp.
Der DFB-Präsident dankte RB Leipzig und besonders Oliver Mintzlaff für die Freigabe Klopps: „Wir waren der Überzeugung, dass sich seine Aufgaben bei RB und als Bundestrainer nur sehr schwer miteinander vereinbaren lassen. Diese Aufgaben sind nicht kompatibel und eine volle Konzentration auf den DFB ist notwendig.“ Daher werde sich Klopp künftig ausschließlich auf den Verband fokussieren.
„Als Anerkennung für RBs Bereitschaft hat der DFB zwei Zugeständnisse gemacht: Erstens erhält die RB-nahe Stiftung Wings for Life eine Spende in Höhe von einer Million Euro. Zweitens werden bis 2030 drei Länderspiele der deutschen A-Nationalmannschaft in Leipzig ausgetragen.“
Eine weitere Personalentscheidung bestätigte Neuendorf: Per Mertesacker wird Andreas Rettig als DFB-Sportgeschäftsführer ablösen.
Das Votum fiel ebenfalls einstimmig aus. Mertesacker hat sich am Vormittag bereits vorgestellt, wird seine Tätigkeit aber erst 2027 aufnehmen. Die offizielle Vorstellung erfolgt in einer gesonderten Pressekonferenz zum Jahresende.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf erläuterte: „Wir haben in den letzten Wochen intensive Gespräche geführt. Per war von Anfang an unsere Wunschlösung, da waren wir uns im Verband einig. Wir haben das Konzept konsequent verfolgt und uns um Jürgen Klopp bemüht. Er ist die beste Wahl.“
Der Vertrag von Klopp läuft bis zur WM 2030 und beginnt am 15. August 2026.
Die Pressekonferenz eröffnete Neuendorf mit den Worten: „Heute Morgen hatten wir eine gemeinsame Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG. Es sind 26 Tage vergangen seit dem bitteren Ausscheiden gegen Paraguay bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Ich freue mich sehr, dass wir heute einstimmig abgestimmt haben und Jürgen Klopp offiziell vorstellen dürfen!“
Als Co-Trainer werden, wie bereits erwartet, Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender an Klopps Seite stehen.
In Kürze beginnt die offizielle Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp.
Wir begleiten die wichtigsten Aussagen des neuen DFB-Coaches live im Blog.