Bergsteiger-Kollegin warnte Laura Dahlmeier (†31) kurz vor ihrem Tod: „Viel zu riskant“
Garmisch-Partenkirchen – Vor mittlerweile einem Jahr ereignete sich der tragische Unfall, bei dem Laura Dahlmeier (†31) am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge ums Leben kam. Anlässlich des ersten Todestages widmet sich eine neue Dokumentation des österreichischen Senders „ServusTV“ der gefährlichen Leidenschaft der ehemaligen Biathlon-Weltmeisterin, den harschen Bedingungen der Bergwelt und dem verhängnisvollen Ausflug. Offenbar hatte eine Bergsteiger-Kollegin Dahlmeier noch kurz vor dem Unglück eindringlich gewarnt.
„In gebrochenem Englisch habe ich versucht, ihr klarzumachen: viel zu gefährlich, unmöglich. Außerdem zeigte ich ihr Fotos von den Lawinen“, berichtete die spanische Alpinistin María Martín in der Dokumentation „Laura Dahlmeier ... ein Schritt zu weit“.
Martín und ihre Gruppe befanden sich bereits rund zwei Wochen vor Ort, konnten aufgrund des wechselhaften Wetters mit hohen Temperaturen und Regen aber keinen Aufstieg wagen. „Bis zum Hochlager wären wir noch gekommen, aber die steile Flanke bis zum Gipfel war einfach nicht machbar“, schilderte sie. „Im Basislager gingen ständig Lawinen nieder, Steine und Eis prasselten herab.“
Umso überraschter war María, als am 24. Juli plötzlich Dahlmeier und ihre Seilpartnerin Marina Krauss eintrafen. Die beiden hatten bereits zuvor den Great Trango Tower bestiegen und planten nun die Besteigung des Laila Peak.
Die Bergsteiger verbrachten einige Zeit gemeinsam, tauschten sich freundlich aus und tranken Tee. Zunächst schien die Warnung der Spanierin Wirkung zu zeigen, denn das deutsche Duo verließ das Basislager und machte sich stattdessen auf den Weg zum Serac Peak.
„Ich dachte nur, dass ihnen der Berg vielleicht gefällt und sie eventuell im nächsten Jahr zurückkehren wollen“, so María Martín.
Doch am neuen Standort verschlechterte sich das Wetter weiter. Statt das Tal zu verlassen, kehrten Dahlmeier und Krauss zum Laila Peak zurück, wo sie am 26. Juli ihr Zelt aufschlugen – die anderen Bergsteiger hatten das Lager bereits verlassen.
Das Team erreichte das Hochlager und startete in der Nacht zum 28. Juli den Gipfelversuch. Da es jedoch tagsüber immer wärmer wurde, brachen sie den Aufstieg etwa 300 Meter unterhalb des Gipfels ab und wollten sich in Sicherheit bringen. Kurz darauf wurde Dahlmeier von einem Steinschlag getroffen und blieb leblos im Seil hängen.
Zur Rettung wurden weitere Bergsteiger herbeigerufen, darunter der US-amerikanische Top-Alpinist Alan Rousseau, die bei den Bergungsmaßnahmen helfen sollten. Am folgenden Tag starteten sie mit einem Militärhubschrauber zum Einsatz.
„Zuerst entdeckten wir nur das Zelt, dann sahen wir Laura tot am Seil hängen. Der Schnee war von Felsen, Schlamm und Schutt völlig schwarz verfärbt, der die Felswand heruntergerutscht war“, schilderte der Amerikaner die Lage.
Der Steinschlag setzte unaufhörlich fort: „Wir haben alle Möglichkeiten durchgespielt, wie wir zu Lauras Körper gelangen könnten“, erklärte Rousseau. „Doch wir kamen zu dem Ergebnis, dass jeder, der da hineingeht, sein Leben aufs Spiel setzt. Daher haben wir die Familie konsultiert, die ebenfalls entschied, das Risiko nicht einzugehen.“
Laura Dahlmeier hatte in ihrem Testament festgelegt, dass ihr Körper im Falle eines solchen Unfalls zum Schutz der Rettungskräfte nicht geborgen werden soll. Mittlerweile ist eine Bergung ohnehin nicht mehr durchführbar.