Hertha mit nur 700 Fans in Dresden, aber voller Selbstvertrauen: „Wir wollen bei uns bleiben“
Berlin – Die Nachwirkungen des Skandalspiels aus der vergangenen Saison zeigen sich vor allem im Bereich der Gästefans. Aufgrund der verhängten Kollektivstrafen hatte die aktive Fangemeinschaft einen Boykott angekündigt und bleibt dem Spiel fern – ebenso wie viele weitere Anhänger. Hertha BSC erwartet deshalb lediglich rund 700 mitgereiste Unterstützer bei Dynamo Dresden.
Hintergrund ist das letzte Aufeinandertreffen an Ostern, das von heftigen Ausschreitungen überschattet wurde. Dresden-Fans hatten es geschafft, einen Teil eines Banners zu entwenden – vermutlich während der Pyro-Show der Hertha-Fans.
Im Anschluss drangen Teile beider Fanlager in den Innenraum ein und lieferten sich einen gegenseitigen Pyro-Wurf. Die Polizei musste eingreifen, woraufhin das Spiel für etwa 20 Minuten unterbrochen wurde.
Beide Klubs verurteilten die Ausschreitungen anschließend strikt und erhielten vom DFB harte Sanktionen. Unter anderem darf der Gästeblock in beiden Begegnungen nur zur Hälfte belegt werden, zudem müssen die Eintrittskarten personalisiert sein. Diese Umstände sind ausschlaggebend dafür, dass die Ostkurve den Boykott durchzieht.
Die Vorbereitung auf das Spiel wird durch das Fernbleiben der aktiven Hertha-Fans jedoch nicht beeinflusst. „Wir wollen daran festhalten, bei uns zu bleiben und unser Spiel so auf den Platz zu bringen, wie wir es in den vergangenen Wochen getan haben – mit der gleichen Intensität und Herangehensweise“, erklärte Stefan Leitl (49) während der Pressekonferenz vor dem Spitzenspiel am Samstagabend (20.30 Uhr/Sky/RTL).
Der Hertha-Trainer legt wenig Wert auf die geringe Fanbeteiligung. Stattdessen verweist er auf Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich (59), der die Vorfälle im „Kicker“-Interview zwar als „inakzeptabel“ bezeichnete, gleichzeitig aber die Kollektivstrafen kritisierte. Leitl möchte sich hingegen ganz auf sportliche Belange konzentrieren – und hat dafür allen Grund: Mit viel Selbstvertrauen reist Hertha nach Sachsen.
Die Berliner führen die Tabelle ungeschlagen an, haben alle Partien gewonnen und wollen ihre Serie auch bei Dynamo weiter ausbauen. „Wir werden uns nicht verstellen, sondern bei unserem Spiel bleiben“, so Leitl. „Unser Ziel ist es, das Spiel zu gewinnen – dafür braucht es eine starke Leistung von allen Beteiligten.“
Es könnte ein intensives Duell werden, da beide Teams offensiv ausgerichtet sind. Besonders Dynamo, das einen besseren Saisonstart erwartet hatte (bisher nur vier Punkte), will einiges gutmachen.
„Dresden spielt grundsätzlich sehr aggressiv und agiert mit einer hohen Abwehrlinie, besonders in ihrem Heimstadion. Wenn es gelingt, diese erste Pressinglinie zu überwinden, ergeben sich sicherlich Chancen, Räume zu nutzen und dem Gegner weh zu tun. Das ist unser Plan“, so Leitl weiter.
Für Ruhe im Mittelfeld wird erneut Paul Seguin (31) sorgen, der nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurückkehrt. Beim letzten Spiel in Osnabrück musste der zentrale Mittelfeldspieler noch passen. Auch Neuzugang Oluwaseun Adewumi (21) wird wieder in der Anfangsformation stehen.
2. Bundesliga Tabelle
Die Tabelle der 2. Bundesliga hat folgende Bedeutung: Wer am Saisonende den ersten Platz belegt, ist Meister der Zweiten Liga und steigt in die 1. Bundesliga auf. Auch der Zweitplatzierte steigt direkt auf. Der Drittplatzierte tritt in der Relegation gegen den Drittletzten der Bundesliga an, um entweder den Aufstieg oder den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse zu sichern.