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Fußballprofi untersucht Sexismus im Sport und warnt: „Frauen gelten oft als weniger kompetent“

Köln – Mit Fortuna Köln hat Robin Afamefuna (29) kürzlich den Aufstieg in die 3. Liga geschafft. Doch der Linksverteidiger sorgt nicht nur auf dem Spielfeld für Schlagzeilen: Als Doktorand der Soziologie beschäftigt sich Afamefuna intensiv mit Sexismus und geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen im Fußball – und kommt zu alarmierenden Erkenntnissen.

Der 29-Jährige betont im Gespräch mit der FAZ, dass patriarchale Strukturen sowohl in der Gesellschaft als auch im Fußball weiterhin vorherrschend seien: „Sowohl in der Öffentlichkeit als auch innerhalb der Organisationen werden Frauen nach wie vor als nicht kompetent genug wahrgenommen und müssen oft wesentlich mehr leisten, um Anerkennung zu erhalten, die Männern meist ohne Weiteres zugestanden wird.“

Als Beispiel nennt Afamefuna Marie-Louise Eta (34), die in der vergangenen Saison als erste Trainerin in der Fußball-Bundesliga an der Seitenlinie für Union Berlin stand. „Das war zwar ein Meilenstein, zugleich gab es aber auch viele negative Begleiterscheinungen“, erklärt er.

So habe Eta mehrfach betont, dass sie sich nicht wünsche, dass ihr Status als erste Bundesligatrainerin in den Medien übermäßig thematisiert werde. „Dennoch wurden ihre Niederlagen und Erfolge öffentlich anders bewertet als bei männlichen Trainern“, erläutert der Linksverteidiger, der an der Ruhr-Universität Bochum promoviert.

Darüber hinaus musste sich die 34-Jährige mit einer Flut an Hassnachrichten und sogar Morddrohungen auseinandersetzen. Ein besonders negativer Vorfall war ein als Scherz gemeinter Beitrag von RB Leipzig, der nahelegte, dass Eta ihren männlichen Kollegen Marco Rose (49) attraktiv finde.

„Hier wurde ganz offen Sexismus reproduziert […]. Die Kombination aus Bild und Text vermittelte den Eindruck, dass Eta weniger als Trainerin wahrgenommen wird, sondern vielmehr als Frau, die sich für Männer interessiert und die Trainertätigkeit nur nebenbei ausübt“, stellt Afamefuna klar.

Ein positiver Gegenbeleg ist die Behandlung von Kathleen Krüger (41), die beim HSV als erste Sportchefin einer Männer-Mannschaft eingesetzt wurde.

Afamefuna bewertet die öffentliche Wahrnehmung der 41-Jährigen als ein gutes Zeichen.

Krüger wurde „in ihrer früheren Rolle als Teammanagerin beim FC Bayern München als unverzichtbar für den Erfolg des Vereins beschrieben“ und habe ihre Position nicht aufgrund ihres Geschlechts erhalten, „sondern weil sie die qualifizierteste Bewerberin war“.

Damit repräsentiere sie eine wichtige Rolle, „um dem Vorurteil entgegenzuwirken, dass kompetente Personen im Fußball meist weiß und männlich sind. […] Es ist erfreulich zu sehen, dass hier offenbar Fortschritte erzielt wurden“, freut sich Afamefuna.