Krawalle in Dresden: Hertha-Fans rufen zum Boykott auf
Berlin – Nach dem spektakulären 5:3-Sieg in Braunschweig wollten die Anhänger von Hertha das Stadion kaum verlassen. Noch lange nach dem Schlusspfiff blieben sie im Eintracht-Stadion und sangen weiter ihre Lieder, sodass die Hertha-Spieler erneut auf das Feld kamen – diesmal mit einem Trikot als Geschenk.
Doch wenn die Mannschaft in weniger als drei Wochen zum anspruchsvollen Auswärtsspiel nach Dresden reist, plant die engagierte Fanszene offenbar, dem Duell gegen Dynamo fernzubleiben: Hertha-Anhänger rufen zum Boykott auf.
„Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen, damit kollektive Strafen durch die Verbände künftig keine Rolle mehr spielen. Kauft keine Karten für das Spiel in Dresden!“, fordert der Förderkreis Ostkurve.
Der Hintergrund sind die Ausschreitungen beim letzten Aufeinandertreffen im April. Bei diesem Skandalspiel gelang es Dynamo-Anhängern, einen Teil einer Fahne zu entwenden – vermutlich während der Pyro-Show, die von den Hertha-Fans selbst ausgelöst wurde.
Anschließend drangen Fans beider Lager in den Innenraum vor und warfen sich gegenseitig Pyrotechnik entgegen. Später präsentierten die Dynamo-Chaoten die gestohlene Fahne (ironischerweise vom Förderkreis Ostkurve) und verbrannten sie.
Beide Vereine verurteilten die Gewaltakte deutlich und wurden vom DFB bereits empfindlich bestraft. Dynamo muss eine Geldstrafe von insgesamt 91.200 Euro zahlen und erhielt zusätzlich eine Sperre für den K-Block, gegen die der Zweitligist rechtliche Schritte eingeleitet hat. Hertha BSC wurde mit einer Geldbuße von 152.000 Euro belegt, zudem darf der Gästeblock nur zu 50 Prozent ausgelastet werden. Diese Einschränkung gilt auch für das Rückspiel in Berlin. Außerdem sollen die Eintrittskarten künftig personalisiert werden.
Diese Maßnahmen sind den Fans zu viel, weshalb sie sich weigern, daran mitzuwirken: Sie wollen dem Spiel lieber fernbleiben, um ein deutliches Zeichen zu setzen. „Unter den aktuellen Bedingungen (eingeschränktes Gästekontingent, personalisierte Tickets) werden wir das Auswärtsspiel in Dresden boykottieren. Solche Kollektivstrafen sind nicht zielführend und lösen keine Probleme“, heißt es weiter.
Es ist nicht das erste Mal, dass es Ärger gibt. Schon die Terminierung sorgte für Unmut, denn das Spiel in Dresden am 19. September wurde erneut als Top-Spiel angesetzt. Das bedeutet, dass der Flutlicht-Kracher wieder live im Fernsehen gezeigt wird – hoffentlich diesmal ohne Zwischenfälle.