zurück

Wie lange hält Deutschlands Bronze-Glück an? „Ich kann beeinflussen, dass ich schnell laufe“

Birmingham (England) – Ein historischer Moment für Deutschland, doch überschattet von einer dunklen Wolke: Am Dienstagabend sprintete Owen Ansah (25) in 10,19 Sekunden zu Bronze über 100 Meter bei der Leichtathletik-EM in Birmingham und sicherte dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) damit erstmals seit vier Jahrzehnten in der Königsdisziplin der Männer eine Medaille. Doch wie Jürgen Klopp im Sommer treffend bemerkte: „Noch.“

Denn eine mögliche Dopingsperre wirft einen bitteren Schatten auf diesen Erfolg. Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) wirft dem in Hamburg geborenen Ansah vor, am 9. Juli eine Dopingkontrolle verweigert zu haben.

„Ich konzentriere mich auf die Dinge, die ich beeinflussen kann. Ich kann steuern, dass ich schnell laufe, alles andere liegt nicht in meiner Hand“, erklärte der deutsche Rekordhalter nach seinem Auftritt bei der EM im Interview mit der ARD.

Ansah und sein Rechtsbeistand weisen die Vorwürfe zurück. Der 25-Jährige sei zum Zeitpunkt der Kontrolle gerade auf dem Rückweg vom Diamond-League-Meeting in Monaco gewesen und außerhalb des angegebenen Zeitfensters kontaktiert worden, eine aktive Verweigerung habe es nicht gegeben.

Die NADA bewertet die Situation anders und fordert eine Sperre von vier Jahren. Ein von der Behörde vorgeschlagenes Angebot von drei Jahren bei sofortiger Anerkennung lehnte der Athlet des HSV ab und plant stattdessen den Gang zum Sportschiedsgericht.

In England ließ sich Ansah davon nicht beirren, auch dank der Unterstützung aus der Heimat: „Ich muss sagen, ich habe in letzter Zeit viel Zuspruch aus Deutschland erhalten – von Menschen, die wissen, was gerade passiert. Ich bin unglaublich dankbar, dass Deutschland hinter mir steht. Das hat mir auch geholfen, die Bronzemedaille hier zu gewinnen.“

Wird Ansah freigesprochen, darf er die Medaille behalten. Sollte sich jedoch die NADA durchsetzen, was von vielen Experten erwartet wird, droht dem Läufer ein Rückfall: Alle Resultate ab dem 9. Juli würden entsprechend der Sperrdauer gestrichen.

Das hieße, dass jede Sperre, die länger als einen Monat dauert, die Bronze-Auszeichnung bei der EM wieder aberkennen würde.

Zurzeit freut sich Ansah jedoch über seinen Erfolg – und blickt zuversichtlich nach vorn: „Ich bin glücklich, eine Medaille gewonnen zu haben. Das war mein Ziel. Ich bin hierhergekommen mit dem Vorsatz, mindestens eine Medaille mitzunehmen. Das habe ich geschafft, und am Donnerstag geht es für mich über 200 Meter weiter.“