Rekordjagd oder Fallstrick: Wird Tim Walter bei Hertha seinen Job verlieren?
Berlin – Dieses Spiel birgt viel Spannung. Der ungeschlagene Spitzenreiter empfängt am Freitagabend (18:30 Uhr/Sky) den bislang sieglosen Tabellenletzten. Auf dem Papier scheint die Ausgangslage eindeutig, doch für Hertha BSC wird es keineswegs ein Spaziergang. Für Gastgeber Holstein Kiel und Trainer Tim Walter (50) hat die Begegnung fast schon Endspielcharakter.
Gelingt es den nach wie vor sieglosen Kielern nicht, gegen Hertha zu punkten, könnte die Position des 50-jährigen Übungsleiters ernsthaft in Gefahr geraten. Der frühere HSV-Coach, der erst im Februar zu seinem Verein zurückkehrte, steht unter erheblichem Druck.
In der Hauptstadt wird die kriselnde Mannschaft aus dem hohen Norden allerdings keineswegs unterschätzt. „Wir sind uns bewusst, dass Kiel eine starke Truppe ist und wissen, wie Tim grundsätzlich Fußball spielen lässt. Darauf haben wir unsere Vorbereitung ausgerichtet“, erklärte Stefan Leitl (49) bei der Pressekonferenz.
Doch bringt das auch Hertha Vorteile? Beide Teams setzen vor allem auf eine offensive Spielweise. Walter legt großen Wert auf Ballbesitz, kurze Spieleröffnungen und häufige Positionswechsel. „Für uns bedeutet das im Gegenzug, dass wir an unseren Prinzipien festhalten und besonders unsere Intensität im Defensivspiel deutlich steigern müssen, um den Gegner vor Herausforderungen zu stellen“, so Leitl.
Nach der langen Länderspielpause ist der Motor von Hertha zumindest spielerisch etwas ins Stocken geraten. Punktemäßig reichte es trotz der bislang schwächsten Saisonleistung zu drei Punkten. Trotzdem erwartet der Trainer nach dem 2:1-Erfolg gegen Fürth eine Steigerung der Leistung.
„Die Mannschaft ist voller Vorfreude und konzentriert darauf, eine bessere Darbietung abzuliefern. Wir müssen unsere Intensität erhöhen und wieder mehr Torgefahr entwickeln. Darum geht es in jedem Spiel“, betonte Leitl.
Während die Kieler als Tabellenletzter endlich den ersten Sieg einfahren wollen, sind die Berliner auf Rekordjagd. Mit einem weiteren Erfolg könnten sie mit Hannover 96 gleichziehen, die vor 40 Jahren mit acht Siegen in Folge gestartet waren. Bayer Leverkusen erzielte in der Saison 1978/79 sogar neun Siege hintereinander.
„Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich es schön fände, wenn ihre Namen mit dem Rekord verbunden würden. Aber das war auch gleich wieder erledigt. Wir stellen das nicht über das Spiel“, erklärte der Cheftrainer.
Wahrscheinlich ist ihm auch bewusst, dass die Bilanz gegen Tim Walter noch verbesserungswürdig ist. In der 2. Liga hat Hertha bislang nie gegen den 50-Jährigen gewonnen. Lediglich zwei Siege aus acht Begegnungen (sechs Niederlagen) stehen zu Buche: In der Relegation 2022 setzte sich die Alte Dame mit 2:0 beim HSV durch und sicherte damit den Klassenerhalt. Ein Jahr später gelang auch im DFB-Pokal ein Erfolg gegen Walters Team.
Tabelle der 2. Bundesliga
Die Tabelle der 2. Bundesliga hat folgende Bedeutung: Derjenige, der am Saisonende den ersten Platz belegt, wird Meister der 2. Liga und steigt direkt in die 1. Bundesliga auf. Gleiches gilt für den zweiten Rang. Der dritte Platz muss in einem Entscheidungsspiel gegen den Drittletzten der Bundesliga um den Aufstieg beziehungsweise den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse kämpfen.