Harte Kritik! Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann übt scharfe Kritik an der DFB-Nationalmannschaft
Foxborough (Massachusetts/USA) – Eine unbarmherzige Analyse! Jürgen Klinsmann (61), ehemaliger Bundestrainer, nahm nach dem frühzeitigen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 kein Blatt vor den Mund. "Die Art und Weise, wie wir heute Abend ausgeschieden sind, ist katastrophal, eine Blamage und völlig unerwartet. Niemand hat so ein Ergebnis kommen sehen. Es ist genauso desaströs wie das frühzeitige Ausscheiden 2022 in Katar und 2018 in Russland. Das bringt Deutschland in eine tiefe Krise", äußerte er im Gespräch mit ESPN.
Zu Beginn wählte der Weltmeister von 1990, der die DFB-Auswahl von 2004 bis 2006 trainierte, noch mildere Worte. "Offensichtlich ist es für uns alle in Deutschland ein sehr trauriger Moment, da wir nicht damit gerechnet haben, im Sechzehntelfinale zu scheitern."
Doch im weiteren Verlauf wurde der ehemalige Coach deutlich kritischer: "Die Weise, wie wir heute ausscheiden, ist extrem enttäuschend. Es wirkte, als sei das Team nicht auf die Kontrolle des Spiels über 120 Minuten vorbereitet gewesen. Die Mannschaft zeigte nicht genügend Energie, fehlte an Aggressivität und Durchsetzungsvermögen. Und ganz am Ende schien sie nicht bereit für das Elfmeterschießen – normalerweise sind wir darin stark", zeigte er sein Erstaunen über die schwache Leistung der deutschen Elf.
Klinsmann blickte zurück auf seine eigene Zeit als Nationalspieler, als er 1990 nach dem WM-Triumph als Held gefeiert wurde, und betonte, wie unangenehm schlechte Zeiten sein können. Dennoch bedeutete das Viertelfinale 1994 und 1998 damals immerhin noch ein Achtungsergebnis. Im Gegensatz dazu scheiterte Deutschland 2018 und 2022 bereits vor der K.-o.-Phase – und auch 2026 kam man bei einer erweiterten WM nicht über die Runde der letzten 16 hinaus.
"Ich habe mich damals drei Monate lang zurückgezogen, weil wir das Gefühl hatten, unser Gesicht verloren zu haben. Genau das ist mit dieser Mannschaft passiert", erinnerte sich Klinsmann und zog Parallelen zu seinen Erfahrungen in den 90er Jahren.
Besonders erschüttert zeigte sich der frühere Bundestrainer darüber, dass das Team seiner Ansicht nach den nötigen Siegeswillen vermissen ließ.
"Was mich wirklich schockiert hat, war der fehlende unbedingte Wille. Wir waren nicht entschlossen genug. Der Spielplan, wie auch immer der aussah, wurde viel zu schlampig umgesetzt. Wenn du in einem K.-o.-Spiel nur noch 30 Minuten hast, dann kämpfst du mit aller Verzweiflung, du setzt alles daran, auch wenn es untypisch für dich ist: Fouls, Diskussionen – irgendetwas, um diesen unbedingten Willen zu zeigen. Doch davon war nichts zu sehen", fuhr Klinsmann in seiner schonungslosen Kritik fort.
Er forderte vom Deutschen Fußball-Bund und anderen Verantwortlichen eine gründliche Aufarbeitung dieses "Desasters". Die alleinige Schuld auf Trainer Julian Nagelsmann (38) abzuwälzen, hält er für zu simpel.
"Alle sind involviert: das Trainerteam, der Verband, jeder einzelne Spieler, der nominiert wurde. Sie alle müssen sich dieser Verantwortung stellen. Wenn du viermaliger Weltmeister bist, ist das Ziel immer der Titel – und wenn du nicht mindestens das Halbfinale erreichst, ist das eine Enttäuschung", betonte der 61-Jährige. Für ihn steht fest, dass Konsequenzen unausweichlich sind.
Eine sofortige Entlassung von Nagelsmann sieht Klinsmann jedoch nicht als ersten Schritt: "Es ist zu früh, um über die Zukunft von Julian Nagelsmann zu sprechen. Man muss ins Detail gehen und alle Fragen gründlich diskutieren – vom Verband, den Verantwortlichen und all denen, die den Fußball in Deutschland lieben."
Nach der Rückkehr nach Frankfurt am Main wird am DFB-Campus mit Sicherheit eine intensive Aufarbeitung folgen müssen.