Deutliche Niederlage für Infantino: FIFA stellt Pläne mit Investoren ein
Von Holger Mehlig
Zürich – Der Fußball-Weltverband FIFA zieht seine umstrittenen Pläne bezüglich Investoren zurück.
In einer in der Nacht veröffentlichten Erklärung teilte Verbandspräsident Gianni Infantino (56) mit, dass der Vorschlag nicht weiter verfolgt werde.
„Nach eingehender Prüfung aller Standpunkte wurde klar, dass das Vorhaben zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mit den ursprünglichen Zielsetzungen vereinbar sind“, begründete Infantino seinen plötzlichen Kurswechsel.
Das Vorhaben der FIFA unter der Führung des mächtigen Präsidenten Infantino sah vor, durch den potenziellen Verkauf eines Teils der kommerziellen Rechte, beispielsweise der Weltmeisterschaft, eine Milliardensumme zu erzielen. Dazu sollte das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gegründet werden.
Medienberichten zufolge setzte der Weltverband eine Frist bis zum 19. September für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal und bot im Gegenzug eine Sonderzahlung an. Diese Pläne sind nun vom Tisch.
Infantino betonte, das Ziel der FIFA sei es stets, zu einen und Verbesserungen voranzutreiben. „Aus diesem Grund wird der Vorschlag nicht weiterverfolgt.“ Mit dem Projekt wollte er die Mitgliedsverbände stärken. Eine Umsetzung wäre nur möglich gewesen, wenn eine Mehrheit dem Vorhaben zugestimmt hätte, führte er weiter aus.
Die FIFA gab damit dem zunehmenden Druck nach, der in den vergangenen Tagen stark gewachsen war. So kritisierte die europäische UEFA die Pläne nicht nur scharf, sondern drohte sogar mit einem Boykott der Weltmeisterschaft. „Keine Nationalmannschaften der UEFA werden an irgendwelchen FIFA-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen“, erklärte die UEFA nach einer Dringlichkeitssitzung.
„Die Haltung Europas ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für künftige Generationen verwaltet“, schrieb die Europäische Fußball-Union.
Auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf sowie der asiatische Fußballverband AFC distanzierten sich deutlich von Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Verband Conmebol hingegen nahm zunächst keine klare Stellung ein. Der Kontinentalverband kündigte an, die Vorschläge weiter zu prüfen und forderte von der FIFA zusätzliche Informationen an.
UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister (61) sagte gegenüber Sky News, die weltweite Einigkeit gegen die Investorenpläne zeige der FIFA, was Spielern, Fans, Vereinen und Funktionären wichtig sei, wenn es um die zukünftige Gestaltung des Fußballs gehe.