„Ich war völlig überrascht“: Toppmöller erklärt die Hintergründe für die skurrile Entlassung des Jahres
Frankfurt am Main/Lens – Sportlich lief alles hervorragend, das Team zeigte starke Leistungen, und nur wenige Tage zuvor hatte sein Klub noch in der Champions League triumphiert. Dennoch endete für Dino Toppmöller (45) bei RC Lens überraschend und abrupt die Zusammenarbeit. Der ehemalige Trainer von Eintracht Frankfurt hat nun erstmals ausführlich dargestellt, was hinter einer der ungewöhnlichsten Trainerentlassungen des Jahres steckt.
Im Podcast „Spielmacher von 360Media“ reflektiert der 45-Jährige über die turbulenten Ereignisse. Nach dem Champions-League-Sieg bei Slavia Prag herrschte im Verein eine ausgezeichnete Stimmung. Toppmöller berichtet, dass „alle extrem euphorisch“ gewesen seien. Präsident Joseph Oughourlian (54) habe sich sogar telefonisch in der Kabine gemeldet und sei „unglaublich glücklich und stolz“ gewesen.
Umso überraschender kam das, was kurz darauf folgte. Sportdirektor Jean-Louis Leca (41) und Generaldirektor Benjamin Parrot (41) luden Toppmöller zu einem Gespräch ein. Dabei stand zunächst nicht seine eigene Zukunft im Fokus, sondern die seines langjährigen Assistenten Nelson Morgado (39).
Die Vereinsleitung plante, den Co-Trainer zu entlassen. Morgado sei „zu fordernd, zu laut, stoße bei vielen auf Ablehnung“ und stelle somit einen „Störfaktor“ innerhalb des Trainerstabs dar. Toppmöller sollte diese Entscheidung mittragen und zukünftig ohne seinen engen Vertrauten arbeiten.
Von einem offenen Konflikt während des Gesprächs berichtet der frühere Frankfurter Übungsleiter nicht. Ganz im Gegenteil: „Das Treffen war über die zwei Stunden hinweg sehr harmonisch. Man wollte mich davon überzeugen, dass dieser Schritt auch für mich und das gesamte Team von Vorteil wäre.“
Toppmöller wollte jedoch wissen, welche Konsequenzen eine Ablehnung dieser Maßnahme hätte. „Dann erklärten sie, dass sie diesen Schritt für so zwingend notwendig hielten, dass sie notfalls eine radikale Trennung vornehmen müssten, wenn ich nicht zustimme.“ Er entschied sich gegen die Absetzung von Morgado – und damit letztlich auch gegen seinen Verbleib in Lens.
Seinen Assistenten beschreibt er so: „Er ist ein Mensch, der außergewöhnlich viel arbeitet und das auch von seinen Kollegen erwartet.“
Einen Grund, ihn deshalb fallen zu lassen, habe er allerdings nicht erkennen können. „Hätte ich ein gravierendes Fehlverhalten bemerkt, hätte ich das selbstverständlich nicht akzeptiert. Aber das war schlichtweg nicht der Fall.“
Die Entscheidung des Vereins traf ihn daher umso härter. Er sei „völlig überrascht“ gewesen. Denn sportlich und innerhalb der Mannschaft deutete kaum etwas auf einen bevorstehenden Bruch hin: „Die Ergebnisse stimmten, die Stimmung war gut, und der Kontakt zu den Fans war sofort da.“
Auch fürs Sportliche bedeutete das Aus einen herben Verlust. Mit Lens hätte Toppmöller in der Champions League beim FC Liverpool an der Anfield Road spielen können. „Das gibt man nicht einfach so auf. Aber wenn ich dafür meine Prinzipien verletzen müsste, nehme ich in Kauf, dass ich dann keine Anstellung mehr habe.“
Für Toppmöller war damit eine persönliche Grenze überschritten. „Für mich kam es nie infrage, jemanden zu opfern, der keinerlei außergewöhnliches Fehlverhalten gezeigt hat. Deshalb ist es mir wichtig, heute noch mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen zu können, statt am Spielfeldrand zu stehen.“
Auch sein Vater Klaus Toppmöller (75) reagierte deutlich auf die Nachricht. Nachdem er von den Hintergründen erfahren hatte, soll seine erste Reaktion gewesen sein: „Sind die denn noch ganz bei Trost?“ Eine längere Auszeit plant Dino Toppmöller trotz der erneuten Entlassung nicht: „Ich brauche jetzt keine Pause von einem Jahr.“
Tabelle der 1. Bundesliga
Die Bundesliga-Tabelle hat folgende Bedeutung: Der Klub, der am Saisonende Rang 1 belegt, wird Deutscher Meister. Die Mannschaften auf den Plätzen 17 und 18 steigen in die 2. Bundesliga ab. Der Drittletzte (Position 16) hat die Möglichkeit, in der Relegation den Klassenerhalt zu sichern. Der Gegner hierbei ist der Drittplatzierte der 2. Bundesliga.