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Werte und Standort widersprüchlich? FC St. Pauli eröffnet neuen Laden mit innovativem Konzept

Hamburg – Der FC St. Pauli eröffnet einen neuen Store im "Westfield Center" in der Hafencity. Ein Standort, an dem der Verein – eigenen Angaben zufolge – „neue Wege beschreiten möchte, ohne seine Wurzeln aufzugeben“. Der Klub steht offiziell unter anderem für Toleranz, Diversität, Inklusion und ein faires Miteinander. Das „Westfield“ hat während seiner Bauphase jedoch für negative Schlagzeilen gesorgt. Wie passt das zusammen?

Während der jahrelangen Errichtung tauchten immer wieder Berichte über illegale Beschäftigung auf, Arbeiter, die bei Stürzen von Gerüsten ums Leben kamen, schlechte Arbeitsbedingungen, zahlreiche Unfälle, Verletzungen, unzureichende Bezahlung und stark steigende Baukosten prägten die öffentliche Wahrnehmung.

Nach einer Verzögerung von etwa einem Jahr wurde das Einkaufszentrum im April des vergangenen Jahres eröffnet. Den Angaben des Centers zufolge besuchten in den ersten sechs Monaten mehr als fünf Millionen Menschen das Westfield. Diesen Umstand möchte offenbar auch der FC St. Pauli nun für sich nutzen.

Auf rund 100 Quadratmetern sollen ab Ende August beziehungsweise Anfang September am Elbufer Fanartikel des Kiezklubs angeboten werden. Ein herkömmlicher Fanshop soll jedoch nicht entstehen, teilte der Verein am Donnerstag mit.

„Der neue Laden soll stärker in Richtung Streetwear, Mode und Lifestyle ausgerichtet sein. [...] Ziel ist es, neue Zielgruppen zu erreichen und die Marke FC St. Pauli auch außerhalb der klassischen FCSP-Standorte bekannt zu machen.“

Diese Ausrichtung könnte vor allem bei den St.-Pauli-Ultras auf Kritik stoßen, erfuhr TAG24. „Was vielen Fans generell sauer aufstößt, ist – unabhängig von der Eröffnung des neuen Stores – die Vielzahl an Kollektionen“, erklärte ein langjähriger FCSP-Anhänger gegenüber TAG24. „Es fühlt sich an, als käme jede Woche eine neue Kollektion heraus, und manchmal gab es bis zu 50 verschiedene Hoodies im Onlineshop. Das hat viele Fans verärgert. Zwar wird alles nachhaltig produziert, dennoch wirkt es eher wie Fast Fashion.“

Dass St. Pauli in der Fußballszene oft als „Modelabel mit Fußballabteilung“ wahrgenommen wird, könne der Hamburger Verein mittlerweile sogar nachvollziehen.

Dass der Klub nun ausgerechnet in einem der vermutlich umstrittensten Einkaufszentren Hamburgs einen Shop eröffnet, „könnte den Ultras allerdings egal sein“, glaubt eine Quelle aus dem Fan-Umfeld.

Der Grund dafür sei, dass der St.-Pauli-Shop praktisch als eigenständige Firma agiere und „die Szene ihre eigenen Klamotten und Läden habe, in denen sie einkaufen kann“.

Patrick Mushatsi-Kareba, Leiter Vermarktung/Vertrieb, Merch & Digitales beim FC St. Pauli, beschrieb die Neueröffnung als eine Art Versuch:

„Für uns bedeutet dieser Standort, neue Pfade zu beschreiten, ohne unsere Herkunft zu verleugnen. Der FC St. Pauli steht für eine starke Marke, aber auch für eine besondere Kultur. Diese Kultur möchten wir an einem neuen Ort sichtbar machen: wirtschaftlich sinnvoll, aber mit einem klaren eigenen Anspruch.“

Damit bleibt jedoch die Frage bestehen: Wie lassen sich die Grundsätze und Werte des FC St. Pauli mit genau dieser Standortwahl vereinbaren?

Auf eine entsprechende Anfrage von TAG24 hat sich der Verein bislang nicht geäußert.