Lieber Wolfsburg als Bundesliga: So erklärt Reese seinen umstrittenen Abschied von Hertha
Berlin – Große Enttäuschung und Ärger dominierten die Sommerpause, als der Wechsel von Fabian Reese (28) offiziell wurde. Doch nicht zu einem Bundesligisten, sondern zum VfL Wolfsburg, einem direkten Konkurrenten von Hertha BSC in der Liga.
Während ein Wechsel in die Bundesliga von den Fans noch nachvollzogen worden wäre, löste der Wechsel zu einem Absteiger große Ernüchterung aus. Diese Enttäuschung entlud sich besonders auf Reeses Instagram-Profil, auf dem er die im Stadion bekannt gegebene Vertragsverlängerung noch als Beitrag fixiert hatte – aber auch seine Verlobte bekam die Kritik ab.
„Wo viel Unterstützung vorhanden ist, entsteht natürlich auch Enttäuschung, die ich verstehen kann. Dennoch sind bei einem solchen Wechsel immer zwei Parteien beteiligt“, erklärte Reese bei Sky. „Nach drei wunderbaren Jahren so viel Unmut zu erfahren, ist natürlich nicht leicht. Aber damit muss ich umgehen. Ich wachse daran als Mensch, und solange die Kritik sachlich bleibt, ist das für mich akzeptabel.“
Die größte Kritik richtete sich darauf, dass Reese nicht den von ihm oft genannten Traum von der Bundesliga verfolgte, sondern lieber zu einem Verein wechselte, der gerade abgestiegen war.
Dabei hätte er laut eigenen Angaben durchaus eine Option gehabt, höherklassig zu spielen: „Das ist eine berechtigte Frage. Ich hatte mehrere Angebote, auch aus der Bundesliga. Für mich war entscheidend, wie der Verein aufgestellt ist, was für einen Plan es mit mir als Spieler gibt, wer als Trainer da ist, welche Rolle ich im Team spielen werde und wo der Klub in den kommenden Jahren hinmöchte. Vor allem aber auch, wie der Verein dieses Ziel erreichen will.“
In all diesen Punkten habe Wolfsburg ihn durch alle Entscheidungsgremien hindurch überzeugt, weshalb er sich letztlich für den Wechsel entschied.
So nachvollziehbar Frust und Ärger unter den Fans angesichts der Umstände sind, so stellt Reeses Abgang zugleich auch einen Vorteil dar. Hertha, die einen strikten Sparkurs fahren, kann jeden Euro gut gebrauchen. Man könnte fast sagen, dass Reese die Alte Dame mit seinem Wechsel erneut – wie schon so oft in seinen drei Jahren in Berlin – finanziell entlastet hat.
Wolfsburg überwies acht Millionen Euro nach Berlin – das sind drei Millionen mehr als der vermutete Marktwert des Spielers. Ob ein anderer Klub bereit gewesen wäre, diese Summe zu zahlen, bleibt offen.
„Wir haben früh miteinander gesprochen und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass dieser Schritt der richtige ist“, deutete auch der ehemalige Kapitän an, dass Hertha einen Transfer grundsätzlich begrüßte. Sein hohes Gehalt konnte der Klub schlichtweg nicht länger stemmen.
Wie angespannt die finanzielle Lage in der Hauptstadt tatsächlich war, zeigen auch die ausbleibenden Neuverpflichtungen. Den Medien zufolge konnte man dank des Transfers von Reese einen Überschuss von etwa 15 Millionen Euro erzielen. Erst durch den Verkauf von Tjark Ernst (23) scheint Hertha nun wieder handlungsfähig zu sein.
Einen besonders warmen Empfang wird Reese im November vermutlich nicht erhalten, wenn er mit Wolfsburg ins Berliner Olympiastadion zurückkehrt.