Hoeneß zum FIFA-Streit: WM ohne europäische Teams ist „wertlos“
Von Patrick Reichardt
Rottach-Egern – Uli Hoeneß (74), Ehrenpräsident des FC Bayern München, hat die geschlossene Drohung eines WM-Boykotts durch die europäischen Fußballverbände ausdrücklich unterstützt.
„Meiner Ansicht nach unterschätzen die Europäer ihre eigene Stärke noch erheblich. Ein Turnier ohne Teams aus Europa kann man getrost vergessen“, erklärte Hoeneß am Rande des Testspiels des FC Bayern in Rottach-Egern.
Zuvor hatten sich die 55 Mitgliedsverbände der UEFA einmütig gezeigt und im Fall eines Festhaltens der FIFA und ihres Präsidenten Gianni Infantino an einem geplanten Investorengeschäft einen Boykott in Aussicht gestellt.
Die UEFA betonte dabei: „Wir lehnen den Vorschlag der FIFA, Beteiligungsrechte (...) an private Investoren zu übertragen, einstimmig und klar ab.“
Hoeneß unterstrich, dass er das deutliche Statement von Sportvorstand Max Eberl „voll unterstützen“ könne. Dieser hatte den Plan der FIFA als „widerlich“ bezeichnet und sich dafür geschämt.
Der Weltverband hatte bekanntgegeben, durch den möglichen Verkauf eines Teils seiner kommerziellen Rechte, beispielsweise im Zusammenhang mit der WM, eine Milliardensumme erzielen und künftig allen 211 Mitgliedsverbänden höhere Ausschüttungen ermöglichen zu wollen.
Zum FIFA-Präsidenten Infantino wollte sich der 74-Jährige nicht ausführlich äußern: „Ich habe eine ganz klare, sehr starke Meinung dazu, aber es ist noch zu früh, diese öffentlich zu machen“, so Hoeneß.
Auf Nachfrage bestätigte er jedoch, dass seine Haltung „definitiv gegen Infantino“ gerichtet sei. Über potenzielle Nachfolger an der Spitze des Weltverbandes wolle er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht spekulieren.
Stattdessen äußerte Hoeneß die Hoffnung, dass die wichtigsten europäischen Fußballverbände eine gemeinsame Allianz bilden und ihre Interessen künftig geschlossen vertreten.