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Jens Lehmann übt Kritik an Klopps Entscheidung – Oliver Kahn widerspricht

Unterföhring – Ausgerechnet während des heimischen Sommermärchens 2006 lieferten sich Jens Lehmann (56) und Oliver Kahn (57) eines der intensivsten Duelle zwischen Torhütern in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Aktuell hat der neue Bundestrainer Jürgen Klopp (59) seinem Stammkeeper Marc-André ter Stegen (34) frühzeitig das Vertrauen zugesprochen. Die beiden ehemaligen Torhüter sind sich dabei jedoch uneinig.

„Es hat mich etwas überrascht, dass er ter Stegen zur Nummer eins erklärt, ihn dann einmal spielen lässt, anschließend gar nicht mehr und stattdessen Urbig zweimal sowie Nübel einmal zum Einsatz kommen“, äußerte Lehmann im Hagedorn-Fußballtalk von Sky gemeinsam mit Kahn und Roman Weidenfeller (46).

Bereits Mitte September hatte Klopp den Schlussmann von Ajax Amsterdam zur festen Größe im Tor der Nationalmannschaft ernannt. „Momentan [...] ist ter Stegen die erste Wahl“, so der DFB-Trainer auf einer Pressekonferenz. „Die Mannschaft benötigt Stabilität und eine feste Achse.“

Der ehemalige Nationalkeeper Lehmann hätte jedoch einen anderen Weg bevorzugt: „Aus unserer Erfahrung heraus halte ich diese Vorgehensweise für nicht ideal. Eigentlich müsste man sagen: In zwei Jahren steht die EM an, und wer bis dahin die beste Leistung zeigt, bekommt den Vorzug.“

„Ich hätte wohl nicht direkt zu ter Stegen gesagt, dass er die Nummer eins ist, sondern eher: ‚Gebt alle euer Bestes!‘“, führte der gebürtige Essener weiter aus.

Sein früherer Konkurrent Oliver Kahn nahm dazu eine andere Haltung ein: „Heutzutage spricht man eher von Zusammenarbeit statt von Konkurrenzkampf. Warum? Weil man die mentale Gesundheit der Spieler schützen will und sie nicht – wie damals bei uns – in übertriebene Drucksituationen bringen möchte.“

Im Frühjahr 2006 zog sich die Entscheidung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann (62) über seine Nummer eins im Tor über mehrere Monate hin.

Während Lehmann in London eher isoliert war, stand Kahn im Rampenlicht – und zeigte Fehler, die ihm letztlich die Position als Stammkeeper bei der Heim-WM kosteten.

Dennoch gab auch Lehmann zu, dass er mental während dieser Zeit in einer schwierigen Phase steckte – und das sei noch untertrieben. „Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in einem kleinen Tunnel gefangen“, berichtete der langjährige Torwart von Arsenal.

„Man muss den Spielern zwar auch etwas zumuten, aber es gibt eine Grenze, nämlich wenn es um die psychische Gesundheit geht. Hier hat sich der Fußball mittlerweile weiterentwickelt“, ergänzte der „Titan“.