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Fußballspieler duschen zunehmend nicht mehr nackt: Warum eine Psychologin darin sogar ein Zeichen von Stärke sieht

Berlin – Für viele Profifußballer hat das Nacktduschen offenbar ausgedient. Statt blank zu duschen, behalten einige unter der Gemeinschaftsdusche ihre Boxershorts an. Dies gab kürzlich der ehemalige Nationalspieler Christoph Kramer (35) preis. Eine Sportpsychologin bewertet dieses Verhalten sogar als positiv.

Im Podcast von Barbara Schöneberger (52) berichtete der Weltmeister von 2014: „Früher haben wir alle nackt geduscht.“ Mittlerweile habe sich dies jedoch grundlegend gewandelt, so Kramer weiter: „Heute duschen mindestens 80 Prozent mit Boxershorts.“

Wer diesen Wandel in den Kabinen lediglich auf eine übertriebene Scham zurückführt, liegt möglicherweise falsch. „Das spricht für Stärke und nicht zwangsläufig für Scham“, erläuterte Sportpsychologin Marion Sulprizio im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“.

Dabei sind vor allem Jugendliche gemeint, die selbst entscheiden, wie viel sie von ihrem Körper zeigen wollen. Es erfordert Mut, sich gegen die Erwartungen innerhalb der Mannschaft zu stellen und persönliche Grenzen klarzumachen.

Hinter diesem Verhalten steckt jedoch nicht immer Selbstbewusstsein. Gerade während der Pubertät vergleichen junge Menschen ihren Körper häufig mit dem anderer. Zu dick, zu schlank, zu wenig Muskeln? Sichtbare körperliche Unterschiede in der Umkleide können Unsicherheiten verstärken.

Hinzu kommen Ängste vor verletzenden Kommentaren, Mobbing sowie Schönheitsideale, die durch soziale Medien vermittelt werden. Auch religiöse Überzeugungen und der Wunsch nach Privatsphäre spielen eine Rolle.

Ein weiterer Aspekt ist der Gruppendruck. Wenn fast alle Teammitglieder bekleidet duschen, möchte kaum jemand als Einziger nackt sein. Gespräche des „Tagesspiegels“ mit jungen Amateurfußballern legen nahe, dass es mittlerweile vielerorts zum Alltag gehört, unter der Dusche Unterwäsche oder Badebekleidung zu tragen.

Sulprizio begrüßt die Entwicklung, dass Jugendliche heute mehr Wert auf ihr Wohlbefinden legen. Früher hätten Trainer stärker diktiert, wie das Verhalten in der Kabine nach dem Training auszusehen habe. Teilweise sei es sogar üblich gewesen, gemeinsam mit den Trainern zu duschen. Das Bewusstsein für den Schutz junger Sportler habe sich inzwischen deutlich gewandelt.

Die Expertin empfiehlt, Mannschaften und Schulklassen bei der Festlegung von Duschregeln mit einzubeziehen. Wer sich in Badehose wohler fühlt, sollte nicht zum Ausziehen gedrängt werden. Ebenso wichtig sei, dass Umkleideräume vor unbefugtem Zugang geschützt sind.

Wie viele Sportler tatsächlich nicht mehr nackt duschen, lässt sich nicht genau beziffern. Repräsentative Daten dazu existieren nicht.