Demütigung vor fünf Monaten: Hertha hat noch eine offene Rechnung
Berlin – Es war der Tiefpunkt einer insgesamt enttäuschenden Spielzeit. Nach dem Abpfiff entlud sich der ganze Frust. Hertha BSC hatte zum Saisonfinale in Bielefeld eine herbe 1:6-Niederlage kassiert – und das trotz einer 1:0-Führung zur Halbzeitpause. Einige Fans von Hertha forderten daraufhin lautstark die Entlassung von Stefan Leitl (49).
Glücklicherweise hielt die Vereinsführung an ihrem Trainer fest. Die Alte Dame startete einen tiefgreifenden Umbruch und ist bis heute ungeschlagen. Diese Serie soll auch im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (13 Uhr/Sky) Bestand haben.
Leitl selbst spricht zwar nicht von Rache, doch das Debakel hat auch bei ihm Spuren hinterlassen: „Das Ergebnis war schlecht, die Art und Weise ebenfalls. Es hat mich und auch das Team sicher noch einige Wochen beschäftigt“, erklärt Leitl. „Man nimmt so etwas mit, vor allem ich persönlich. Es hat eine Weile gedauert, dieses Ergebnis und die Art, wie wir dort aufgetreten sind, zu verarbeiten.“
Von den Spielern, die bei der schmerzhaften 1:6-Pleite in der Startelf standen, sind mittlerweile immerhin noch sechs Profis im Kader, darunter wichtige Stammkräfte wie Linus Gechter (22), Paul Seguin (31) und Niklas Kolbe (29). Trotzdem präsentiert sich Hertha heute ganz anders als noch im Mai.
„Der Fokus war damals nicht so, wie er hätte sein müssen. Aber trotzdem darf man ein solches Ergebnis nicht mitnehmen“, meint Leitl. „Warum sollte ich dieses Resultat jetzt in diese Saison hineintragen? Wir haben bisher 22 von 24 möglichen Punkten gesammelt. Das ist doch die beste Antwort.“
Positiv auf das damalige Spiel zurückblicken können wohl nur zwei Akteure: Soufian Gouram (21) und Nachwuchsstürmer Niklas Hildebrandt (18), die beide bei der Partie ihr Bundesliga-Debüt feierten.
Am Samstag wird vor allem Gouram wohl erneut Einsatzzeiten bekommen. „Soufian ist sehr nah dran. In den letzten Wochen hatte er vielleicht ein kleines Leistungstief, brauchte etwas Zeit, um wieder zu frischen Kräften zu kommen. Trotzdem haben wir immer versucht, ihn durch Einsätze auf Zweitliga-Niveau weiterzubringen“, erklärt der Trainer.
Feste Startelf-Anwärter ist Mads Pedersen (30). Der Däne saß beim Spiel in Kiel zunächst nur auf der Bank, kam aber in den letzten 20 Minuten aufs Feld. „Die Trainingswoche begann sehr gut. Er fühlt sich fit und ist bereit für Samstag“, so Leitl. WM-Stürmer Gustaf Nilsson (29) fällt hingegen erneut aus.
Nach dem ersten Punktverlust der Saison will Hertha wieder drei Zähler holen. Arminia Bielefeld kommt jedoch nach zwei Siegen am Stück selbstbewusst ins Olympiastadion.
„Bielefeld ist weiterhin eine sehr laufstarke, engagierte und geschlossene Mannschaft, die schwer zu bespielen ist“, betont der Hauptstadtclub. Für einen Sieg sei daher volle Konzentration nötig – und möglicherweise auch Geduld. „Wir bereiten uns darauf vor, gegen einen unangenehmen Gegner zu spielen.“
2. Bundesliga Tabelle
Die Tabelle der 2. Bundesliga hat folgende Bedeutung: Wer am Saisonende den ersten Platz belegt, ist Meister der 2. Liga und steigt direkt in die Bundesliga auf. Das gilt ebenfalls für den zweiten Rang. Der Drittplatzierte muss in die Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga, um entweder den Aufstieg zu schaffen oder den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse zu sichern.