Systemanpassung in Cottbus: Wollitz führte Team mit taktischem Kniff zum Sieg gegen Hannover
Cottbus – Die Halbzeitstatistiken und das Empfinden zur Pause zeigten deutlich: Energie Cottbus war Hannover 96 in vielerlei Hinsicht deutlich unterlegen. Was vielen Beobachtern entging: FCE-Trainer Pele Wollitz (61) gelang es durch eine taktische Umstellung, das schmeichelhafte 1:1 zur Pause in einen verdienten 3:1-Erfolg zu verwandeln.
Energie startete die Begegnung in einem 4-2-3-1-System, während Hannover mit einer 3-3-3-1-Aufstellung agierte. Dadurch konnten die Gäste im ersten Durchgang immer wieder ungehindert über die beiden defensiven Außenpositionen der Cottbuser durchbrechen.
Dies wurde zusätzlich begünstigt, weil der junge Jannis Zaydan (19) auf der linken Abwehrseite häufig von Rückkehrer Lucas Copado (22) im Stich gelassen wurde. Auch Henry Rorig (26) auf rechts hatte sichtliche Schwierigkeiten, den schnellen Kolja Oudenne (24) zu kontrollieren.
Da die Gastgeber oft die Absicherung in der Defensive vernachlässigten, hatten die Hannoveraner ein leichtes Spiel. Sie konnten häufig Eins-gegen-Eins-Situationen oder sogar Überzahlsituationen auf den Außenbahnen ausnutzen, um ins Dribbling zu gehen und in den Strafraum einzudringen.
Wollitz und sein Trainerstab reagierten in der Halbzeit mit drei Wechseln und einer Umstellung der Taktik: Fousseny Doumbia (21) ersetzte Zaydan und bildete zusammen mit King Manu (22) und Luca Erlein (19) fortan eine Dreierkette. Doumbia und Erlein übernahmen die Positionen der äußeren Innenverteidiger, die jeweils von einem Schienenspieler auf den Außen flankiert wurden. Rorig blieb rechts, neu ins Spiel kam Justin Butler (25) auf der linken Seite.
Dieser taktische Schachzug zeigte Wirkung: Energie stabilisierte die Abwehr deutlich, sicherte die Flanken nun doppelt ab und stellte den Gästen mehr körperlichen Einsatz entgegen.
Im zweiten Durchgang kam Hannover nur noch zweimal über die Außenbahn wirklich zum Abschluss – auch, weil Wollitz von seinen eigenen Prinzipien abwich und die Formation flexibel an den Gegner anpasste. Eine wahre System-Evolution in Cottbus!
Wie Wollitz bereits in der Vorbereitung betonte, ist er ein Verfechter der Viererkette. In der vergangenen Saison wich Energie nur einmal davon ab – im Spitzenspiel gegen Verl, als man gegen die spielstarken Verler (0:0) mit einem tiefen Block und einer Fünferkette agierte.
In der Regionalliga scheiterte die Variante mit Dreierkette und Schienenspielern zuletzt bei Viktoria Berlin (1:2), sowie gegen den BFC Dynamo (0:1), in Luckenwalde (1:1) und in Erfurt (0:2) jeweils deutlich.
Im Duell mit Hannovers Offensivdrang war diese Formation in Kombination mit den eingesetzten Spielern genau das richtige Mittel. Allerdings blieb das Offensivspiel in beiden Aufstellungen nahezu vollständig auf der Strecke – alle drei Tore fielen nach Standards.